Die Gnade eines Schwans

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Nata­lie Par­ker rutscht ihre sty­li­sche neue Yogastrumpf­ho­se ab, steckt sie in ihren Spind, schnappt sich ein Hand­tuch und geht zu den Duschen. Die Duschen sind ein gro­ßer geflies­ter Raum, stark weiß, Boden­ab­läu­fe, ein Dut­zend Dusch­köp­fe ragen aus den Wän­den. Es ist jetzt mit Dampf und Was­ser gefüllt, das in den Abfluss gurgelt.

Sie steu­ert auf einen lee­ren Dusch­kopf zu und dreht sich auf das Was­ser. Hei­ßes Was­ser ist fast augen­blick­lich. Es ist eine alte Turn­hal­le Umklei­de­ka­bi­ne im Dorf, in einer Zeit gebaut, als Anstand nicht ein­zel­ne Dusch­ka­bi­nen erfor­der­te. Zehn wei­te­re Frau­en dusch­ten sich nach einer neun­zig­mi­nü­ti­gen Yoga-Ses­si­on ab, dar­un­ter ihre Freun­din Pat Reynolds.

Eine Gruppe junger Frauen beim duschen nach dem Nackt Yoga
10 Frau­en nach der Yoga­stun­de beim duschen

Es gibt nähe­re, geho­be­ne­re Yoga-Stu­di­os näher an der Wall Street, wo Nata­lie arbei­tet, aber sie hat nichts gegen die ver­al­te­te Umge­bung. Das Fit­ness­stu­dio ist bequem zu ihrem Büro und die Sit­zun­gen sind um 12 Uhr geplant, so dass sie drei­mal pro Woche trai­nie­ren kann. Außer­dem sind die Kur­se viel spar­sa­mer und die Work­outs sind anspruchs­voll, genau das, was sie will.

Wäh­rend sie ihre Unter­ar­me schäumt, blickt sie auf die ande­ren Frau­en, eine Viel­zahl von Alters­grup­pen und kör­per­li­chen Beschrei­bun­gen. Die Viel­falt der Alters­grup­pen gibt ihr eine gute Vor­stel­lung davon, wie sich das Alter auf den weib­li­chen Kör­per aus­wirkt. Sie will so lan­ge wie mög­lich an ihrem getön­ten Kör­per hän­gen, und Yoga hilft ihr dabei.

Nach­dem sie die Sei­fe abspült, geht sie aus der Dusche, schnappt sich ihr Hand­tuch und ver­schmiert ihren Kör­per auf dem Weg zurück zu ihrem Spind. Pat geht mit ihr. Ihre Schließ­fä­cher sind nebeneinander.

“Gute Ses­si­on heu­te”, sagt Pat und klopft ihr Hand­tuch zwi­schen die Beine.

“Ja. Sie hät­ten die Kli­ma­an­la­ge auf­stel­len kön­nen. Hast du geschwitzt?”

“Das tue ich immer.”

“Damit kann ich leben”, sagt Natalie.

“Ich habe ihnen etwas zu erzählen.”

Nata­lie schaut sie an, als sie vor ihren Schließ­fä­chern ste­hen blei­ben. Ihre Freun­din ist ein ziem­li­cher Loo­ker: Oli­ven-Ver­voll­stän­di­gung, kur­vi­ge Hüf­ten, trop­fen­der arsch, dunk­le Haa­re und Augen, und ihre über­durch­schnitt­li­chen Brüs­te sind mit pro­mi­nen­ten brau­nen Brust­war­zen gekrönt, die mehr als ihren fai­ren Anteil an männ­li­cher Auf­merk­sam­keit anziehen.

“Ich habe letz­te Woche von einem Nackt-Yoga-Kurs gele­sen”, fährt Pat fort. “Letz­te Nacht habe ich den Mut auf­ge­bracht, es zu versuchen.”

Nata­lie starrt sie einen Moment an, nicht sicher, was sie dar­aus machen soll. Ein Nackt-Yoga-Kurs. Das muss bedeu­ten, dass alle nackt waren. Bestimm­te Asa­nas, die ste­hen­de Vor­wärts­kur­ve zum Bei­spiel, gehen durch ihre Gedan­ken. Wie macht man sie nackt, wenn ande­re da sind? Und das ist nur eine von vie­len Posen, die für die Welt die pri­vat­s­ten Tei­le eines Mäd­chens zei­gen würden.

“Willst du nicht etwas sagen?” Pat fragt.

“Ich bin mir nicht sicher, was ich sagen soll. Sicher­lich waren es alle Frauen.”

“Coed, eigent­lich.”

“Was? Män­ner waren da? Sie könn­ten dir dabei zuschau­en, wie du den nach unten gerich­te­ten Hund machst?”

Pat grinst, trock­net mit den Füßen, wirft das Hand­tuch auf die Bank. “Und ich konn­te sie beobachten.”

Nata­lie denkt einen Moment nach. “Nun, fühl­te sich das Trai­ning selbst anders an?”

“Nackt zu sein, meinst du? Ich wer­de sagen.” Pat nimmt ihren BH aus dem Spind. “Anfangs fühl­te ich mich gehemmt, aber man merkt schnell, wie bele­bend es sich anfühlt. Man gewöhnt sich dar­an, nackt zu sein. Nach Beginn der Sit­zung denkt man nicht ein­mal dar­über nach.”

“Das ist schwer zu glauben.”

“Nun, man denkt auf einer unter­be­wuss­ten Ebe­ne dar­über nach, vor allem, weil es sich so erfri­schend anfühlt.”

Nata­lie greift nach ihrem Hös­chen und tritt hin­ein. “War der Leh­rer männ­lich oder weiblich?”

“Ein Kerl. Sehr enga­giert. Er ging wäh­rend der Sit­zung durch die Grup­pe und half denen, die Pro­ble­me mit den Posi­tio­nen hatten.”

“Was ist mit Perversen?”

“Sie wür­den nicht zwei Minu­ten dau­ern. John wür­de ‘um raus­wer­fen. Sei­ne Regeln sind sehr streng. Du bist drau­ßen, wenn du erwischt wirst, wenn du starrst oder etwas Sug­ges­ti­ves sagst.”

“Johan­nes?”

“Der Instruk­tor. Ich gehe zurück. Sie soll­ten es ver­su­chen. Sie sind viel mehr in Kon­takt mit Ihrem Kör­per ohne Klei­dung. Er hat Nach­mit­tags- und Abend­kur­se. Ich den­ke, Frei­tag­abend wäre das Bes­te für mich.”

Augen­bli­cke spä­ter ste­hen die bei­den Frau­en vor Spie­geln, tra­gen Lip­pen­stift auf und erfri­schen sich. Pat schaut auf ihre Uhr. “Shit. Ich habe einen Ter­min in zwan­zig Minu­ten. Hof­fent­lich müs­sen wir nicht auf ein Taxi war­ten.” Sie schaut Nata­lie an. “Was denkst du dar­über nach?”

Nata­lie schaut sie an. “Oh, nichts.”

Eigent­lich ist ihr Geist eine Para­de der Gedan­ken. Yoga ist die Lie­be ihres Lebens. Es ist ihr nie ein­ge­fal­len, es nackt zu üben, vor allem in einer Klas­se mit Män­nern. Sie weiß, dass es vie­le ernst­haf­te männ­li­che Yogis gibt, aber sie ver­mu­tet, dass vie­le in einer Nackt-Coed-Klas­se nichts ande­res als Voy­eu­re sind. Gru­se­lig. Sie kann sich nicht vor­stel­len, ihre Vul­va für sol­che Män­ner zur Schau zu stellen.

Doch der Gedan­ke an Nackt-Yoga fas­zi­niert sie. Pat scheint es sicher­lich genos­sen zu haben, und sie geht zurück. Obwohl Pats Hal­tung gegen­über gro­ben Män­nern ähn­lich ist wie ihre, ließ Pat sie dadurch nicht davon abhal­ten, es zu ver­su­chen. Und offen­sicht­lich gab es kei­ne Voy­eu­re oder kru­den Männer.

Pat schaut sie zwei- oder drei­mal wäh­rend der Fahrt zurück zur Fir­ma an und fragt sich, war­um Nata­lie plötz­lich so ruhig ist. Sie starrt abwe­send aus dem Fens­ter, als ob sie den lang­sa­men Ver­kehr und die Men­schen­mas­sen auf dem Bür­ger­steig ver­gisst. Pat geht davon aus, dass sie an den Nackt-Yoga-Kurs denkt.

“Willst du es ver­su­chen?”, fragt sie.

Nata­lie schaut sie an, noch lan­ge nicht bereit, sich zu ver­pflich­ten. Aber sie kann nicht den Gedan­ken bekom­men, es aus dem Kopf zu ver­su­chen. Dann ver­su­chen Sie, wie sie könn­te, sie kann sich nicht nackt in der Mit­te einer Klas­se vol­ler nack­ter Män­ner und Frau­en vor­stel­len. Zie­hen sie ihre Klei­der vor­ein­an­der aus oder irgend­wo pri­vat? Inter­agie­ren sie? Star­ren sie auf die Kör­per­tei­le des ande­ren? Sie kann ein­fach nicht den Kopf um sie her­um bekommen.

“Äh, ich den­ke dar­über nach.” Ja, aber den­ke ich ernst­haft dar­über nach? Habe ich die Ent­schlos­sen­heit, so etwas durch­zu­ste­hen? Könn­te ich wirk­lich mei­ne Klei­der vor ande­ren aus­zie­hen, als ob dies völ­lig natür­lich wäre?

Bis drei Uhr hat Nata­lie die Hälf­te der Anru­fe getä­tigt, die sie haben soll­te. Zwi­schen den Anru­fen und der Fokus­sie­rung auf Akti­en und Tra­des drif­tet ihr Geist zu den fas­zi­nie­ren­den Aus­sich­ten des Nackt-Yoga. Sie ist nicht in der Stim­mung, mit anspruchs­vol­len Kun­den umzu­ge­hen oder auf ihre Beschwer­den zu hören. Der Tru­bel um sie her­um war eine fer­ne Droh­ne in ihren Ohren, nicht die auf­re­gen­den Vit­ami­ne, han­dels­po­li­ti­sche Pro­vi­sio­nen aufzuhäufen.

War­um beschäf­tigt sie sich plötz­lich mit dem Begriff Des nack­ten Yoga? Pat hat­te so bei­läu­fig, so enthu­si­as­tisch dar­über gespro­chen, dass Nackt-Yoga ein­fach eine auf­re­gen­de Sache ist. War­um also kämpft sie damit? Sie wird es ent­we­der ver­su­chen, oder sie wird es nicht tun.

Sie fin­det ihren Vor­ge­setz­ten, sagt ihr, dass sie für den Tag geht.

Es ist ein kur­zer Spa­zier­gang zur U‑Bahn. Im Zug ist die Hälf­te der Plät­ze belegt. Wäh­rend die dunk­len Tun­nel­wän­de vor­bei­rau­schen, lesen die Men­schen, schau­en auf ihre Han­dys und star­ren in den Welt­raum. Nata­lies Augen ver­schie­ben sich von einer Per­son zur ande­ren und ver­su­chen, sie nackt zu foto­gra­fie­ren. War­um? War­um ist sie so fas­zi­niert davon?

Ihre Woh­nung befin­det sich in der West 31st Street, nicht weit vom Empi­re Sta­te Buil­ding ent­fernt. Das Gebiet ist eine von Bäu­men gesäum­te Fuß­gän­ger­zo­ne, reich an schö­nen Topf­pflan­zen, Bän­ken und Restau­rants. Im Gegen­satz zu den geschäfts­ori­en­tier­ten Gegen­den in Man­hat­tan schlen­dern die Men­schen spa­zie­ren und genie­ßen ihren Tag, Schau­fens­ter­bum­mel und Tagträumen.

Als sie anfing, In der Fir­ma Geld zu ver­die­nen, beschloss sie, in eine Woh­nung zu sprie­ßen. War­um nicht? Man lebt nur ein­mal, und auf einer Stra­ße wie die­ser zu leben, ist genau so, wie man in New York lebt.

Nata­lies Apart­ment befin­det sich auf einer obe­ren Eta­ge. Sie ver­fügt über geräu­mi­ge Zim­mer und Fens­ter­wän­de mit herr­li­cher Aus­sicht. Zuerst geht sie in die Küche, um was­ser­ge­tränkt zu wer­den. Nach­dem sie das Glas in die Spül­ma­schi­ne gelegt hat, zieht sie ihre Anzug­ja­cke aus und geht auf die Ter­ras­se. Die Luft ist fri­scher, so hoch oben von den Stra­ßen; sie atmet auf. Sie nimmt auf einem der Ter­ras­sen­stüh­le Platz und blickt über die Dächer zwi­schen hier und dem East River.

Klei­dung Frei­es Yoga ist das, was Pat die Klas­sen nann­te, ein ein­fa­cher, direkt zum Punkt­na­men. Oben steigt sie und geht zurück in die Woh­nung und sitzt mit ihrem Com­pu­ter auf dem Schoß im Wohnzimmer.

Es ist eine geschmack­vol­le, infor­ma­ti­ve Web­site. Sie blät­tert durch die Sei­ten, sieht Bil­der von nack­ten Yogis in ver­schie­de­nen Posen. Sie sieht Hin­tern und Ris­se, aber die Bil­der sind geschmack­voll und nicht sehr expli­zit. Zuerst liest sie über die Klas­sen und was Neu­an­kömm­lin­ge erwar­ten soll­ten, dann klickt sie auf eine Sei­te mit Zeug­nis­sen. Die Leu­te reden über den Ein­tritt in die Klas­se mit Zwei­feln und Wider­wil­len, und las­sen das Gefühl frei und befreit. Frau­en schrei­ben über den Hass auf ihren Kör­per, der sich auf wun­der­sa­me Wei­se kurz nach dem Aus­zie­hen ihrer Klei­dung ändert. Män­ner schrei­ben über ihre Beden­ken und Selbst­zwei­fel, die sozia­le Nackt­heit zu hei­len scheint.

Vie­les davon trifft nicht auf Nata­lie zu. Sie hat hart gear­bei­tet, um ihren Kör­per trim­men und fest zu hal­ten. Sie hat vie­le der Lebens­mit­tel auf­ge­ge­ben, die sie liebt, um trim­men zu blei­ben. Wenn sie also nichts zu schä­men hat, nichts, was Selbst­be­schul­di­gun­gen her­vor­ruft, war­um fühlt sie sich dann so zurückhaltend?

Wenn es etwas über ihr Aus­se­hen gibt, das ihr eine Pau­se geben wür­de, dann wäre es ihre Weib­lich­keit, aber sie ist dar­an vor­bei­ge­kom­men. Oder hat sie? Sie hat­te schon immer gewusst, dass sie einen pro­mi­nen­ten Scham­hü­gel hat und ihre inne­ren Scham­lip­pen wie abge­schnit­te­ne Schmet­ter­lings­flü­gel her­vor­ra­gen, aber ihr Scham­haar ver­barg das so gut wie. Als die Rasur in Mode kam, ver­such­te sie es, als sie erkann­te, wie anders sie aussieht.

Viel­leicht war sie in der Lage, es zu über­ste­hen, weil ihre Vul­va fast nie aus­ge­setzt ist. Selbst in der Umklei­de­ka­bi­ne, ver­steckt zwi­schen ihren Bei­nen, wie es ist, ist es nicht leicht sicht­bar. In einem Nackt-Yoga-Kurs wäre es ganz anders. Bestimm­te Posen schei­nen so gestal­tet zu sein, dass sie die­sen Teil des Kör­pers gezielt anzeigen.

Die Gnade eines Schwans Nacktyoga
Eines schwie­ri­ge Nackt Yoga Pose

Und da ist ihre stren­ge mit­te­west­li­che Erzie­hung, die ihr gan­zes Leben lang Kon­flik­te auf­ge­zwun­gen hat. Vie­le ihrer frü­hes­ten Erin­ne­run­gen sind von ihrer Mut­ter, die ihren Mäd­chen erzählt, dass sie das gerech­te­re Geschlecht, dis­kret, beschei­den sind. Mut­ter ließ nie zu, dass ihre Klei­der über ihre Knie fie­len oder das Haus ohne Pet­ti­coat ver­las­sen. Sie hat vie­le Kämp­fe mit Schuld geführt: als sie die orga­ni­sier­te Reli­gi­on ablehn­te, als sie ihre Jung­fräu­lich­keit auf­gab, ohne ver­hei­ra­tet zu sein, als sie von Jop­lin an einen Ort wie New York zog. Was wür­de ihre Mut­ter über einen Nackt Yogakurs sagen, in dem nie­mand Klei­dung trägt?

Sie klickt auf eine Sei­te mit dem Titel “Über den Kurs­lei­ter”. Ihre Augen fal­len auf das Bild eines Man­nes über ihr Alter mit kur­zen, san­di­gen brau­nen Haa­ren, blau­en Augen und nack­ten Schul­tern, was alles, was das Foto ver­rät. Er hat ein dün­nes Gesicht und einen ziem­lich männ­li­chen Kie­fer, aber er ist nicht das, was jemand Drop-Dead als wun­der­schön bezeich­nen wür­de. Er sieht nach­denk­lich, aber durch­schnitt­lich aus. Sein Name ist John Kurst.

Sie starrt auf das Bild und denkt, sie wür­de die­sen Mann nackt sehen, zusam­men mit den ande­ren Män­nern, die sie auch sehen wür­den. Sie fragt sich, wie hoch das Ver­hält­nis von Män­nern zu Frau­en in die­sen Klas­sen ist. Sie fragt sich auch, ob dies erns­tes Yoga ist, oder zei­gen sich die­se Leu­te, um Mit­glie­der des ande­ren Geschlechts zu tref­fen, in der Hoff­nung auf Din­ner-Ter­mi­ne und Sex, was genau der Grund ist, war­um sie sich für einen Frau­en-Yoga-Kurs ange­mel­det hat.

Aber die­se Web­site impli­ziert, dass die Klas­sen ernst sind. Die Tes­ti­mo­ni­als spre­chen über inten­si­ve Trai­nings­ein­hei­ten. Sie spre­chen über die erfri­schen­de Frei­heit, die sie nackt emp­fin­den, das Schwit­zen durch die kräf­ti­gen Work­outs, das Feh­len fehl­ge­lei­te­ter Hem­mun­gen; nicht über jeman­den, den sie abge­holt haben, um die Nacht mit zu verbringen.

Nata­lies Gedan­ken drif­ten; ihre Selbst­ana­ly­se geht wei­ter. War­um zieht es sie dazu? War­um zögert sie? Ist es die Beschei­den­heit, die ihre Mut­ter ihr ein­ge­flößt hat­te? Ist es ihr tief ver­wur­zel­ter Sinn für Anstand? Ist es eine Angst vor dem Unbe­kann­ten? Sie kann kaum glau­ben, dass dies ein Pro­blem ist, denn der Umzug nach New York aus dem Mitt­le­ren Wes­ten war die schwie­rigs­te Unbe­kann­te, mit der sie je kon­fron­tiert war oder jemals sein wird.

War­um? War­um sind Men­schen bereit, ihre pri­va­ten Tei­le und Feh­ler in der Öffent­lich­keit zu ent­lar­ven, indem sie ihre Klei­dung vor­ein­an­der ausziehen?

Sie denkt dar­über nach, wie Men­schen die Schön­heit und Sym­me­trie des nack­ten Kör­pers in gro­ßen Kunst­wer­ken genie­ßen und bewun­dern. War­um nicht im Fleisch? War­um nicht ein­fach aus­pro­bie­ren, die berau­schen­den Emp­fin­dun­gen von gekühl­ter Luft und mensch­li­chen Augen auf ihrer nack­ten Haut spü­ren? Pat hat­te gesagt, dass alle Arten von Men­schen die Klas­se besucht hat­ten, jung und alt, über Gewicht und dünn. War­um nicht die Viel­falt der Bäu­che und Hin­tern und Geni­ta­li­en beob­ach­ten, die den mensch­li­chen Zustand umfas­sen, und wer­fen sie ihre eige­nen in die Mischung? Wie lan­ge ist es her, dass sie etwas Wage­mu­ti­ges, etwas Span­nen­des, etwas ande­res gemacht hat?

Sie lehnt sich nach vor­ne und greift nach ihrem Han­dy, erwischt Pat noch an ihrem Schreib­tisch. “Du gehst Freitagabend?”

“Ich pla­ne es.”

“Mind, wenn ich mit dir gehe?”

Eine kur­ze Stil­le also: “Natür­lich nicht.”

“Wie spät beginnt der Unter­richt?”

“Sie­ben Uhr. Sie kön­nen sich online regis­trie­ren. Klei­dung Frei Yoga.”

“Ja, ich weiß. Wir sehen uns morgen.”

Ihre Augen bewe­gen sich auf den Link oben auf der Sei­te, der das Regis­trie­rungs­for­mu­lar öff­net. Sie klickt dar­auf, beginnt das For­mu­lar aus­zu­fül­len. Die Stun­de kos­tet fünf­und­zwan­zig Dol­lar, oder sechs Stun­den für hun­dert. Sie wählt die ein­zel­ne Stun­de aus und klickt dann auf Senden.

Jetzt wird sie ihrem Gehirn eine Pau­se gönnen.

Sie schaut auf ihren Rock. War­um habe ich mich nicht etwas Beque­me­res angezogen?

Im Schlaf­zim­mer­schrank tritt sie aus ihrem Rock, zieht ihre Schu­he aus und zieht dann die Nylon­strümp­fe nach unten. Aus geht ihre Blu­se, die mit dem Anzug in die che­mi­sche Rei­ni­gung geht. Von einem Klei­der­bü­gel zieht sie das Hemd des Man­nes her­un­ter, das sie online bestellt hat­te, zieht es an und lässt es unbe­knöpft. Sie schluckt sie, hängt weit unter ihrem Höschen.

Im Bade­zim­mer sitzt sie auf der Toi­let­te, lehnt sich gespannt auf ihre Ell­bo­gen und war­tet, bis der Bach endet. Vor dem Spie­gel läuft sie war­mes Was­ser und ver­wen­det ein Wasch­lap­pen, um zu wischen, was wenig Make-up sie trägt ihr Gesicht, dann ver­wen­det ein Gewe­be, um den größ­ten Teil des Lip­pen­stifts abzuwischen.

Dann schaut sie sich selbst in den Spie­gel. Impul­siv rutscht sie ihr das Hemd von den Schul­tern. Der Aus­weg kommt der BH und das Hös­chen wird ihre Bei­ne nach unten gedrückt. Wenn sie in den Spie­gel schau­en, fal­len ihre Augen unter ihren Nabel. Einer ihrer Abläs­se ist das bra­si­lia­ni­sche Wach­sen, das sie etwa alle zwei Wochen bekommt. Pat geht mit ihr. Jetzt starrt sie auf ihre Vul­va, aus­ge­setzt, wie es ohne die Scham­haa­re ist, glatt wie ein Baby Hin­tern. Wenn man dar­über nach­denkt, sie in der Scham zu ent­lar­ven, fließt die schwin­del­erre­gen­de Wär­me des Selbst­be­wußt­seins durch ihren Kör­per. Von all den Frau­en, die sie in der Umklei­de­ka­bi­ne beob­ach­tet hat, sieht kei­ne von ihnen wie sie aus.

Die Gnade eines Schwans Nacktyoga
Jede Muschie sieht anders aus

Sie hat­te es Pat eines Tages erwähnt, der vor­schlug, sie könn­te in die Scham­lip­pen­plas­tik schau­en, wenn es sie so sehr stört. Nata­lie fand den Vor­schlag empö­rend. Sie glaubt nicht an plas­ti­sche Chir­ur­gie jeg­li­cher Art, es sei denn, eine Per­son ist aus irgend­ei­nem Grund ent­stellt. Kein Mann, mit dem sie geschla­fen hat, hat jemals etwas Nega­ti­ves über ihre Scham­lip­pen gesagt; ein paar von ihnen schie­nen sogar fas­zi­niert. Jetzt, in zwei Tagen, wird sie ihre pri­va­ten kör­per­li­chen Eigen­schaf­ten für eine Grup­pe von Men­schen zur Bewer­tung zur Schau stel­len. Es ist das ers­te Mal, dass sie Zwei­fel am Wach­sen hat.

Sie schaut auf das Hemd und die Unter­wä­sche auf dem Boden, tritt über sie und geht in die Küche, wo sie eine Klas­se Eis­tee gießt. Wenn sie zum Fens­ter im Wohn­zim­mer mit Blick auf die Ter­ras­se geht, erin­nert sie sich nicht dar­an, nackt in die­ses Zim­mer gekom­men zu sein. Sie schaut auf die Ter­ras­se, ein teu­res Merk­mal in die­sem spe­zi­el­len Grund­riss, auf das sie nicht ver­zich­ten woll­te, und ent­schied sich statt­des­sen, auf ein zwei­tes Schlaf­zim­mer zu ver­zich­ten. Sie scannt das Stadt­bild rund um die Ter­ras­se, wohl wis­send, dass es von irgend­wel­chen nahe­ge­le­ge­nen Gebäu­den nicht leicht zu sehen ist. Nie­mand wird sie sehen, wenn sie nackt hinausgeht.

Sie nimmt den Eis­tee und den Roman, den sie liest, lehnt sich auf einer Chai­se­longue zurück und öff­net das Buch. Ihre Gedan­ken drif­ten immer noch. Sie denkt dar­über nach, wie bequem sie sich hier drau­ßen ohne Klei­dung fühlt. Aber es macht Sinn, nicht wahr? Klei­dung kann klam­mern und knei­fen und bin­den, und an war­men Tagen wie heu­te feucht wer­den. Das führt ihre Gedan­ken zurück zum Yoga. Die Out­fits sind stil­voll, oft teu­er, und sie sind eng. Es macht nur Sinn, dass ein Asa­na auch ohne ein Zwei­hun­dert-Dol­lar-Out­fit beque­mer wäre, egal wie fle­xi­bel sie ver­su­chen, es zu schaffen.

Es wer­den Frem­de hin­ter ihr sein, neben und vor ihr, sowohl männ­lich als auch weib­lich. Mit jeder neu­en Pose wird sie sich des­sen bewusst sein, was sie für sie zeigt. Sie erhascht Ein­bli­cke in Kör­per­tei­le, die ihr das Gefühl geben, dass sie in die Pri­vat­sphä­re einer Per­son ein­dringt, was alles zu einer unbe­ant­wor­te­ten Fra­ge führt: Wird die­se Erfah­rung schreck­lich oder auf­re­gend sein?

Als flau­schi­ge Som­mer­wol­ken über ihr zie­hen und fer­ne Stra­ßen­ge­räu­sche ihre Ohren errei­chen, schläft sie ein, bevor sie das nächs­te Kapi­tel beendet.

Pat hält am nächs­ten Mor­gen an ihrem Büro.

“Also gehst du?”

Nata­lie nickt.

“Haben Sie sich registriert?”

“Ja.”

“Da ich weiß, wo es ist, wer­de ich dich abholen.”

“Ich bin bereit.”

Nata­lie beob­ach­tet, wie ihr Freund aus ihrem Büro geht. Sie hat eine gute Figur und weiß, wie man sie ver­wen­det. Sie ist aben­teu­er­lus­ti­ger als Nata­lie, wes­halb sie sich natür­lich so schnell für Nackt-Yoga-Kur­se ange­mel­det hat­te. Pat wird sogar ein Date akzep­tie­ren, wenn es mit einem Mann ist, mit dem sie nur ins Bett gehen will, etwas, was Nata­lie noch nie getan hat. Ohne die kon­ser­va­ti­ve Klei­der­ord­nung der Fir­ma wür­de Pat auf­schluss­rei­che­re Klei­dung tra­gen und ihre Bei­ne und ihre kräf­ti­gen Brüs­te zeigen.

Sie schaut auf ihren Com­pu­ter­bild­schirm. Die Ein­käu­fe und Ver­käu­fe sta­peln sich. Sie geht an ihnen zu arbei­ten, kon­zen­trier­ter als ges­tern Nach­mit­tag, und sie tele­fo­niert mit Kun­den, die Akti­en wol­len, die sie nicht kau­fen soll­ten, oder die­je­ni­gen, die eine Aktie zu früh ver­kau­fen wol­len. Der Mor­gen ver­geht wie immer schnell.

Mit­tags fah­ren Pat und Nata­lie mit dem Auf­zug in die Cafe­te­ria im ers­ten Stock, wo sie Sala­te aus­su­chen und einen Tisch finden.

“Erzäh­len Sie mir mehr über den Leh­rer”, sagt Natalie.

Pat macht sich Gedan­ken, sagt dann: “Er ist ein biss­chen ein Geheim­nis. Spricht nicht viel, wie er sich total auf die Klas­se kon­zen­triert. Er sieht nicht gut aus, aber er hat einen guten Kör­per, sehr dünn. Stark und männ­lich. Er ist groß. Er scheint sinn­lich, aber es ist, als ob es eine Mau­er um ihn her­um auf einer per­sön­li­chen Ebe­ne gibt. Es ist klar, dass er ein enga­gier­ter Leh­rer ist.”

“Er hat mit nie­man­dem gespro­chen. Small Talk oder irgendetwas?”

“Nur über Yoga.”

Nata­lie denkt einen Moment dar­über nach. Es spielt kei­ne Rol­le, ob der Kerl nicht sym­pa­thisch ist. Dafür wird sie nicht da sein.

Pat fährt fort: “Ich war fas­sungs­los, als ich her­ein­kam. John stand hin­ter einem Schreib­tisch, schon nackt, nahm Geld und mel­de­te sich an. Eini­ge der Leu­te waren auf der ande­ren Sei­te des Rau­mes und nah­men ihre Klei­dung aus. Eini­ge stan­den her­um und rede­ten, bevor der Unter­richt begann. Ich war ner­vös und auf­ge­regt. Als sich die letz­te Per­son anmel­de­te, war­te­te John, bis alle ihre Klei­der aus­zo­grn und ihre Mat­ten her­un­ter­hol­ten, und begann dann direkt hinein.”

Nata­lie nimmt einen Bis­sen Salat.

“Ich den­ke, Sie wer­den es genie­ßen. Man gewöhnt sich erst ein wenig dar­an, aber dann bist du zu beschäf­tigt, um dich um die Nackt­heit zu kümmern.”

“War­um soll­te man sich dann die Mühe machen, es nackt zu tun?”

“Das wer­den Sie her­aus­fin­den. Es ist schwer zu erklä­ren. Es macht Sie frei und unbe­las­tet füh­len. Alle Hem­mun­gen, die Sie haben ver­damp­fen. Man spürt eine Ver­bin­dung zu den Men­schen dort. Du willst sie tref­fen, viel­leicht Freun­de wer­den. Ich habe vor, mich ein paar von ihnen vor­zu­stel­len, nach­dem ich ein paar Mal gegan­gen bin.”

Nata­lie nickt nachdenklich.

“Es gab noch etwas, was ich nicht erwähnt habe.”

Nata­lies Augen ver­en­gen sich, als sie ihren Freund anschaut und dar­auf war­tet zu hören.

“Ich sag­te euch, John geht durch die Klas­se und hilft den Men­schen. Wir mach­ten die Krie­ger­po­se, als er auf mich zukam. Er leg­te sei­ne Hand knapp unter mei­ne Brüs­te und die ande­re auf mei­nen Rücken und half mir sanft wei­ter zu leh­nen. Dann rich­te­te er mein Bein auf. Ich glau­be nicht, dass er eine Ahnung hat, wie sich ein Mäd­chen mit den Hän­den auf ihnen so fühlt. Aber er tut es auch mit den Männern.”

Nata­lies Blick fällt auf ihren Salat. Sie spürt bereits die berau­schen­den Emp­fin­dun­gen, an die­ser Klas­se teil­zu­neh­men. Was wird sie füh­len, wenn sie tat­säch­lich dort ankommt?

Als sie am Ende des Tages in ihrer Woh­nung ankommt, hält sie in der Haus­tür inne und schaut nach­denk­lich auf den Hart­holz­bo­den. Aus und am gan­zen Nach­mit­tag war sie abge­lenkt gewe­sen und ver­such­te end­los zu anti­zi­pie­ren, wie Nackt-Yoga aus­se­hen wird. Sie schaut sich im Wohn­zim­mer um, freut sich, zu Hau­se zu sein, froh, allein zu sein. Sie geht ins Schlaf­zim­mer, um aus ihrer Klei­dung herauszukommen.

Nach einer kur­zen Dusche bli­niert sie sich tro­cken und geht dann in die Küche. Heu­te Abend plant sie, ein Stück Lachs zu brod­ten und eine Avo­ca­do in Schei­ben zu schnei­den. Nach­dem sie ein paar Gewür­ze besprüht hat, schiebt sie den Fisch in den Ofen und geht in den Kühl­schrank, um die Avo­ca­do zu bekom­men. Pat hat­te gesagt, Nackt­heit sei schwer zu erklä­ren, aber sie glaubt, dass sie es zu ver­ste­hen beginnt. Sie hat ihre Woh­nung oder ihre Ein­sam­keit nicht so genos­sen wie seit dem Moment, als sie nackt aus dem Schlaf­zim­mer ging.

Mit der in Schei­ben geschnit­te­nen Avo­ca­do nimmt sie eine Fla­sche Wein ab, öff­net sie und gießt ein Glas. Der Lachs wird schnell gar, also lehnt sie sich an den Tre­sen, um zu war­ten, bevor sie nach drau­ßen geht. Schon bald sitzt sie mit Essen und Wein am klei­nen Café­tisch auf der Ter­ras­se und fragt sich, ob auch sie die Hän­de der Leh­re­rin wäh­rend der Ses­si­on erle­ben wird.

Am nächs­ten Abend war­tet Nata­lie auf einer Bank in der Nähe der Kreu­zung Pat wird sie in der Kabi­ne tref­fen. Sie ist ner­vös und ängst­lich. Das letz­te Mal fühl­te sie sich so vor zwölf Jah­ren, als ihre Fami­lie zum Flug­ha­fen kam, um sie nach New York zu sehen. Abge­se­hen von vier Jah­ren, um Finanz­wis­sen­schaf­ten an der Hoch­schu­le zu stu­die­ren, war Jop­lin von ihrer Geburt an ihr Zuhau­se gewesen.

New York City. Alles, was sie mit­brach­te, waren zwei Kof­fer vol­ler Klei­dung. Sie hat­te bereits ein Stel­len­an­ge­bot bei der Fir­ma ange­nom­men, aber das spiel­te kei­ne Rol­le; sie war auf dem Weg ins Unbe­kann­te, genau wie heu­te Abend. Was wür­den ihre kon­ser­va­ti­ven Eltern den­ken, wenn sie her­aus­fän­den, dass sie ihre Klei­dung in der Öffent­lich­keit aus­zie­hen woll­te, umge­ben von Leu­ten, die sie nicht kennt?

Pat ist bereits ein­schu­liert, was sie erwar­tet, als das Taxi zum Ste­hen fährt. Der Ver­kehr ist wahn­sin­nig. Es ist eine Taxi­fahrt von Fits und beginnt den gan­zen Weg zum Dorf. Unter­wegs gibt Pat auf und ver­sucht, ihren Freund dazu zu brin­gen, etwas zu sagen.

Sie stei­gen aus dem Taxi und auf eine Für das Dorf typi­sche Stra­ße, eine Stra­ße vol­ler eklek­ti­scher Men­schen. Pat bezahlt den Cab­by und steht mit Blick auf Nata­lie, die das Gebäu­de anschaut, als ob es eine selt­sa­me neue Welt darstellt.

“Nun, Sie sind hier. Nicht zu spät, um ihre Mei­nung zu ändern.”

“Mein Ver­stand ändert sich nicht so leicht, wenn er geschminkt ist.”

“Erzäh­len Sie mir davon.”

Die Klas­se befin­det sich im drit­ten Stock. Nata­lie umklam­mert ihre Tasche, als ob jemand ver­su­chen könn­te, sie auf der Fahrt mit dem Auf­zug zu steh­len. Als sich die Tür im drit­ten Stock öff­net, war­tet die Tür zur Klas­se direkt über den Flur.

“Du bist bereit”, sagt Pat und steigt aus dem Aufzug.

Nata­lie nickt und folgt ihr.

Drin­nen ist es genau so, wie Pat beschrie­ben hat­te. Nata­lies ers­ter Blick auf eine nack­te Frau nimmt sie in Den Hin­ter­grund. Ihre Augen ver­schie­ben sich und sie sieht einen nack­ten Mann. Eini­ge sind in der Nähe der Rück­wand und zie­hen ihre Klei­dung aus. Ein paar Dut­zend Leu­te säu­men ihre Mat­ten auf dem Stu­dio­bo­den, schon nackt. Links neben der Tür befin­det sich eine Linie vor einem Schreib­tisch, auf der ande­ren Sei­te steht ein gro­ßer, sine­wy Mann Nata­lie von der Web­site erkennt, läs­sig nackt.

Nata­lie und Pat sind die Letz­ten in der Rei­he, die sich ziem­lich schnell bewegt. Sie ste­hen vor dem nack­ten Leh­rer, Geld in der Hand.

John schaut von sei­ner Lis­te auf. “Nun, ich erken­ne dich”, sagt er zu Pat. “Aber nicht du”, sagt er und schiebt sei­ne blau­en Augen auf Natalie.

“Mein ers­tes Mal. Mein Name ist Nata­lie Parker.”

“Ah, ja, ich erin­ne­re mich, dass ich Ihre Regis­trie­rung gese­hen habe.” Sein Fokus ver­schiebt sich nicht, als hät­te ihn etwas ergrif­fen, wenn er sie anschaut. “Zum ers­ten Mal für Yoga, oder zum ers­ten Mal hier?”

“Das ers­te Mal hier. Ich bin seit Jah­ren ein Yogi.”

“Ich sehe. Dann will­kom­men. Wenn Sie sich anmel­den, machen wir los.”

Nata­lie und Pat unter­schrei­ben das Led­ger und star­ten über die gro­ße Stu­dio­eta­ge. Nata­lie erreicht die Rück­wand in der Nähe der Wand­ha­ken und friert ein. Sie ist umge­ben von einem Meer aus mensch­li­chem Fleisch. Frau­en beu­gen sich um, um ihre Schu­he zu bin­den, ihre Brüs­te schwan­ken unter ihnen. Män­ner tre­ten aus ihrer Unter­wä­sche und pas­sen dis­kret ihre Geni­ta­li­en an. Klei­dung wird von Men­schen, die nichts tra­gen, an die Wand­ha­ken gehängt. Nata­lies wir­beln­de Gedan­ken machen ihr schwindelig.

“Du bist so weit gekom­men, Nat. Sie kön­nen dies tun.”

Sie beob­ach­tet, wie Pat ihre Blu­se aus­knöpft, die offen­sicht­lich besorgt ist. Sie atmet auf und ver­schiebt ihren Fokus von dem, was hin­ter ihr vor sich geht. Bald sind Pats Blu­se und BH aus. Nata­lie greift nach den Knöp­fen ihrer eige­nen Blu­se und beob­ach­tet, wie Pats aus­ge­zo­ge­ner Rock auf ihre Knö­chel fällt. Sie stäh­det sich, wirft ihr Kinn aus und been­det schnell, ihre Klei­der auszuziehen.

Tin­g­les rasen über ihre Haut. Sie schaut sich um. Die Leu­te stel­len ihre Mat­ten in par­al­le­len Rei­hen über den Boden. Nie­mand starrt sie an oder schaut gar hin.

“Komm”, sagt Pat und nimmt ihren Arm.

Nata­lie schnappt sich ihre Mat­te aus der Tasche und geht mit Pat in die Mit­te des Bodens. Sie legen ihre Mat­ten neben­ein­an­der am rech­ten Ende der zwei­ten Rei­he. Zwei jun­ge Män­ner, offen­sicht­lich schwul, leg­ten ihre Mat­ten neben sich. Sie tra­gen bei­de eine Art Schmuck am Ende ihrer Penis­se. Vor ihnen ste­hen zwei Frau­en, die in ihren Vier­zi­gern zu sein schei­nen. Hin­ter ihnen steht ein sech­zig­jäh­ri­ger Mann und was wie sei­ne Frau aus­sieht. Die Hälf­te der Teil­neh­mer ist unter drei­ßig, die ande­re Hälf­te älter, eini­ge von ihnen deut­lich älter. Eini­ge sind fit, vie­le nicht. Alle sind nackt.

Nackt Yoga leichte Kamel Pose
Nackt Yoga leich­te Kamel Pose

Vor der Klas­se ste­hend, kün­digt John an: “Heu­te Abend begin­nen wir mit ein paar Dehn- und Atem­übun­gen, und dann gehen wir in die leich­te Kamel­po­se.”

Die Dehn­übun­gen dau­ern die ers­ten fünf Minu­ten des neun­zig­mi­nü­ti­gen Unter­richts. Dann zeigt John den rich­ti­gen Weg, um in die ein­fa­che Kamel­po­se zu gehen. Die Posen sind gut für Anfän­ger – von denen vie­le hier sind –, aber kaum eine Her­aus­for­de­rung für Nata­lie und Pat.

Nata­lies Ner­vo­si­tät ver­flüch­tigt sich. Sie beob­ach­tet den Leh­rer mit Inter­es­se. Er ist nicht kopf­dre­hend gut aus­se­hend, aber er ist inter­es­sant ange­nehm anzu­se­hen. Wie sie rasiert er sich die Scham­haa­re oder wachst es. Sie wür­de sei­nen Penis nicht groß oder klein nen­nen, eher wie Durch­schnitt, den sie nicht nur ange­nehm fin­det, son­dern in Har­mo­nie mit dem Rest sei­nes dün­nen Kör­pers. Er hat viel­leicht kei­ne flei­schi­gen Brust­mus­keln und Schul­tern, aber er hat einen wohl­ge­form­ten, fest aus­se­hen­den. Obwohl er sich die Scham­haa­re rasiert, bleibt sein fast blon­des Kör­per­haar im Takt, meist an Brust, Unter­schen­keln und Unterarmen.

Wäh­rend sich die Klas­se von einer Pose nach der ande­ren bewegt, geht John unter sei­nen Schü­lern vor­bei, hilft ihnen, rich­tet den Rücken und hebt die Bei­ne höher. Als Nata­lies Gedan­ken sich beru­hi­gen, beginnt ihre Nackt­heit und die Nackt­heit um sie her­um einen sub­ti­le­ren Wert zu anneh­men, prak­ti­scher als gewagt, erfri­schen­der als kühn, natür­li­cher als außer­ge­wöhn­lich. Sie fühlt sich nicht mehr wie das Zen­trum der Welt, wie sie ihre Klei­der aus­zog, son­dern Teil einer Grup­pe, die ihren Kör­per visu­ell mit ihren Mit­men­schen teilt. Nichts hier scheint unan­sehn­lich oder unan­sehn­lich, kein Kör­per­teil, kei­ne Fal­te, kei­ne Nar­be oder Makel.

Mühe­los führt sie die Posen auf und beob­ach­tet den Leh­rer namens John Kurst. Sie hat noch nie einen Mann wie ihn gekannt, anmu­tig, wie er die Posen demons­triert, gedul­dig, fokus­siert, gründ­lich hem­mungs­los mit sei­nem schlan­ken nack­ten Kör­per. Er lässt Nackt­heit so harm­los erschei­nen wie das Lächeln eines Säug­lings, als ob er fra­gen wür­de, wel­chen trif­ti­gen Grund eine Per­son haben könn­te, um ihren Kör­per zu bedecken.

In der breit­bei­ni­gen, nach unten gerich­te­ten Hun­de­po­si­ti­on schafft es die Aus­bil­de­rin auf ihre Sei­te. Nata­lie, mit dem Obe­ren ihres Kop­fes in der Nähe des Bodens, sieht alles unter sei­ner Tail­le; sei­ne Nähe fühlt sich intim an. Er scheint sie zu stu­die­ren, ihre Fähig­kei­ten zu schät­zen, und sie fühlt plötz­lich sei­ne Hän­de auf ihrer Haut; eine auf dem klei­nen Rücken, die ande­re auf ihrem rech­ten Gesäß. Er drückt sanft auf ihren Rücken, was dar­auf hin­deu­tet, dass sie sie begra­digt. Als das schwind­li­ge Krib­beln, das sie fühl­te, als sie sich aus­zog, zurück­kehrt, tritt er hin­ter ihr her.

Sie beugt sich mit weit aus­ge­brei­te­ten Bei­nen nach vor­ne und weiß genau, was er mit ihr in die­ser Posi­ti­on sehen kann. Ihr Herz beginnt schnel­ler zu klop­fen. Sie kann die Füße eines Man­nes sehen, der in die­sen weni­gen Minu­ten mehr über ihren Kör­per weiß als die Män­ner, mit denen sie zwölf Jah­re lang gear­bei­tet hat. Als er weg­tritt, schließt sie die Augen und zieht ein paar Atem­zü­ge, nicht ganz sicher, wie sie sich fühlt, sich einem Mann auf die­se Wei­se aus­zu­set­zen, selt­sa­mer­wei­se nicht im Wider­spruch dazu. Ist es mög­lich, dass er in die­ser kur­zen Zeit ihre Hem­mun­gen ent­waff­net hat?

In die stan­dard­nach­un­ten Hun­de­po­si­ti­on schaut Nata­lie die Frau vor ihr an. Sie sieht einen nach vor­ne gebeug­ten weib­li­chen Kör­per, auf der Mat­te mit ihren Hän­den gespannt, ein begra­dig­tes rech­tes Bein, das him­mel­wärts gewölbt ist, einen eng gebeug­ten Hin­tern, Brüs­te, die unter ihr eige­nes Gewicht fal­len, und ein dich­tes Wachs­tum schwar­zer Haa­re, das von ihrem Riss in Rich­tung ihres Nabels ver­läuft. Unan­stän­dig? Nein. So hät­te Nata­lie die­se Anzei­ge ges­tern gese­hen. Heu­te, als ob eine wun­der­sa­me Meta­mor­pho­se ihre Per­spek­ti­ve ver­än­dert hat, als ob etwas über die­sen Raum magisch ist, sieht sie nichts ande­res als ein Bei­spiel für die Hand­ar­beit der Natur.

Wie ihre Yoga-Kur­se in der Regel, die­se geht schnell, aber die­se hat ihre Gedan­ken Segeln gesetzt. Nata­lie kommt auf die Bei­ne, nimmt ihr Hand­tuch und bla­miert ihre Brust. John Kurst muss den Raum wegen der Nackt­heit etwas wär­mer hal­ten. Neben Pat ste­hend, beob­ach­tet sie die Men­schen um ihren Start für die Wandhaken.

“Nun, sagen Pat. “Hat es Ihnen Spaß gemacht?”

Nata­lie schaut sie nach­denk­lich an. Sie ist nicht die glei­che Frau, die hier mit ihrem Freund her­ein­kam. “Äh, ja, ich habe es genossen.”

“Es gibt eine Kaf­fee­bar auf der Stra­ße. Las­sen Sie uns einen Espres­so bekommen.”

Nata­lie nickt und sie begin­nen für die Rück­sei­te des Raumes.

Minu­ten spä­ter beugt sich Nata­lie, geklei­det, um ihre Schu­he anzu­zie­hen. Als sie steht, steht John Kurst hin­ter ihr. Sie dreht sich um. Vor ihr ist der läs­sig nack­te Mann, den sie den bes­se­ren Teil von neun­zig Minu­ten damit ver­bracht hat, sich anzuschauen.

“Ich habe dich beob­ach­tet, nach­dem du dich ange­mel­det hast”, erzählt er ihr. “Du warst zöger­lich, dich auszuziehen.”

Nata­lie weiß nicht, was sie sagen soll. Pat schaut mit Inter­es­se zu. Kei­ner von ihnen erwar­te­te, dass der Leh­rer sie heraushob.

“Ver­zei­hen Sie mir, Frau Par­ker. Ich konn­te nicht anders, als Ihre Posen heu­te zu bewun­dern. Ich weiß, dass sie für dich ein­fach waren, aber das liegt dar­an, dass ich so vie­le Anfän­ger in die­ser Klas­se habe.”

Mund leicht klaf­fend nickt Nata­lie. Pat erkennt, dass der Leh­rer von ihr ange­zo­gen wird.

“Ich habe fort­ge­schrit­te­ne Klas­sen Mon­tag, Mitt­woch und Frei­tag Nach­mit­tag. Ich woll­te Sie ein­la­den, sich uns anzuschließen.”

“Äh, kann es nicht. Mein Job.”

“Natür­lich.” Er schaut sie einen Moment an. “Es ist wahr­schein­lich offen­sicht­lich, dass Yoga ein gro­ßer Teil mei­nes Lebens ist. Ich ver­mu­te, es ist auch für Sie.”

Nata­lie nickt wie­der. Kein Mensch hat sie je sprach­los gemacht. Wie geschieht das?

“In die­sem Fall habe ich eine Idee, über die ich mit Ihnen spre­chen möch­te. Haben Sie die Zeit, mich zum Kaf­fee zu beglei­ten? Direkt da drü­ben hin­ter die­ser Tür in mei­nem Büro.”

Nata­lie schaut an die Tür, schaut dann auf Pat.

“Ich war­te auf dich im Café. Es geht um sechs Türen nach unten.”

Nata­lie blickt auf den Instruk­tor zurück. Sein Lächeln ist ent­waff­nend. “Okay”, sagt sie.

Pat beob­ach­tet sie in Rich­tung Büro gehen, dann beginnt für den Eingang.

Im klei­nen Raum nimmt Nata­lie vor einem Schreib­tisch Platz. John gießt zwei Tas­sen Kaf­fee, reicht ihr die Hand und sitzt an der Ecke des Schreib­ti­sches und schaut sie an. Sein Penis hat sich in sei­nen Kör­per zurück­ge­zo­gen, so dass nur sei­ne Eichel aus­ge­setzt, nach außen zei­gend über sei­ne Bäl­le, die auf dem Schreib­tisch aus­ge­brei­tet sind. Sei­ne Nackt­heit lässt sie sich in Klei­dung uner­set­zungs­fä­hig füh­len. Sie nippt am Kaf­fee und fühlt sich ein biss­chen ruhiger.

“Mei­ne Ver­mu­tung ist, dass du dich zwin­gen muss­test, heu­te Abend zu kom­men”, sagt er.

“War das so offensichtlich?”

“Fürch­te so.”

“Pat erzähl­te mir davon. Ich konn­te nicht her­aus­fin­den, war­um die Leu­te ihre Klei­dung aus irgend­ei­nem Grund vor Frem­de neh­men wollten.”

“Aber du bist gekom­men. Wie sehen Sie das jetzt?”

Sie dreht den Kopf in Gedan­ken, dann tref­fen ihre Augen auf ihn. “Anders. Ich bin wirk­lich auf­ge­regt dar­über.” Sie scannt den Raum auf der Suche nach Wor­ten, um ihre Gefüh­le zu beschrei­ben. “Die­se Klas­se, du, sie hat mich ver­än­dert. Wie hier etwas Magi­sches pas­siert. Dafür möch­te ich Ihnen danken.”

Er nickt und lächelt. “Du machst also schon seit Jah­ren Yoga?”, fragt er.

“Seit ich vor zwölf Jah­ren nach New York gezo­gen bin.”

“Woher?”

“Jop­lin, Missouri.”

“Der Bibel­gür­tel. Erklärt das Ihre anfäng­li­che Bescheidenheit?”

“Wahr­schein­lich.”

“Ich kom­me aus Mai­ne. Nie rich­tig hin­ein. Die Leu­te schei­nen zu den­ken, dass ich ein wenig selt­sam war; und viel­leicht bin ich es, aber wir haben vie­le selt­sa­me Leu­te in New York, nicht wahr?”

Nata­lie lächelt schließlich.

“Ich weiß, dass dein Freund auf dich war­tet, also kom­me ich auf den Punkt. Wie wür­den Sie sich über ein paar pri­va­te Ein­zel­un­ter­richt fühlen?”

Nata­lie nimmt einen Schluck Kaf­fee und schaut ihn über den Rand der Tas­se. Die rea­le Welt fällt plötz­lich auf sie her­ab. Sie hät­te es kom­men sehen sol­len. “Ist das so, wie Yoga­leh­rer punkten?”

Er lächelt. Er hat­te nicht mit die­ser Inter­pre­ta­ti­on sei­nes Ange­bots gerech­net, aber er erkennt, war­um eine so schö­ne Dame miss­trau­isch ist. Sie muss mit Män­nern umge­hen, die rou­ti­ne­mä­ßig auf sie ein­schla­gen. “Ich kann sehen, war­um Sie mein Ange­bot für ein Come-on halten.”

“Wie vie­le Frau­en hast du benutzt?”

“Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mir glau­ben würden.”

“Ver­su­chen Sie es mir.”

“Kei­ne. Du bist der Erste.”

“Du hast Recht, das ist schwer zu glauben.”

“Eigent­lich habe ich nie­man­dem Pri­vat­un­ter­richt angeboten.”

Immer noch starrt sie ihn an und beginnt zu den­ken, dass er auf­rich­tig sein könnte.

John fährt fort: “Mei­ne Frau ist vor fast drei Jah­ren gestor­ben. Krebs. Seit­dem war ich nicht dar­an inter­es­siert, ande­re Frau­en sozi­al zu sehen.”

Nata­lie legt ihre Tas­se auf den Bei­stell­tisch, senkt den Kopf und reibt ihre Stirn mit den Fin­ger­spit­zen. “Es tut mir so leid”, sagt sie und schaut nach oben.

“Ent­schul­di­gen Sie sich nicht. Ich ver­ste­he das vollkommen.”

Sie schaut ihn lan­ge an. Er starrt nach­denk­lich auf den Boden, als wären Erin­ne­run­gen an sei­ne Frau wie­der auf­ge­taucht. Sein Fokus ver­schiebt sich zurück zu ihr. “Du bist einer der fort­schritt­lichs­ten Yogis, die ich seit einer Wei­le hat­te. Ich bot den Pri­vat­un­ter­richt an und dach­te, dass du bereit bist, auf die nächs­te Stu­fe zu gehen.”

Sie nickt. “Ich bin es. Und ich den­ke, ich könn­te das genie­ßen. Macht es Ihnen nichts, wenn ich dar­über nach­den­ke und Sie wis­sen lasse?”

“Natür­lich nicht. Bevor du gehst, könn­te ich dir viel­leicht einen der Asa­nas zei­gen, über die ich nachdenke.”

“Jetzt?”

“Es wird nur ein paar Minu­ten dauern.”

Sie nickt, folgt ihm dann wie­der auf den Stu­dio­bo­den und lässt ihre Augen den Lini­en sei­nes hohen sine­wy Kör­pers folgen.

Er hält in der Mit­te des Bodens, nimmt ein paar Atem­zü­ge und geht in die vor­wärts bie­gen­de Pose, legt sei­ne Brust leicht gegen sei­ne Ober­schen­kel und legt sei­ne Hand­flä­chen flach auf den Boden. Dann lehnt er sich nach vor­ne und sei­ne Füße kom­men lang­sam, aber mühe­los vom Boden. Sei­ne Bei­ne gehen direkt hin­ter ihm her, hal­ten inne, wenn sie in einem Neun­zig-Grad-Win­kel mit sei­nem Kör­per sind. Nata­lie unter­stützt sein Gewicht mit den Hän­den flach auf dem Boden und sieht eine unglaub­li­che Demons­tra­ti­on von Stär­ke und Balance.

Ihre Augen sind mit den Wun­dern der männ­li­chen Ana­to­mie gefüllt. Nach­dem sie drei Jah­re mit einem Mann zusam­men­ge­lebt und mit meh­re­ren ande­ren geschla­fen hat, hat sie noch nie einen nack­ten Mann so gese­hen, wie sie die­sen jetzt sieht, jeden Mus­kel, jede Fal­te und jeden Schat­ten, jede männ­li­che Nuan­ce. Jeder Mus­kel in sei­nem Kör­per wird gelehrt, aber nicht ange­spannt. Die Win­kel und Kur­ven sind eine visu­el­le Sym­pho­nie, die von Mut­ter Naturs feins­tem Werk zeugt. Das Bild hat ihr Herz belebt und ihren Geist so gründ­lich ein­ge­fan­gen, dass die Welt auf den beleb­ten Stra­ßen Man­hat­tans auf­ge­hört hat zu existieren.

Sei­ne Bei­ne begin­nen anmu­tig höher zu stei­gen. Der Neun­zig-Grad-Win­kel wird ein Acht­zi­ger. Er hält die­se Pose für einen Moment, dann lang­sam Tei­le sei­ne Bei­ne, bis sie fast par­al­lel zum Boden sind. Er ist sich der Tat­sa­che nicht bewusst, dass die­se Kugeln voll­stän­dig sicht­bar sind, sit­zend an der Spit­ze sei­ner Bei­ne wie Eier in einem flei­schi­gen Sack aus fal­ti­ger Haut, wäh­rend die Schwer­kraft sei­nen Penis nach unten zieht.

Nata­lie blickt auf einen Mann, der die Gna­de eines Schwans hat, einen Mann von roher Kraft und Vita­li­tät, einen Mann von rau­er Schön­heit. Sie betrach­tet die Poe­sie der Natur in Form eines Man­nes, der sowohl geheim­nis­voll als auch fes­selnd ist. Er hat Emo­tio­nen aus­ge­löst, die sie nie erlebt hat, Emo­tio­nen, die sie wie­der fas­sungs­los gemacht haben.

Lang­sam kehrt er die Rei­he der Züge um, die nicht ein­mal nach Gna­de oder Aus­ge­gli­chen­heit suchen. Sie hat noch nie etwas so Erstaun­li­ches oder So Schö­nes in ihrem Leben gesehen.

Augen­bli­cke spä­ter steht er vor ihr.

“Das ist es, was ich für Sie im Sinn habe”, sagt er. “Es ist im Grun­de eine Kom­bi­na­ti­on aus Gym­nas­tik und Yoga.”

“Äh—”

Er lächelt. “Den­ken Sie dar­über nach”, sagt er und legt die Hand auf den klei­nen Rücken. Er beginnt, sie zur Tür zu füh­ren. “Mei­ne nächs­te Klas­se beginnt in zwan­zig Minu­ten, und Sie haben einen Freund war­ten. Ich muss wirk­lich ein wenig Käse und Obst essen, bevor sie ankommen.”

An der Tür sagt er: “Rufen Sie mich ein­fach an. Wenn Sie inter­es­siert sind, bin ich sicher, dass wir eine gute Zeit fin­den kön­nen, um zu beginnen.”

Als sie auf sein Gesicht starrt, nickt sie, dreht sich um und geht aus dem Raum.

Als sie den Bür­ger­steig erreicht, beginnt sie im men­ta­len Nebel die Stra­ße hin­un­ter. Es ist nicht Green­wich Vil­la­ge um sie her­um, es ist ein fan­ta­sie­vol­ler Traum. Es kommt ihr nur vor, wohin sie geht, wenn sie das Aro­ma von Kaf­fee riecht. Pat sitzt an einem Tisch drin­nen und wartet.

“Was hat so lan­ge gedau­ert?” Pat fragt, wann ihr Freund sich hinsetzt.

Die Fra­ge regis­triert sich nicht. Alles, was sie sieht, ist ein nack­ter Mann, der sei­nen Kör­per auf sei­ne Hän­de hebt, sei­ne Bei­ne stei­gen, sei­ne Füße grei­fen nach der Decke. Sekun­den ver­ge­hen, bevor ihre Augen sich auf Pat konzentrieren.

Pat schaut sie ungläu­big an. Sie hat ihren Freund noch nie mit stern­ene­ten Augen gese­hen. Nata­lie ist zu prak­tisch, zu defen­siv, zu kopf­stark, um ihren Kopf von einem Mann umge­dreht zu haben.

“Guter Herr!” Pat sagt, nata­lies Espres­so vor sich her zu bewe­gen. “Trin­ken Sie etwas davon, bevor es kalt wird.”

Nata­lie schaut sich den Kaf­fee an, denkt nicht dar­an, ihn abzuholen.

“Willst du mir sagen, was los ist, oder nicht?”

Nata­lie reibt sich die Stirn. Wenn sie wüss­te, dass das Schick­sal einen Kata­ly­sa­tor auf Lager hät­te, der ihr Leben ver­än­dern wür­de, hät­te sie nicht ange­nom­men, dass es ein Mann sein wür­de. Eine Job-Pro­mo­ti­on, oder viel­leicht gewin­nen die Lot­te­rie, nicht ein Mann. “Er bot mir Pri­vat­un­ter­richt an.”

“Was! Ich habe nichts über Pri­vat­un­ter­richt auf sei­ner Web­site gesehen.”

“Er gibt sie nicht.”

“Oh, ich sehe. Du wirst dar­auf hereinfallen?”

“Es ist nicht das, was du denkst.”

“Sagt das Mäd­chen, bevor sie über die Klip­pe fällt.”

“Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Come-on wäre, aber es war es nicht. Er ist nicht sozia­li­siert mit Frauen.”

“Dann ist er schwul?”

“Nein. Er ist ein ver­hei­ra­te­ter Mann, der sei­ne Frau vor drei Jah­ren ver­lo­ren hat.”

Pat nippt an ihrem Espres­so und denkt. “Du hast es nicht gese­hen, oder?”

“Sehen Sie was.”

“Johan­nes zieht es dich an. Es hät­te nicht offen­sicht­li­cher sein kön­nen. Nata­lie, du bist nicht nur von Jop­lin hier­her gekom­men. Sie waren um den Block her­um. Was ist mit dir los?”

Nata­lies Augen wan­dern hier und da. “Ich weiß es nicht. Ich weiß es ehr­lich gesagt nicht.”

Eine Stun­de spä­ter ist Nata­lie aus ihrer Klei­dung und sitzt bei einem Glas Wein auf der Ter­ras­se. Sie starrt in die Nacht. Unter dem schwar­zen Him­mel fun­keln Stadt­lich­ter so weit das Auge reicht. Vague Stadt riecht weht von den Stra­ßen unten.

Sie ist froh, dass es Frei­tag­abend ist, sonst wür­de mor­gen in der Fir­ma kei­ne Arbeit gemacht. Sie wür­de am Ende mit wüten­den Anru­fen von Kun­den, die sich über das Geld, das sie ver­lo­ren, weil nie­mand ihre Akti­en gehan­delt. Alles, was sie mor­gen tun muss, ist zu ent­schei­den, was zu tun ist, und sie wird die Ent­schei­dung hier auf die­ser Ter­ras­se tref­fen, ohne einen Stich von Klei­dung zu tra­gen. Heu­te Abend wird sie nichts ande­res tun, als Wein zu trin­ken und an das viel­leicht schöns­te Kunst­werk zu den­ken, das sie je in ihrem Leben gese­hen hat.

Um Mit­ter­nacht hat Nata­lie genug Wein zum Ein­schla­fen, was in der Chai­se­longue pas­siert. Um ein Uhr steht sie auf und stürzt in ihr Schlaf­zim­mer und schläft ein, bevor sich das Blatt über ihren Kör­per legt. Es ist ein gesun­der Schlaf bis drei Uhr, wenn sich ihre Augen öff­nen, als wäre der Tages­an­bruch ange­kom­men. Sie starrt ins Dun­kel und denkt dar­über nach, wie lan­ge es her ist, seit sie sich ein Bett mit einem Mann geteilt hat.

Es fol­gen Gedan­ken, die cha­rak­ter­los sind. Der Mann, den sie neben ihr visua­li­siert, ist der, den sie gera­de ken­nen­ge­lernt hat, der Mann, der Magie in sei­nem Kör­per hat. Es ist ihr vor, dass er die­se Magie leicht auf ande­re Akti­vi­tä­ten als Yoga anwen­den könnte.

Aber die Wahr­schein­lich­keit, dass Johan­nes die­sel­ben Gedan­ken hat, ist null. Pat hat­te gesagt, er sei von ihr ange­zo­gen. Nata­lie glaubt das kaum. Johan­nes ist ein Mann mit einem Zweck und einem gebro­che­nen Her­zen. Er bringt nicht nur Yoga in das Leben der Men­schen, son­dern auch sozia­le Nackt­heit. Neun­zig Minu­ten lang schafft er eine Welt der Har­mo­nie und Kör­per­ak­zep­tanz, eine Moment­auf­nah­me des­sen, was die Welt sein könn­te und soll­te. Er schafft ein Umfeld, das die Men­schen zum Über­gang zu einem neu­en Geis­tes­zu­stand inspi­riert, in dem sich die Men­schen frei und abseits von Zwei­feln und fehl­ge­lei­te­ten Vor­stel­lun­gen befrei­en. Er demons­triert mit sei­ner Per­so­na und sei­nem Kör­per, was die Ein­stel­lung der Men­schen zur mensch­li­chen Form sein kann.

War­um soll­te sich ein sol­cher Mann per­sön­lich für eine Bör­sen­mak­le­rin interessieren?

Nata­lie glaubt, war­um. Sie glaubt, dass John sie als einen Klum­pen Lehm sieht. Ein Medi­um, das er zu einer schö­nen Sta­tue for­men kann. Ein Ent­lein, das er in einen Schwan ver­wan­deln kann.

Er hat­te gefragt, ob sie sich für Pri­vat­un­ter­richt inter­es­sie­re. Wel­che mög­li­che Ant­wort könn­te sie ihm geben, außer ja. Ja – sie hat sich noch nie so deut­lich für irgend­et­was interessiert.

Sie wird den Sams­tag nicht damit ver­brin­gen müs­sen, zu ent­schei­den, was sie tun soll. Sie weiß es schon. Mor­gen kann sie ihre Zeit damit ver­brin­gen, sich vor­zu­stel­len, wie es sein wird, allein mit ihm zu arbeiten.

Um acht Uhr früh­stückt sie; Toast, eine hal­be Grape­fruit und Kaf­fee, den sie auf die Ter­ras­se führt. Die Mor­gen­luft fühlt sich auf ihrer nack­ten Haut gut an. Der Metall-Zier­stuhl fühlt sich cool an ihrem Hin­tern an.

Sie scannt den Hori­zont. Die Welt, in der sie lebt, scheint eine ande­re zu sein; aber dann hat es sich nicht geän­dert – sie hat es. Sie will alles durch­den­ken, bevor sie John anruft. Zuerst auf ihrer Lis­te der Sor­gen: ihre Stär­ke. Ist sie stark genug, um die Posen zu machen, die er ihr bei­brin­gen will? Wird er am Ende ent­täuscht sein und ent­schei­den, dass er sei­ne Zeit ver­schwen­det hat? Die zwei­te Sor­ge ist ihr Job und Johns vol­len Ter­min­ka­len­der. Sie arbei­tet jeden Wochen­tag. Drei­mal in der Woche hat er Abend­un­ter­richt. Will er an einer sei­ner bei­den frei­en Näch­te oder an Wochen­en­den arbei­ten? Die drit­te Sor­ge ist ihr Herz.

Sie wur­de von Emo­tio­nen über­wäl­tigt, die sie wie ein Schul­mäd­chen füh­len las­sen. Sie plant, sie für sich zu behal­ten. Nicht ein­mal Pat wird es wis­sen. Sie ist heim­lich ver­le­gen über ihre Gefüh­le, die in kei­ner Wei­se auf Logik oder Ratio­na­li­tät beru­hen. Schließ­lich hat sie ihn erst ges­tern getrof­fen. Sie war nur eine von vier­zig Leu­ten. Sie war nicht mehr als zehn Minu­ten im Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit. Und wo jeder Mann, den sie je gekannt hat, der sich für sie inter­es­sier­te, sofort auf den Punkt gekom­men war, deu­te­te John nichts ande­res an, als ihr zu hel­fen, ihre Fähig­kei­ten zu ent­wi­ckeln. Für ihn wird ihre gemein­sa­me Zeit nichts ande­res sein als ein pro­fes­sio­nel­les Unter­fan­gen, eine per­sön­li­che Herausforderung.

Pat wür­de sagen, dass er nicht ein­mal schön ist. Viel­leicht nicht, aber er ist das schöns­te Männ­chen, das Nata­lie je gese­hen hat. Er ist geheim­nis­voll, intel­li­gent und nach­denk­lich. Er ist ein Non­kon­for­mist. Er ist stark und viril und end­los ange­nehm anzu­se­hen. Sicher­lich ist Pat bei die­sen Din­gen nicht ver­lo­ren. Aber dann ist sie es viel­leicht. Wenn ein Mäd­chen ihre Tit­ten ver­wen­det, um männ­li­che Auf­merk­sam­keit zu erre­gen, weiß Nata­lie, wel­che Art von Män­nern sie anzie­hen wird. Wenn er einen Fer­ra­ri fährt und aus­sieht wie ein Play­girl Cen­ter­fold, wird Pat mit ihm ins Bett gehen. Nata­lie fin­det das nicht nur amü­sant, son­dern hoff­nungs­los oberflächlich.

Sie nimmt den letz­ten Bis­sen Toast, steht und geht zum Gelän­der und schaut abwe­send auf die Stra­ße. Es kommt ihr vor, John zum Abend­essen ein­zu­la­den. Es wäre eine Gele­gen­heit, die pri­va­ten Sit­zun­gen zu pla­nen und sich bes­ser ken­nen zu ler­nen. Sie will mehr über ihn wis­sen, sehen, wie er mit Klei­dern aus­sieht, nicht, dass sie will, dass er sie lan­ge hält.

Kurz vor zehn Uhr gibt sie sich eine Pau­se von der Para­de der The­men, die sich in ihrem Kopf sta­peln. Sie setzt sich auf die Chai­se­longue und eröff­net den Roman, den sie gele­sen hat. Bis sie drei Sei­ten gele­sen hat, klin­gelt das Tele­fon. Es ist Pat.

“Ich habe heu­te kei­ne Plä­ne”, sagt Pat.

“Ich auch. Ich hän­ge nur um mei­ne Woh­nung herum.”

“Den­ken Sie dar­an, wenn ich rüberkomme.”

“Komm. Ich mache fri­schen Kaffee.”

Der Con­cier­ge klin­gelt drei­ßig Minu­ten spä­ter aus der Lob­by. “Miss Rey­nolds ist hier, um dich zu sehen.”

“Schickt sie hoch”, sagt Nata­lie zu ihm.

Die Tür­klin­gel klin­gelt drei Minu­ten spä­ter. Pats Augen wei­ten sich, als Nata­lie die Tür öffnet.

“Du bist wirk­lich in die nack­te Sache, nicht wahr?”

Nata­lie zuckt mit den Schul­tern. “Ich mag es.”

“Natür­lich”, sagt Pat und tritt in die Wohnung.

“Mein Platz ist Klei­dung optio­nal. Du kannst das Zeug anlas­sen oder mein Schlaf­zim­mer benut­zen, um es auszuziehen.”

Pat schaut sie einen Moment an und sagt dann: “Glau­ben Sie, ich wer­de es ausziehen.”

“Der Kaf­fee ist fast fer­tig. Ich tref­fe dich auf der Ter­ras­se. Sah­ne, oder?”

“Ja”, ant­wor­tet Pat und wen­det sich dem Schlaf­zim­mer zu.

Nata­lie sitzt an ihrem klei­nen Café­tisch, als Pat nackt aus­steigt. Sie lächelt inner­lich. Wenn es so etwas wie Got­tes Geschenk an die Men­schen gibt, muss Pat es sein. Ein Kerl könn­te sich in ihren Kur­ven ersti­cken und den­ken, er sei gestor­ben und in den Him­mel gegan­gen. Nata­lie war froh, dass Pat sich ent­schie­den hat, sich ihr in der Yoga-Klas­se anzu­schlie­ßen. Ihr Freund muss­te das alles festmachen.

Pat setzt sich hin und nimmt einen Schluck Kaf­fee. “Du siehst heu­te nicht mehr so ster­nen­äu­gig aus. Dort habe ich dich eine Wei­le nicht erkannt.”

Nata­lie Gedan­ken brin­gen sie zurück zu Johns Demons­tra­ti­on. “Du hast die­sen Hand­stand nicht gese­hen, den er mir bei­brin­gen will. So etwas habe ich noch nie gese­hen. Ich mache mir Sorgen.”

“Besorgt? Wor­über?”

“Er tut es mit so viel Leich­tig­keit. So anmu­tig. Ich kann einen ein­fa­chen Hand­stand machen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich so stark bin, wie er es getan hat.”

“Hmm. Gehst du dafür, oder nicht?”

“Wür­den Sie?”

“Pri­vat­un­ter­richt mit einem Mann, der die Hän­de eines Engels hat? Bist du ein Scherz?”

“Nun, die Ant­wort ist ja. Aber nicht wegen sei­ner Hände.”

“Ich bin mir sicher”, sagt Pat sardonisch.

“Ich sehe das als Her­aus­for­de­rung. Ich habe seit eini­ger Zeit kei­ne mehr gehabt.”

“Okay. Ich wer­de das glau­ben, wenn du willst, dass ich es tue.”

Nata­lie schaut sie einen Moment an. Wie sieht sie mich so leicht durch?

Die Frau­en trin­ken Kaf­fee und erzäh­len, wie ange­nehm das Wet­ter in letz­ter Zeit war, das stei­gen­de Ver­bre­chen in New York und gehen dann auf ein paar The­men ein, die wäh­rend der Woche in der Fir­ma auftauchten.

Dann erwähnt Pat: “Wir haben die­se Woche einen neu­en Mak­ler auf mei­nem Boden. Ein Blick. Koh­le schwar­ze Haa­re. Inten­si­ve blaue Augen. Kam von JP Mor­gan Chase.”

“Ist er im Fadenkreuz?”

“Viel­leicht. Er ist jung. Etwa sechs­und­zwan­zig. Er wäre gut für mein Ego.”

“Pat, er ist immer noch ein Kind.”

“Ein Kind, das letz­tes Jahr über vier­hun­dert­tau­send gemacht hat. Zumin­dest ist das das Gerücht.”

“Ich den­ke, sie könn­ten ihm ein paar Din­ge beibringen.”

“Ja. Ein paar Pri­vat­stun­den. Und ich wet­te, er ist stark genug.”

Nata­lie atmet ein und blickt in den kla­ren blau­en Him­mel. “Ich habe vor, heu­te etwas Son­ne zu bekommen.”

“Gute Idee”, sagt Pat. “Wunsch, dass ich mei­nen Kind­le mit­ge­bracht habe.”

“Sie kön­nen mei­ne ver­wen­den. Ich habe ange­fan­gen, ein Taschen­buch zu lesen.”

“Haben Sie etwas Damp­fes auf Ihrem?”

“Ich bezweif­le es. Hast du To Kill a Mocking­bird gelesen?”

“Nie­mals.”

“Pro­bie­ren Sie es aus”, sagt Nata­lie ste­hend. “Wenn es dir gefällt, kannst du eine Kopie bestel­len, wenn du nach Hau­se kommst.”

Pat posi­tio­niert sich auf einer Chai­se­longue, wäh­rend Nata­lie ihren Roman und Kind­le abholt. Die bei­den Frau­en set­zen sich ein und begin­nen zu lesen, ihre Haut erwärmt sich in der Mittagssonne.

Drei­ßig Minu­ten spä­ter klin­gelt Nata­lies Telefon.

“Hal­lo.”

“Frau Par­ker, Herr Kurst ist hier, um Sie zu sehen.”

Nata­lie ist fas­sungs­los, schweigt.

“Miss Par­ker, bist du da?”

“Uh-huh.”

“Er will mit dir sprechen.”

“Okay.”

“Miss Par­ker, ich kann gehen, wenn du beschäf­tigt bist oder Plä­ne hast. Ich war in der Nähe. Dach­te, wir könnten–”

“Äh, nen­ne mich Nata­lie. Das ist okay. Der Con­cier­ge lässt Sie herein.”

John gibt das Tele­fon zurück und der Con­cier­ge bestä­tigt Nata­lies Zustimmung.

Nata­lie starrt inden Raum und legt das Tele­fon beiseite.

“Was ist los?” Pat will es wissen.

“John Kurst kommt.”

“Oh mein Gott!” Pat springt auf, alar­miert, eilt zur Tür.

“Wohin gehst du?” Nata­lie fragt.

“Um sich anzuziehen!”

“War­um?”

Pat hält an der Tür, schaut nach­denk­lich nach unten. Sie schaut auf und sagt. “Das ist rich­tig. Ich habe vergessen.”

Nata­lie lehnt sich nach vor­ne und reibt ihre Stirn mit den Fin­ger­spit­zen bei­der Hän­de und ver­sucht, die Bedeu­tung die­ser uner­war­te­ten Offen­ba­rung zu bestim­men. Augen­bli­cke spä­ter klin­gelt die Türklingel.

Nata­lies Herz rast. Sie glaubt kaum, dass sie sol­che über­wäl­ti­gen­den Emo­tio­nen erlebt. Ihre Lip­pen sind eng und zusam­men­ge­drückt, als sie zur Haus­tür geht. Ihre nächs­te Über­ra­schung ist, dass John völ­lig nackt ist.

“Äh, du trägst kei­ne Klei­dung auf der Straße?”

Er hält eine Men­ge Klei­dung hoch. “Took ‘um off auf dem Auf­zug.” Er trägt auch eine Tasche.

“Dann haben Sie die Kame­ra nicht bemerkt.”

“Kame­ras sind unper­sön­lich. Ich igno­rie­re sie.”

“Nun, es ist schön, dich zu sehen. Komm herein.”

John tritt in die Woh­nung. tosst sei­ne Klei­dung auf das Sofa und setzt die Tasche auf den Boden. Er schaut sich um. “Sie haben eine schö­ne Woh­nung. Du musst viel Geld verdienen?”

“Ich habe gezockt, dass ich die Hypo­the­ken­zah­lun­gen erfül­len könnte.”

“Hoff­nung, dass das klappt.”

“So weit ist es.”

“Den­ken Sie dar­an, wenn ich den Rest davon sehe?”

“Über­haupt nicht.”

Er folgt ihr in den Saal. “Das ist ein Lager­raum”, sagt sie und öff­net die Tür zu einem gro­ßen unüber­sicht­li­chen Raum. “Das ist das Bade­zim­mer.” Er folgt ihr ins Schlaf­zim­mer. “Mein Zimmer.”

“Es ist so hell und luf­tig”, sagt er und schaut sich blen­dend um. “Und eine wun­der­ba­re Aus­sicht.” Als er zum Fens­ter geht, schwe­let Nata­lies Blick von sei­nen Schul­tern zu sei­nen Bei­nen. Das Bild von ihnen, das anmu­tig vom Boden auf­steigt, stürzt sich in ihren Kopf.

Er geht hin­ter ihr in ihr Bade­zim­mer. “Mein Bade­zim­mer”, sagt sie, steht in der Mit­te eines Mar­mor­raums mit einer gro­ßen kreis­för­mi­gen Wan­ne und Desi­gner-Arma­tu­ren. Ein klei­ner Kron­leuch­ter hängt über der Wanne.”

“Nichts wie mei­ne Woh­nung”, sagt er und lächelt sie an.

“Möch­ten Sie Kaffee?”

“Ja. Dan­ke.”

In der Küche beob­ach­tet er, wie sie zwei Tas­sen gießt, und folgt ihr dann auf die Ter­ras­se, wo er Pat am Gelän­der ste­hen sieht.

“Miss Rey­nolds”, sagt er über­rascht. Er schaut Nata­lie an. “Ich hät­te Sie nicht gestört, wenn ich gewusst hät­te, dass Sie Gesell­schaft haben.”

“Ich bin gera­de weg­ge­gan­gen”, sagt Pat und beginnt mit der Tür.

“Kei­ne Not­wen­dig­keit, sich zu beei­len”, sagt Nata­lie zu ihr.

“Ich gehe nach Hau­se, um ein Exem­plar die­ses Buches zu bestel­len”, sagt sie und öff­net die Tür. “Ich wer­de mich anzie­hen und mich zei­gen. Wir sehen uns Montag.”

John schaut Nata­lie schuld­haft an. “Es tut mir leid. Ich unter­brach Ihren Besuch.”

Als sie ihn anschaut, däm­mert es ihr, dass er tat­säch­lich hier ist. War­um? Er hät­te in sei­ner Akte nach ihrer Adres­se suchen müs­sen, dann in die Stadt kom­men müs­sen, um hier­her zu kom­men. Ist er so begeis­tert, ihr ein paar schwie­ri­ge Asa­nas beizubringen?

“Bit­te machen Sie sich kei­ne Sor­gen. Pat und ich sind bes­te Freun­de. Wir ver­brach­ten den gan­zen Mor­gen zusam­men. Sie war bereit, nach Hau­se zu gehen.”

“Sie ist eine schö­ne Frau.”

Er bemerk­te es. “Äh, ja, sie ist es.” Nata­lie schaut sich um und fragt sich, was sie als nächs­tes sagen soll. “Wir kön­nen hier sit­zen”, sagt sie und zeigt den Café-Tisch an.

Er setzt sich hin und schaut sie einen Moment an. “Ich bin sicher, dass ich Ihnen nicht genug Zeit gege­ben habe, um über die pri­va­ten Sit­zun­gen zu entscheiden.”

“Eigent­lich haben Sie. Ich freue mich dar­auf. Aber wir haben bei­de enge Zeit­plä­ne. Wann hät­ten Sie Zeit?”

“Gehst du in die Kirche?”

Sie lächelt. “Ich hof­fe, eines Tages, ein­mal, wenn ich heiraten.”

“Du kannst mich nicht über­zeu­gen, dass du dei­nen Anteil an Anwär­tern nicht gehabt hast.”

Nata­lies Kopf neigt sich mit einem lin­ken Schul­ter­zu­cken. “Ich neh­me an, ich habe. Die Leu­te sagen, ich bin eine wil­lens­star­ke Frau. Bei Män­nern kann das wie das Mischen von Öl und Was­ser sein.”

“Nie ver­hei­ra­tet, dann?”

“Ich nann­te es eine Pro­be­ehe. Ich habe vor lan­ger Zeit drei Jah­re mit einem Mann gelebt. Es ende­te in einem Pro­zess Schei­dung. Er woll­te nach Bos­ton zie­hen. Ich habe hier in New York Kar­rie­re gemacht.”

“Öl und Was­ser”, sagt John.

“Genau.”

John atmet auf. “Ich erwähn­te Kir­che, weil ich Sonn­tag­mor­gen frei bin. Den gan­zen Sonn­tag, eigentlich.”

“Oh. Du meinst wie morgen?”

“Ja. Ich wür­de ger­ne mor­gen anfangen.”

Nata­lie starrt ihn nach­denk­lich an. Mor­gen. Lässt nicht viel Zeit, um psy­che­auf. Aber was? Alles, was sie tun muss, ist eine gute Nacht­ru­he heu­te Abend zu bekom­men. Nicht wahr­schein­lich. “Okay. In Ihrem Studio?”

“Wir könn­ten es dort oder hier machen.”

“Hier? In mei­ner Wohnung?”

“Sicher. Sie könn­ten sich hier woh­ler füh­len.” Er scannt den Him­mel. “Wir könn­ten hier gleich anfan­gen, wenn das Wet­ter mithält.”

Das wäre sicher­lich bequem. Und wenn er bereit ist, hier­her zu kom­men, impli­ziert das, wie enthu­si­as­tisch er davon ist, dies zu tun, was irgend­wie sehr erfreu­lich erscheint. “Das könn­te Spaß machen. Mor­gens oder nachmittags?”

“Mor­gen. Wenn wir fer­tig sind, kön­nen wir spa­zie­ren gehen.”

Will er den bes­se­ren Teil des Tages mit mir ver­brin­gen? Was bedeu­tet das, sie fragt sich, wie sie einen Mann anstarrt, des­sen Bild auf ihr Gehirn gebrannt hat? Sie kann nicht anders, als ihn anzu­star­ren; sei­ne Brust ist so dünn, dass sie Sinew nicht von Kno­chen unter­schei­den kann. Doch je mehr sie es betrach­tet, des­to mehr fin­det sie sei­nen wei­den­haf­ten Kör­per anspre­chend. Kein Fett, alles männlich.

“Das wür­de ich mir wün­schen”, sagt sie. “Cen­tral Park ist nicht so weit von hier entfernt.”

Sie blickt über die Ter­ras­se an der Woh­nungs­wand. Fra­gen begin­nen, ihren Geist zu fül­len, von denen eine in den Vor­der­grund rückt. Es ist eine Fra­ge, die sie nur ungern stellt, obwohl ihre Neu­gier eine Num­mer auf sie macht. Sie denkt noch ein paar Sekun­den nach und wen­det sich dann an ihn.

“Johan­nes, stört es dich, wenn ich dir eine per­sön­li­che Fra­ge stelle?”

“Natür­lich nicht.”

“Ich möch­te von Dei­ner Frau wis­sen. Wie war sie?”

Sein Blick ver­schiebt sich mit einem ent­fern­ten Aus­druck, wie sei­ne Gedan­ken in sei­ne Ver­gan­gen­heit zurück­ge­hen. Er dreht sei­nen Stuhl vom Tisch ab und schiebt sei­ne lan­gen Bei­ne direkt vor sich her. Es gibt Haar­riss­fal­ten über sei­nem Bauch. Sei­ne Hän­de sind über sei­ne unte­ren Rip­pen geklam­mert. Sein Penis ist geschrumpft und zeigt nach oben.

ein nackter man am tisch
Nackt am Tisch sitzen

“Wir waren zwölf Jah­re ver­hei­ra­tet. Ich brach die Kunst­schu­le ab, um einen Job zu bekom­men, um ihr zu hel­fen, für das Col­le­ge zu bezah­len. Sie wur­de Leh­re­rin. Sechs­te Klas­se, Innen­stadt. Ich habe noch nie eine Frau mehr für das bewun­dert, was sie mit die­sen Kin­dern erreicht hat.” Er zieht den Atem an und gibt ihn frei, als wür­de er Erin­ne­run­gen los­las­sen. “Wir wohn­ten in der Nähe von Har­lem, wo ihre Schu­le war. Es dau­er­te lan­ge, bis sie dort akzep­tiert wur­de, haupt­säch­lich von den Kin­dern, aber sie beharr­te. Sie sah aus wie ein Engel, wei­che blas­se Haut, die im Som­mer fast braun wur­de. Jeden Som­mer haben wir In-Urlaub in Flo­ri­da. Ein FKK-Resort namens Cypress Cove. Zwei Wochen ist es wie im Para­dies zu leben. Freund­li­che Men­schen. Schö­ner Pool. Restau­rants. Wir gin­gen spa­zie­ren durch die Wohn­vier­tel und wink­ten den Leu­ten zu, die in ihren Höfen arbei­te­ten. Wir spra­chen sogar dar­über, eines Tages dort ein Haus zu kaufen.”

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“Kei­ne Kin­der?” Nata­lie fragt.

“Wir haben auch dar­über gespro­chen. Immer wie­der auf­schie­ben. Da sie jeden Tag mit Kin­dern zu tun hat­te, glau­be ich, dass sie Vor­be­hal­te hat­te, ihre eige­nen zu haben.”

“Das ist ver­ständ­lich. Ich habe beschlos­sen, dass mei­ne Zeit vor­bei ist, um mei­ne eige­nen Kin­der zu haben.”

“Bist du trau­rig dar­über?”, fragt er.

“Ja, in gewis­ser Wei­se. Aber ich habe eine span­nen­de Kar­rie­re hin­ter mir. Wenn ich Jop­lin nicht ver­las­sen hät­te, hät­te ich jung gehei­ra­tet und wäre am Ende mit sechs Kin­dern zusammengekommen.”

Er lacht. “Also leben wir hier und las­sen die Stadt unser Schick­sal kontrollieren.”

“In gewis­ser Wei­se neh­men wir das an.” Sie fragt sich, wie es war, mit einem exzen­tri­schen Künst­ler ver­hei­ra­tet zu sein, der sei­ne Klei­der in Auf­zü­gen aus­zieht. Sie kann sagen, wie sehr er sei­ne Frau lieb­te; die Träu­me, die sie geteilt haben müs­sen, leben noch in sei­nen Augen, wenn er über sie spricht. “Du woll­test also Künst­ler werden.”

“Als ich jung war.”

“Aber du hast es auf­ge­ge­ben, um dei­ner Frau zu helfen.”

“Nun, wir hat­ten bei­de einen Traum. Es war mir wich­ti­ger zu sehen, wie sie sie lebt.”

Sie schaut ihn einen Moment län­ger an, bevor sich ihre Augen ver­schie­ben. Sei­ne Frau war ihm damals wich­tig, und er liebt sie auch heu­te noch. Es spielt kei­ne Rol­le, dass sie weg ist, oder dass er schon lan­ge Sin­gle ist. Sie lebt in sei­nem Kopf und er ist immer noch mit ihr verheiratet.

Sie schaut ihn an und will wie­der auf die Din­ge zurück­kom­men. “Ich woll­te dich fra­gen, glau­ben Sie, dass Frau­en stark genug sind, um die­se Pose so zu machen, wie Sie es mir gezeigt haben?”

“Du bist es. Die meis­ten Frau­en sind es. Man­che über­zeu­gen sich ein­fach selbst, dass sie es nicht sind. Zwei­fel­los ist es eine grö­ße­re Her­aus­for­de­rung für eine Frau, des­halb möch­te ich mit Ihnen zusam­men­ar­bei­ten. Sie leben von Herausforderungen.”

Ihre Augen fal­len auf sei­ne Bei­ne. Sie hofft, dass er das als Kom­pli­ment meint. Sie schaut auf. “Und wenn ich es nicht kann, wirst du von mir ent­täuscht sein?”

“Sie kön­nen es tun. Machen Sie kei­nen Raum in Ihrem Kopf für Zwei­fel. Es kann eine Wei­le dau­ern, um Ihr Ver­trau­en in vol­le Aus­rüs­tung zu bekom­men, aber es wird pas­sie­ren. Kei­ner von uns wird uns ent­mu­ti­gen lassen.”

“Wenn du hier­her kommst, lass mich wenigs­tens dei­ne Taxi­ge­bühr bezahlen.”

“Du wirst für nichts bezah­len. Das ist für mich genau­so wie für dich.”

Eine wei­te­re sei­ner Aus­sa­gen, die neue Fra­gen auf­wirft. War­um sie? Ist die­ses Ziel eine Her­aus­for­de­rung für ihn, oder ist es per­sön­lich? Hat er sie wegen ihrer kör­per­li­chen Fähig­kei­ten her­aus­ge­ho­ben, oder hat­te Pat Recht, als sie sag­te, dass er von ihr ange­zo­gen sei? Die prak­tischs­te Lösung für die­se ers­te Sit­zung, da er bereits hier ist, wäre für ihn, die Nacht zu ver­brin­gen. Aber nichts auf Got­tes grü­ner Erde könn­te sie dazu brin­gen, dies zu suggerieren.

“Ich kom­me sowie­so nicht in sau­sen. Ich neh­me einen Bus.” Er steht, geht zum Gelän­der hin­über, blickt auf das Stadt­bild rund um die Terrasse.

Nata­lie beob­ach­tet ihn für einen Moment und schließt sich ihm an.

“So eine tol­le Aus­sicht”, sagt er. “Man sieht den East River.”

“Kaum. Als ich die­se Ter­ras­se sah, wuss­te ich, dass dies die Woh­nung ist, die ich wollte.”

Er wen­det sich an sie. “Ich habe mein Skiz­zen­block mit­ge­bracht. Ich möch­te dich zeichnen.”

Eine wei­te­re Pre­mie­re. Nata­lie ist sich nicht sicher, was sie sagen soll. “Äh, jetzt?”

“Ja.”

“Nackt?”

Er lächelt. “Ich kann mir kei­nen bes­se­ren Weg vor­stel­len.” Er schaut sich um. “Man kann auf einem Stuhl vor die­sen Topf­pflan­zen sit­zen”, sagt er und nickt zur Wand, wo sich ihr Topf­gar­ten befindet.

“Okay”, sagt sie beschei­den und schaut auf die Pflanzen.

Er trägt einen Stuhl über die Ter­ras­se und stellt ihn vor die Pflan­zen, um ihn um den Stuhl her­um neu zu ord­nen. “Sit­zen Sie hier und schau­en Sie so”, sagt er und nickt an den Glas­tü­ren zu ihrem Schlaf­zim­mer, die an die Wohn­zim­mer­tü­ren angren­zen. Wenn sie sitzt, rich­tet er ihre Schul­tern und sagt: “Kreu­ze dei­ne Bei­ne und wicke­le dei­ne Hän­de um die Knie.”

Er tritt zurück, um sie anzu­schau­en. “Per­fekt. Ich bekom­me mein Skizzenblock.”

Als er mit dem Skiz­zen­block zurück­kehrt, posi­tio­niert er den Stuhl, in dem er sit­zen wird, der nur weni­ge Meter ent­fernt ist und sich befin­det, damit er Nata­lies Pro­fil zeich­nen kann. Als er mit dem Zeich­nen beginnt, ist sein Aus­druck eine Kom­bi­na­ti­on aus Inten­si­tät und Bewun­de­rung. In Nata­lies Kopf liegt ein Wirr­warr wider­sprüch­li­cher Gedan­ken und Ver­wun­de­rung. Etwas ist plötz­lich los in ihrem Leben, und es hat mit die­sem Mann zu tun, die­ser Künst­ler, die­ser magi­schen männ­li­chen Zusam­men­stel­lung von Mus­keln, Talen­ten und Erinnerungen.

Fünf­und­vier­zig Minu­ten spä­ter steht er neben ihr und zeigt ihr das fer­ti­ge Werk.

Sie starrt es lan­ge an, erstaunt. Dann: “Es ist wunderbar!”

“Dan­ke. Der Kre­dit geht an das Modell.”

“Äh, kann ich es haben?”

“Natür­lich.”

Nata­lie weiß genau, was sie mit der Zeich­nung zu tun gedenkt. Sie wird es zuerst gerahmt und dann an der per­fek­ten Stel­le an ihrer Bade­zim­mer­wand hän­gen. Es wird das ers­te sein, was sie am Mor­gen sieht, und das letz­te, was in der Nacht.

Sie grup­piert ihre Gedan­ken neu. “Sind Sie hungrig?”

Er legt sei­ne Hand auf sei­nen Bauch. “Ja, jetzt, da Sie es erwähnt haben.”

“Es gibt ein gutes Restau­rant in der Nähe. Meeresfrüchte.”

“Mein Favo­rit.”

“Sechs Blocks von hier. Der Gum­bo mas­tiert, aber er ist köstlich.”

“Sol­len wir uns anziehen?”

Im Wohn­zim­mer tritt John in sei­ne Shorts, wäh­rend Nata­lie ihr Taschen­buch und ihren Kind­le ins Bücher­re­gal legt. Sie setzt die Zeich­nung auf den nied­ri­gen Tisch vor dem Sofa. “Du trägst kei­ne Unterwäsche?”

“Nein. War­um soll­te ich? Deodo­rant ent­we­der. Kann künst­li­che Gerü­che nicht ertragen.”

Es kommt Nata­lie vor, so nah sie mor­gen zusam­men­ar­bei­ten wer­den, er wird nicht Deodo­rant auf ihr rie­chen wol­len. fein. Sie wer­den bei­de natür­lich rie­chen, vor allem, wenn es ein war­mer Tag ist.

“Ich ver­su­che oft genug zu duschen, um Men­schen nicht zu belei­di­gen. Las­sen Sie mich wis­sen, wenn die Din­ge mor­gen außer Hand gera­ten, und ich wer­de Ihre Dusche ausleihen.”

Sie glaubt, dass sein Kör­per­ge­ruch der letz­te Geruch auf dem Pla­ne­ten ist, der sie belei­di­gen würde.

Nata­lie, die durch die Fuß­gän­ger­zo­ne schlen­dert, denkt, dass sie wie ein Paar aus­se­hen müs­sen, das zusam­men geht. Sie mag das Gefühl. John nimmt alles um sich her­um mit einem Blick des Stau­nens, die Schau­fens­ter, die Topf­pflan­zen und Bäu­me. New York beein­flusst sie genau­so, wie die­se Stra­ße, als sie sie zum ers­ten Mal sah.

Im Restau­rant tei­len sie sich eine Schüs­sel Gum­bo und spre­chen über ihre Ver­gan­gen­heit. Nata­lie konn­te nicht glück­li­cher sein, dass er heu­te kam. Es ist schon lan­ge her, dass sie einen Sams­tag so genos­sen hat wie diesen.

Nach dem Abend­essen greift sie zum Scheck. Johns Hand lan­det schnell dar­auf. “Anders als mei­ne Frau habe ich noch nie eine Dame zum Mit­tag­essen nach New York mit­ge­nom­men. Bit­te las­sen Sie mich die Erfah­rung machen.”

Nata­lie zieht ihre Hand zurück und legt sie in ihren Schoß und sieht ihn an wie ein Teen­ager-Mäd­chen, das gera­de bei ihrem ers­ten Date gefragt wur­de. Wenn sie in die Woh­nung zurück­keh­ren, wird sie ihn fra­gen, ob er einen Film sehen möchte.

Auf dem Bür­ger­steig vor dem Restau­rant schaut er sie mit einem Lächeln an. “Du hast Recht; dass gum­bo köst­lich war.” Er schaut sie einen Moment län­ger an. “Ich möch­te mich dafür bedan­ken, dass ich mich nicht dumm gefühlt habe, wenn ich heu­te nur auf­taucht. Ich weiß, dass dein Freund nicht vor­hat­te zu gehen, bis ich dort ange­kom­men bin.”

Er steht nah genug, damit sie den männ­li­chen Geruch von sei­nen Unter­ar­men erken­nen kann. “Möch­ten Sie wie­der nach oben kommen?”

“Ja, das wür­de ich tun, aber ich fürch­te, ich bin mit Papier­kram zurück­ge­kom­men. Ich kom­me bes­ser zurück.”

“Natür­lich.”

“Bis mor­gen also? Sagen Sie zehn Uhr?”

“Ich bin bereit.”

“Gibt es eine Bus­hal­te­stel­le in der Nähe?”

“Noch ein Block run­ter”, sagt sie und nickt in die­se Richtung.

Sie beob­ach­tet, wie er sich umdreht und weg­geht. In Kha­ki-Shirt und Shorts könn­te er eben­so gut durch eine afri­ka­ni­sche Savan­ne lau­fen. Sei­ne San­da­len sind getra­gen, sehen zwan­zig Jah­re alt aus. Sein kur­zes blon­des Haar legt sich so, wie es getrock­net ist, als er es wusch.

Wie­der ein­mal sind ihre Gedan­ken in einem Wir­bel. Wenn sie zurück in die Woh­nung geht, lenkt sie nichts ab; nicht die Dame schimpft über ihren klei­nen Hund, nicht das Kind, das mit sei­nem Skate­board die Regeln bricht, nicht der Laden­be­sit­zer, der die Will­kom­mens­mat­te vor sei­nem Laden ausschüttelt.

Der Con­cier­ge nickt, als sie vor­bei­geht, wirrt sie durch die Tür zu den Auf­zü­gen. Drei Teen­ager in Bade­an­zü­gen beglei­ten sie im sechs­ten Stock und fah­ren zum Pool auf dem Dach. In ihrer Woh­nung sitzt sie auf dem Sofa und starrt auf die Zeichnung.

Sie steht auf, um ihren Com­pu­ter zu bekom­men, fin­det einen Rah­men­la­den in der West 28th Street, legt die Zeich­nung in einen Mani­la-Ord­ner und geht aus der Woh­nung. Sie fährt mit dem Taxi zum Rah­men­ge­schäft, über­gibt die Zeich­nung einem etwa drei­ßig Jah­re alten jun­gen Mann hin­ter dem Tre­sen. Er betrach­tet die Zeich­nung mit Interesse.

“Sehr schön”, sagt er und schaut nach oben.

“Ich möch­te einen schwar­zen Rah­men, der groß genug für eine Gren­ze ist. Matt beenden.”

“Wie breit und wel­che Far­be wol­len Sie den Rahmen?”

“Hmm, mit­tel­grau, zwei Zoll den gan­zen Weg herum.”

Der Mann macht ein paar Berech­nun­gen. “Wir kön­nen es für 75 Dol­lar zuzüg­lich Steu­ern tun.”

“Kön­nen Sie es jetzt tun?”

“Nun—”

“Ich war­te.”

Eine Stun­de spä­ter bezahlt sie für den fer­ti­gen Rahmen.

Zurück in der Woh­nung lehnt sie die Zeich­nung an die Bade­zim­mer­wand, geht in den Schrank und zieht ihre Klei­der aus. Dann fin­det sie einen Wand­ha­ken in einer Werk­zeug­kis­te im Lager­raum. Im Bade­zim­mer stu­diert sie die Wand, an der sie die Zeich­nung auf­hän­gen will, einen Fleck direkt gegen­über der Toi­let­te und sicht­bar vom Eitelkeitspiegel.

Sie häm­mert den Haken in die Wand, hängt die Zeich­nung auf, rich­tet sie auf und setzt sich auf die Toi­let­te und starrt auf Johns schö­nes Werk. Fünf­zehn Minu­ten ver­ge­hen, bevor sie auf­steht, um in die Küche zu gehen, um etwas zu trinken.

John steigt zwei Blocks von sei­ner Nach­bar­schaft ent­fernt aus dem Bus. Sein lan­ger Schritt führt ihn in den Park auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te von sei­ner Woh­nung, einem Platz, der von drei- und vier­stö­cki­gen Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern umge­ben ist, von denen eini­ge Cafés mit eklek­ti­schen Menüs haben, ande­re mit klei­nen Kunst­ga­le­rien oder Geschäf­ten im ers­ten Stock. Der Park ist baum­be­schat­tet. Die Leu­te gehen mit ihren Hun­den spa­zie­ren, spre­chen mit Nach­barn oder kau­fen ein. Kin­der auf der ande­ren Sei­te des Parks wer­fen sich einen Base­ball zu, ihre lin­ken Hän­de ver­lo­ren in locker­sit­zen­den Handschuhen.

Er setzt sich auf eine Park­bank, schiebt die Bei­ne nach außen und kreuzt sei­ne Knö­chel. Sei­ne Gedan­ken sind eine Kom­bi­na­ti­on aus Fra­gen, Zwei­feln, Ver­wir­rung und Opti­mis­mus. Er hört das Flüs­tern, kann aber die Wor­te nicht ausmachen.

Er hat­te ein Jahr nach Emi­lys Tod ein Jahr der Qua­len durch­lebt; in die­ser Zeit wur­de er über­zeugt, dass er den Rest sei­nes Lebens allein sein wür­de. Es schien ziem­lich unmög­lich, eine ande­re Frau zu tref­fen, die sie in sei­nem Her­zen erset­zen könn­te. Nach und nach begann er, sich dem Leben ohne sie zu stel­len, ver­lor sich in sei­ner Arbeit, erwei­ter­te sei­ne Klas­se und führ­te die New Yor­ker in die frei­geis­ti­ge Welt der sozia­len Nackt­heit ein. Es wur­de klar, dass Yoga, spe­zi­ell Nackt-Yoga, der ein­zi­ge Aus­weg für sei­ne Trau­er war, die sich lang­sam in Ein­sam­keit ent­wi­ckel­te, die jetzt knapp unter der Ober­flä­che liegt.

Ein­sam­keit; es ist ein Phan­tom, das im Schat­ten lau­ert, immer zuschaut, die­ses sadis­ti­sche Lächeln lächelt, wie ein grau­sa­mer Wäch­ter, der über die abge­ma­ger­ten See­len in einem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger wacht.

Was geschah am Frei­tag, als er auf­blick­te und Nata­lie Par­ker sah? Was hat er gese­hen? Was ging von ihr aus, das Emo­tio­nen weck­te, die er längst ver­ges­sen hat? Was hat das Lächeln des Phan­toms in dem Moment, in dem er sie in augen dich beglie­dert hat, in Sor­ge verwandelt?

Sie zit­ter­te vor Ner­vo­si­tät bei ihrem ers­ten Ver­such, ihre Klei­der in der Öffent­lich­keit aus­zu­zie­hen, etwas, das er schon oft gese­hen hat, was ein gro­ßer Teil des­sen ist, wor­um es in sei­ner Klas­se geht. Er beob­ach­te­te sie, trans­fi­xiert, stand bereit, für die Für­bit­te, wenn sie für die Tür ver­schraubt. Aber sie tat es nicht, eine Sze­ne, die er immer noch in sei­nem Kopf spie­len kann. Sie griff nach den Knöp­fen auf ihrer Blu­se und stieg lang­sam aus ihrer Klei­dung, dann knurr­te sie für ein paar Augen­bli­cke nackt und scann­te ner­vös den Raum vol­ler ange­hen­der Nudisten.

Seit den ers­ten Tagen des Nackt­un­ter­richts waren sei­ne neu­en Schü­ler immer die glei­chen, wie es sein Ziel war. Brin­gen Sie sie zum Ent­klei­den, um es ein­fach aus­zu­pro­bie­ren, und beob­ach­ten Sie dann den Über­gang, den sie durch­lau­fen. Dann kam Der Frei­tag, der Tag, an dem er erkann­te, dass es am Ende eines sehr lan­gen und ein­sa­men Tun­nels noch ein Licht geben könn­te, was der Grund sein muss, war­um er so dar­auf bedacht war, die­se beson­de­re Frau fol­gen zu sehen. Es muss der Grund sein, war­um er einen Impuls ver­spür­te, über sie her­über­zu­ge­hen und sie zu trös­ten, ihr zu hel­fen, ihre Blu­se zu ent­knöp­fen. Es muss sein, war­um er immer wie­der starr­te, als wäre sie die ein­zi­ge Per­son im Studio.

Die Gnade eines Schwans Nacktyoga
Nackt Yoga Klasse

Aus kam ihre Klei­dung, end­lich. Hat er gese­hen, was er nor­ma­ler­wei­se sieht, ein Anfän­ger-Yogi, nackt, ent­we­der in Form oder nicht, eif­rig für das gro­ße Aben­teu­er zu begin­nen? Nein. Er sah eine Frau, die sei­ne Fan­ta­sie erfass­te, eine Frau, die er wis­sen wollte.

Sie war davon aus­ge­gan­gen, dass sein Ange­bot an Pri­vat­un­ter­richt ein Come-on war, was nicht ganz unge­nau war. Sei­ne Grund­mo­ti­va­ti­on war in der Tat, ihr zu hel­fen, ihr Kön­nen in eine Kunst­form zu ver­wan­deln, aber er muss­te zuge­ben, dass das nicht sein ein­zi­ger Grund war. Er woll­te auch eine Chan­ce, sie zu ken­nen, her­aus­zu­fin­den, was in sei­nem Kopf gesche­hen war, um zu sehen, ob alles mit der ein­zi­gen Lie­be, die er in sei­nem Leben hat­te, in Ein­klang gebracht wer­den konnte.

Und das moti­vier­te ihn heu­te Mor­gen, als er sei­ne Woh­nung ver­ließ und zur Bus­hal­te­stel­le ging. Auf der Bus­fahrt zu ihrer Woh­nung wur­de ihm klar, wie ner­vös sei­ne Schü­ler sein müs­sen, wenn sie sich zum ers­ten Mal aus­zie­hen. Als er in der Nähe ihrer Stra­ße aus dem Bus stieg, stieg er fast auf den nächs­ten zurück ins Dorf. Gott sei Dank hielt er an sei­nem Mut fest und ließ sich in ihr Gebäu­de bestei­gen. Am Tele­fon in der Lob­by hat­te er erwar­tet, sie zu hören, dass sie beschäf­tigt war; viel­leicht noch ein ande­res Mal. Aber nach­dem sie sei­nen uner­war­te­ten Besuch über­stan­den hat­te, schien sie froh zu sein, dass er kam.

Er war nicht wirk­lich über­rascht, als sie die Tür nackt öff­ne­te, zumin­dest nicht so über­rascht, wie sie ihn nackt im Flur sah. Er hat schon viel erlebt, wie sich das schnell ver­än­dert hat. Als sie die Tür öff­ne­te, sah er nicht nur einen ande­ren FKK oder nur einen ande­ren Schü­ler; er sah eine Frau und alles, was für einen Mann bedeu­ten kann. Sie ist hübsch, aber das ist es nicht; er hat vie­le schö­ne Frau­en in sei­nen Klas­sen unter­wie­sen. Sie ist intel­li­gent und unab­hän­gig; Ja, das bewun­dert er. Sie ist inter­es­sant; etwas ande­res mag er. Ihr Hin­ter­grund, ihre Kar­rie­re und ihr Umfeld sind ein pola­res Gegen­teil von ihm; aber viel­leicht ist das ein Teil des Grun­des, war­um er sie so inter­es­sant findet.

Die Zeit kann die Ant­wort über­ge­ben. In der Zwi­schen­zeit ist er ent­schlos­sen, sie auf ihre Hän­de zu bekom­men und zu sehen, wie sie mit flüs­si­ger Anmut dort­hin kommt. Er ist bereit, die Freu­de an der Errun­gen­schaft zu spü­ren und die­sen Glanz des Stol­zes in ihren Augen zu sehen. Er ist bereit, so viel Zeit wie mög­lich mit ihr zu verbringen.

Nata­lie holt ihr Buch aus dem Bücher­re­gal zurück. Drei­ßig Minu­ten spä­ter ruft Pat an.

“Er ist vor zwei Stun­den gegan­gen”, erzählt Natalie.

“Willst du mich nicht anrufen?”

“End­lich. Ich hat­te eine Besor­gung zu laufen.”

“Ich möch­te alles hören, jedes Detail.”

“Wir unter­hiel­ten uns, gin­gen dann zum Mit­tag­essen auf der Stra­ße und er ging nach Hause.”

“Komm!”

“Das ist es, im Ernst.”

“Fein. So sta­pelt es sich von wo aus ich sebe. Es ist Sams­tag­mor­gen. Kei­ner von euch hat etwas zu tun. Er ist in Ihrer Woh­nung. Du bist bei­de nackt. Er ist ein Mann und du bist eine Frau. Du bist zwan­zig Schrit­te von dei­nem Schlaf­zim­mer entfernt.”

“In dei­nen Träu­men, Mädchen.”

“Du hast gere­det. Worüber?”

“Er erzähl­te mir von sei­ner Frau. Er ver­misst sie immer noch, liebt sie immer noch. Er kam vor­bei, um die pri­va­ten Sit­zun­gen aus­zu­rich­ten. Es ist nicht kom­pli­ziert, Pat. Äh, habe ich erwähnt, dass er mein Por­trät gezeich­net hat?”

“Er was?”

“Er ließ mich nackt auf der Ter­ras­se posie­ren. Das war die Besor­gung. Ich habe es gerahmt. Es hängt in mei­nem Badezimmer.”

“Ich kann das nicht glau­ben”, sagt Pat. “Ein Akt. Ich kann es kaum erwar­ten, es zu sehen.”

“Sie wer­den es jedes Mal sehen, wenn Sie mein Bade­zim­mer benut­zen, um zu pinkeln.”

“Wann fan­gen Sie mit dem Unter­richt an?”

“Mor­gen. Er kommt hierher.”

“Dort kom­men? Und du glaubst nicht, dass er auf dich hereinfällt?”

“Ich weiß, dass er nicht auf mich her­ein­fällt. Seht, John lebt für Yoga. Aus irgend­ei­nem Grund denkt er, dass er mich auf die nächs­te Ebe­ne brin­gen kann. Ich möch­te es versuchen.”

Pat las­sen Sie uns einen hör­ba­ren Atem­zug. “Okay. Du strahlst ein Licht in die Augen eini­ger Leu­te und sie kön­nen es nicht sehen.”

“Nun, wenn er jemals die­ses Licht in mei­nen Augen strahlt, wer­de ich es sehen, glau­ben Sie mir.”

“Ich wür­de ger­ne mor­gen früh eine Flie­ge an der Wand sein.”

“Alles, was du sehen wür­dest, ist, dass ich mich selbst in Ver­le­gen­heit brin­gen und John frus­triert werde.”

“Wenn John frus­triert wird, dann des­halb, weil du nicht weißt, wel­cher Weg nach oben ist.”

“Ich habe genug gehört. Haben Sie noch etwas zu besprechen?”

“Eine Sache. Fin­de her­aus, ob er ein­zel­ne männ­li­che Freun­de hat.”

“Las­sen Sie mich das aufschreiben.”

“Auf Wie­der­se­hen.”

Nata­lie hört, wie das Tele­fon tot ist, und greift dann nach ihrem Roman.

Trotz ihres Zwei­fels an einer guten Nacht­ru­he schläft Nata­lie gut durch die Nacht. Sie weckt das Gefühl, frisch und leben­dig zu sein, und vol­ler Ner­vo­si­tät. Sie schaut auf ihre Nacht­tisch­uhr. John wird in drei Stun­den hier sein. Sie hofft, dass sei­ne Erwar­tun­gen nicht zu hoch sind.

Sie schwingt die Füße vom Bett und geht ins Bade­zim­mer. Nach ein paar Augen­bli­cken auf der Toi­let­te steht sie vor dem Spie­gel und bürs­tet sich die Kni­cke aus den Haa­ren und schaut auf die Zeich­nung in der Refle­xi­on. Kein Make-up heu­te; Eye­li­ner und Lip­pen­stift ist nichts, was John schätzt, was sie durch­aus ange­nehm fin­det. Nach einer kur­zen Dusche trock­net sie ab, ver­zich­tet auf das Deodo­rant. Die Sit­zung kann kräf­tig, sogar ver­schwitzt sein; aber trotz­dem wird es kei­ne künst­li­chen Gerü­che an ihrem Kör­per geben. Sie wird sich nach dem Früh­stück die Zäh­ne putzen.

Das Früh­stück ist eine klei­ne Schüs­sel Hafer­flo­cken und ein in Schei­ben geschnit­te­ner Apfel auf der Ter­ras­se. Ein wei­te­rer schö­ner Tag. Auch die Luft riecht frisch. Sie liest die Mor­gen­nach­rich­ten auf ihrem iPad, wäh­rend sie isst, ver­mei­det es, an ihre mor­gend­li­che Her­aus­for­de­rung zu den­ken. Sie ist jedoch ziem­lich auf­ge­regt, John zu sehen.

Als sie kurz vor zehn die Tür öff­net, lächelt sie inner­lich, als sie ihren gro­ßen Leh­rer sieht. Er zog sei­ne Klei­der wie­der im Auf­zug aus; sie sind in sei­ner Hand geweint. Sei­ne Yoga­mat­te ist unter sei­nem Arm aufgerollt.

“Ich habe Kaf­fee gemacht, nur für den Fall, dass du etwas willst”, sagt sie.

Er lächelt, geht hin­ein, schim­mert sei­ne Klei­der auf sofa. “Ich kann es rie­chen.” Er schaut sie an, scannt ihren Kör­per her­un­ter und dann tref­fen sich ihre Augen. “Bist du bereit?”

“Las­sen Sie sich ein­fach nicht enttäuschen.”

Er lächelt ver­ständ­nis­voll und schüt­telt den Kopf.

Mit zwei Tas­sen Kaf­fee auf dem Café­tisch rol­len sie ihre Mat­ten auf dem Sal­til­lo-Flie­sen­deck aus. Bei­de wär­men sich mit zehn Minu­ten Dehn­übun­gen auf. Dann stellt John einen Stuhl vom Café­tisch neben Nata­lies Mat­te, setzt sich hin und starrt nach­denk­lich auf die Matte.

“Füh­ren Sie die Kra­nich­po­se aus?”, fragt er und schaut nach oben.

“Ich mache die Kopf-auf-den-Boden-Version.”

“Fan­gen wir damit an.”

Nata­lie geht auf Hän­de und Knie, lehnt sich nach vor­ne, um ihren Kopf auf den Boden zu legen. Als sie ihre Knie von der Mat­te hebt, ver­schiebt sich ihr Gewicht nach oben auf ihren Kopf und ihre Hän­de, die sie ver­stei­fen, wäh­rend ihr Hin­tern in die Luft steigt. Mit ihren Armen in neun­zig Grad Win­keln, bringt sie ihre Knie in und ruht sie auf ihren Armen knapp über ihren Ellen­bo­gen. Ihre Füße ragen hin­ter ihr her­vor und ihr Hin­tern zeigt him­mel­wärts. In die­ser Posi­ti­on weiß sie, dass ihre Vul­va expo­niert ist, und wahr­schein­lich ihr Anus.

Sie kann Johns Füße und Unter­schen­kel sehen. Er scheint sie zu stu­die­ren. Mit jedem ande­ren Mann wür­de sie sich selbst­be­wusst und ver­letz­lich füh­len. Und jeder ande­re Mann wür­de sehr wahr­schein­lich eine Erek­ti­on bekom­men, und wür­de es ver­wen­den wollen.

John erhebt sich vom Stuhl und umkreist sie lang­sam. Sie atmet ein und aus, war­tet und fragt sich, ob ihr Stil und ihre Fähig­kei­ten alles sind, wor­über er nach­denkt. Sie hat vol­les Ver­trau­en in ihn ent­wi­ckelt, ist bereit, jede Pose aus­zu­füh­ren, die er von ihr ver­langt. Sie fragt sich, ob er kom­men­tie­ren, viel­leicht Vor­schlä­ge machen wird. Wenn er zwi­schen ihr und dem Stuhl steht, fühlt sie sich eine Hand auf dem klei­nen Rücken und die ande­re auf dem Rücken ihres Oberschenkels.

“Kön­nen Sie den Rücken ein wenig mehr ein­schie­ben?”, fragt er und drückt sanft auf den klei­nen Rücken.

Wenn sie sich dar­an hält, setzt er sich zurück.

“Haben Sie Pro­ble­me, Ihre Bei­ne in die­ser Posi­ti­on zu heben?”

“Nicht viel. Ich könn­te ein wenig wacke­lig sein.”

“Mal sehen. Erzie­hen Sie sie langsam.”

Ihre Bei­ne stei­gen lang­sam auf. Bald sind sie direkt über ihr. Es ist weit von ihrer sta­bils­ten Posi­ti­on entfernt.

Nach ein paar Augen­bli­cken sagt John: “Komm raus und setz­te eine Minu­te auf der Matte.”

Sekun­den spä­ter sitzt sie ihm mit gefal­te­ten Bei­nen gegen­über. Er lehnt sich an sei­nen Kaf­fee, sei­ne Knie weit, ohne zu wis­sen, wie läs­sig er sei­ne pri­va­ten Tei­le ent­hüllt, so wie sie sitzt. Sie fragt sich, ob er einen Blick auf die Art und Wei­se stiehlt, wie sie es tut, wenn er nicht hin­schaut. Sie fin­det es bezau­bernd, wie sein Penis sich zurück­zieht und nach außen zeigt, wenn er sich hin­setzt. Lus­tig erwei­se ist ihr nie ein­ge­fal­len, wie erfri­schend es ist, wenn Men­schen so läs­sig zusam­men sein können.

John nippt an sei­nem Kaf­fee, bringt die Tas­se auf den Tisch. “Du bist noch nicht bereit, auf dei­ne Hän­de zu gehen. Ihre Balan­ce ist ziem­lich gut mit Ihrem Kopf und Hän­de auf dem Boden für die Unter­stüt­zung. Es sieht so aus, als ob Sie sich auf nur Kraft ver­las­sen, um Ihre Bei­ne in die Luft zu bekom­men. Der Schlüs­sel ist so viel Gleich­ge­wicht wie Stär­ke. Das ist also unser Fokus. Ihr müsst ler­nen, wie ihr euren Schwer­punkt fin­det, der schließ­lich zur zwei­ten Natur wird. Wenn du das meis­terst, wird das End­ziel viel ein­fa­cher sein.”

Nata­lies Brust erhebt sich auf einem tie­fen Atem­zug. Sie hat­te nicht an die Phy­sik gedacht, die in den schwie­ri­ge­ren Posen invol­viert war. Es schien immer eine Fra­ge der Stär­ke und Der Pra­xis zu sein.

“Aber ich brau­che noch Ober­kör­per­kraft, oder?”

“Ja. Wahr­schein­lich nicht so viel, wie Sie den­ken. Gibt es ein Fit­ness­stu­dio in die­sem Gebäude?”

“Im zwei­ten Stock.”

“Ver­wen­den Sie es?”

“Ich benut­ze das Lauf­band von Zeit zu Zeit. Nor­ma­ler­wei­se bei schlech­tem Wet­ter, wenn ich nicht gehen kann, um zu gehen.”

“Ver­wen­den Sie die Gewich­te, zwei­mal pro Woche.” Er steht mit den Armen auf sei­ner Sei­te. “Stel­len Sie vor, ich habe eine Lang­han­tel in jeder Hand.” Mit einem Ach­sel­zu­cken beginnt er, sei­ne Schul­tern zu heben und zu sen­ken, und hebt dann die Arme nach außen. “Das wirkt auf die Schul­tern. Ver­wen­den Sie genug Gewicht, um Sie her­aus­zu­for­dern, aber nicht zu viel und ver­ur­sa­chen eine Belas­tung. Tun Bank­drü­cken und Arm Locken. Wenn es eine Gewichts­ma­schi­ne gibt, machen Sie Lat Pull-downs.”

“Okay. Ich pla­ne diens­tags und don­ners­tags nach der Arbeit.”

“Du warst ein wenig wacke­lig, als du dei­ne Bei­ne hobst. Las­sen Sie uns dar­an arbei­ten. Bereit, wie­der in die Kran­po­se zu kommen?”

Bald zeigt Nata­lies Hin­tern wie­der nach Oben, ihre Knie ruhen auf den Armen, die sie stüt­zen. John steht hin­ter ihr und klam­mert sich leicht an die Knö­chel. Vor einer Woche hät­te sie nie geglaubt, dass sie sich in einer so auf­schluss­rei­chen, ver­letz­li­chen Posi­ti­on mit einem Mann, den sie schwer kennt, so wohl füh­len könn­te. Sie ist fokus­siert, ent­schlos­sen, an die­ser Übung zu arbei­ten, bis sie es rich­tig macht. Er for­dert sie auf, lang­sam ihre Bei­ne zu heben, ihr an den Knö­cheln zu hel­fen und sie sta­bil zu hal­ten. “Arch your back a litt­le more”, erin­nert er sie, und bald zei­gen ihre Zehen him­mel­wärts. “Okay. Kom­men Sie her­aus und las­sen Sie es uns noch ein­mal tun. Begin­nen Sie mit Hän­den und Knien. Sei­en Sie lang­sam und sta­bil mit jeder Bewegung.”

Immer wie­der lässt er sie die Rou­ti­ne wie­der­ho­len, immer von Ihren Hän­den und Knien aus. Er sagt ihr, dass sie flüs­si­ger sein soll, über die Mus­keln im Spiel nach­zu­den­ken; und nach jedem Satz sagt er ihr, dass man ein wenig bes­ser war als der letz­te. Fünf­und­vier­zig Minu­ten spä­ter schwitzt sie.

Als sie sich wie­der auf den Stuhl bewegt, schnüf­felt sie an einem Unter­arm und schaut ihn an. “Ich tra­ge kein Deodo­rant. Lass mich wis­sen, ob ich anstö­ßig werde.”

Er lächelt, reicht ihr den Kaf­fee und setzt sich vor sie. Ihre Knie sind fast berüh­rend. “Sie machen bereits Fortschritte.”

“Wün­sche ich könn­te es fühlen.”

“Du wirst es tun. Üben Sie, was wir heu­te ein paar Mal pro Woche nach der Arbeit tun. Sie ent­wi­ckeln sich schneller.”

Als sie ihn anschaut, fällt ihr auf, dass sie sich woh­ler fühlt, mit ihm nackt zu sein als mit ihren Gynä­ko­lo­gen. Es gibt nichts über ihren Kör­per, den er nicht kennt. Sie konn­te mit ihm über ihre Scham­lip­pen spre­chen, die Per­spek­ti­ve eines Man­nes auf etwas bekom­men, das sie seit ihrer Jugend stört.

“Ich möch­te Ihnen eine Fra­ge stel­len. Etwas über mich.”

Er schaut sie neu­gie­rig an.

“Es hat mich lan­ge gestört, an mei­nen weib­li­chen Teilen.”

Sei­ne Stirn strickt.

“Sie sehen nicht aus wie ande­re Frauen.”

“Wovon redest du?”

Sie sitzt auf­recht, zieht mit den Fin­ger­spit­zen die Haut, die über ihrer Vul­va gelehrt wird, was ihre Scham­lip­pen ins Blick­feld bringt.”

“Das.”

Er schaut nach unten. Er schüt­telt den Kopf. “Ich weiß immer noch nicht, was du meinst.”

“Mei­ne Scham­lip­pen; sie her­aus­ra­gen, die gan­ze Zeit. Ande­re Frau­en nicht, oder die meis­ten Frau­en, sowie­so. Ich sehe nie her­vor­ste­hen­de Scham­lip­pen in der Umklei­de­ka­bi­ne des Fit­ness­stu­di­os, es sei denn, ich schaue in den Spie­gel. Ich habe mit Pat dar­über gespro­chen. Sie schlug vor, dass ich in die Scham­lip­pen­plas­tik schaue, wenn es mich stört.”

In sei­nen Augen formt sich Unmut. “Du hast es nicht getan, oder?”

“Nein.”

“Gott sei Dank.”

“Mein gan­zes Leben lang habe ich mich gefragt, was Män­ner dar­über den­ken. Ich habe gele­sen, dass eini­ge Män­ner abge­schreckt werden.”

Er schaut sie einen Moment an, atmet schwer durch die Nase, frus­trier­te Gesell­schaft erlegt Frau­en lächer­li­che Schön­heits­maß­stä­be auf. “Dum­me Ficks wer­den viel­leicht dadurch abge­schreckt, nicht irgend­je­mand, den ich einen Mann nen­nen wür­de. Mei­ne Frau sah so aus. Ich dach­te, es wäre ein Geschenk von Mut­ter Natur.”

Das trifft einen Akkord in ihr. Sie starrt ihn an, zu über­wäl­tigt, um zu spre­chen. Nie zuvor hat eine Rüge ihr ein bes­se­res Gefühl über sich selbst gege­ben. Ein Geschenk von Mut­ter Natur. Was für ein schö­ner Gedan­ke. War­um konn­te sie das nicht allein so sehen?

John starrt in den Welt­raum, schein­bar ver­lo­ren in Gedan­ken. Sei­ne Bei­ne sind her­aus­ge­sto­ßen. Sei­ne Hän­de leg­ten sich auf den ande­ren auf sei­nen Bauch. Nata­lie hat­te sich gefragt, was er denkt, wenn er ihre Vul­va sieht. Jetzt weiß sie es. Ihre Vul­va erin­nert ihn an die sei­ner Frau. Sie ist sich nicht sicher, ob dies beun­ru­hi­gend ist, oder etwas, das sie attrak­ti­ver für ihn macht. Sie muss es aus ihrem Kopf zu set­zen, oder ver­rückt ver­su­chen, es zu analysieren.

Er schaut sie an. “Bereit, einen ande­ren Satz zu machen?”

“Ja.”

Als Nata­lie in der Kra­nich­po­se ist, beginnt er, sie zu diri­gie­ren. “Heben Sie Ihre Bei­ne von Ihren Armen, bis Ihre Ober­schen­kel bei neun­zig Grad zu Ihrem Kör­per sind.” Sie hält sich dar­an, immer noch ein wenig wacke­lig. “Balan­ce, den­ken Sie dar­an. Dei­ne Hüf­ten sind ein biss­chen zu weit nach vor­ne.” Sie nimmt die Anpas­sung vor. “Jetzt rich­ten Sie Ihre Bei­ne den gan­zen Weg nach drau­ßen.” Sie beginnt den Umzug. Ihre Arme begin­nen leicht zu zit­tern. Ihr Hals fühlt sich gestresst an. “Lang­sam. Kon­zen­trie­ren Sie sich auf die Balan­ce.” Als ihre Bei­ne gera­de aussind, gibt ihre Kraft nach und sie geht hinüber.

John lächelt sie an, als sie sich hin­setzt. “Nicht schlecht”, sagt er. “Ver­su­chen Sie es noch ein­mal, von Ihren Hän­den und Knien.”

Die Übung wird in den nächs­ten 45 Minu­ten unzäh­li­ge Male wie­der­holt. Sie hat es alles ande­re als gemeis­tert; Weit weni­ger zit­tern dei­ner Arme, wenn sie ihre Bei­ne rich­tet. Sie hat es sogar gemeis­tert, sie direkt über ihren Kopf zu heben. Obwohl sie nicht um eine Pau­se gebe­ten hat, kann er sehen, dass sie erschöpft ist.

“Du ruhest aus, wäh­rend ich ein paar Glä­ser Was­ser bekom­me”, sagt er und kommt auf die Beine.

Sie beob­ach­tet ihn, wie er in die Woh­nung geht, wohl wis­send, wie er in sei­nen Glu­teus-Mus­keln beugt. Wie oft trifft eine Frau einen Mann wie ihn? Von wo sie sitzt, ist die Ant­wort ein­mal im Leben, wenn sie Glück hat. Selbst wenn er wei­ter­macht, wird sie immer noch dank­bar sein, die­se Zeit mit ihm gehabt zu haben, obwohl er es ihr erschwert hat, mit jedem ande­ren Mann zufrie­den zu sein.

John kehrt mit zwei Glä­sern zurück, reicht ihr eine und hockt vor ihr. In der Wär­me der Son­ne fal­len sei­ne Bäl­le tief unter ihm, was einen wei­te­ren flüch­ti­gen Blick verführt.

“Viel­leicht sind Sie zu abge­nutzt, um unse­ren Spa­zier­gang zu machen”, sagt er.

Sie sieht Bewun­de­rung in sei­nem Lächeln, das ziem­lich befrie­di­gend ist. “Nicht auf dein Leben.”

Er nickt. Sein Lächeln deu­tet dar­auf hin, dass er nicht über­rascht ist. “Bis zum Cen­tral Park?”

“Natür­lich. Es wird hel­fen, etwas von die­ser Wun­de zu erarbeiten.”

“Sie haben Mus­keln ver­wen­det, die Sie nicht gewohnt sind. Des­halb warst du am Anfang so wackelig.”

“Und ich dach­te, ich wäre ein so ver­sier­ter Yogi.”

“Du bist, mit den Posen, die du rou­ti­ne­mä­ßig machst.”

Sie been­den das Was­ser und gehen in die Woh­nung. John zieht sei­ne Shorts, Hemd und San­da­len an und geht zurück ins Schlaf­zim­mer. Nata­lie befes­tigt ihren BH, wenn er hineingeht.

“Ich kann jetzt oben ohne in New York gehen”, sagt sie und zieht die BH-Rie­men hoch.

“Ah, ja, die Bewe­gung Free the Nipple.”

“Sie haben das Gesetz verabschiedet.”

“War­um zieht ihr dann den BH an?”

Nata­lie lacht. “Ich habe nicht den Mut auf­ge­baut, es zu tun. Ich wer­de jedoch an einem die­ser Tage. Ich bin entschlossen.”

“Tra­gen Sie immer den BH?”, fragt er.

Sie denkt einen Moment nach. “Ja. Raten Sie mal, ich tue es.”

“War­um? Ihre Brüs­te sind nicht so groß. Sie brau­chen kei­ne Unterstützung.”

Sie schaut ihn einen Moment an, dann dreht sich ihr Kopf in Gedan­ken. Sie mag es, mit einem Mann zu sein, der so offen dar­über spricht, was er denkt. Es scheint, dass sie über alles ohne Vor­be­hal­te spre­chen kön­nen. Er mag es nicht, sei­ne Bäl­le in Unter­wä­sche zu ver­drän­gen; War­um soll­te sie ihre Brüs­te in einem BH ver­drän­gen. Aus kommt es, und auf das Bett. Im Schrank zieht sie eine Blu­se aus einem Kleiderbügel.

Als sie aus dem Schrank kommt, für einen Spa­zier­gang geklei­det, bechert sie ihre Brüs­te und schiebt sie nach oben. “Ich mag das. Vie­len Dank für den Vorschlag.”

Als sie zur Tür gehen, ist sei­ne Hand auf dem klei­nen Rücken. Augen­bli­cke spä­ter sind sie auf der Straße.

An der Ecke bie­gen sie auf der 7th Ave­nue nach Nor­den ab. “Du hast heu­te hart gear­bei­tet”, sagt John. “Ich bin beein­druckt. Und Sie haben gro­ße Fort­schrit­te gemacht.”

“Dan­ke. Ich kann all die Ermu­ti­gung nut­zen, die ich bekom­men kann.”

“Wis­sen Sie, als ich Ihre Woh­nung zum ers­ten Mal sah, dach­te ich, Sie müs­sen anma­ßend sein. Aber du bist es nicht.”

“Muss eine Mit­tel-West-Sache sein. Ich lie­be New York, aber ich ver­mis­se Missouri.”

“Wie oft kommst du nach Hause?”

“Weih­nach­ten und Thanks­gi­ving. Mei­ne Eltern wür­den mich vor ein Erschie­ßungs­kom­man­do stel­len, wenn ich die Feri­en ver­passt hätte.”

“Aber man ver­misst Weih­nach­ten in New York”, sagt er.

“Ich bekom­me ein wenig davon, bevor ich nach Hau­se gehe. Aber ich ver­mis­se die Macy es Thanks­gi­ving Para­de.” Sie schaut ihn an. “Wie wäre es mit dir. Wie oft kommst du zurück nach Maine?”

“Nie­mals.”

Sie schüt­telt ihren Kopf, über­rascht. “Mein Vater ist gestor­ben. Ich bin ent­frem­det von mei­ner Mut­ter, wegen der Art und Wei­se, wie sie mei­ne Frau behan­delt hat. Zwei Brü­der; nichts mit ihnen gemein.” Er zuckt mit den Schul­tern. “Kein Grund, zurückzugehen.”

“Du bist also ganz allein.”

“Ja.”

“Wer­den Sie nicht jemals einsam?”

Er zieht den Atem an. “Ich blei­be einsam.”

Sie schaut ihn einen Moment an und kehrt dann ihre Augen auf den Bür­ger­steig zurück.

Sie gehen still für ein oder zwei Blocks. Dann schaut John sie an. “Es gibt etwas, was ich nicht her­aus­ge­fun­den habe. Ein Mäd­chen wie Sie nie gehei­ra­tet. Es sum­miert sich nicht.”

Wie soll ich ihm ant­wor­ten, fragt sie sich und beschließt dann, ihre See­le ein wenig mehr zu öff­nen. “Es gab Zei­ten, in denen ich mich selbst dar­über gewun­dert habe. Das ist wahr­schein­lich der Grund, war­um ich mit einem Mann zusam­men­leb­te, mit dem ich sehr wenig gemein hat­te. Ich stürz­te mich in die Bezie­hung mit ihm und lern­te dann, dass es bes­ser ist, allein zu sein als mit der fal­schen Per­son. Und ich den­ke, es hat mit mei­nen mit­te­west­li­chen Wur­zeln zu tun. Ich lie­be die Stadt, und ich gedei­he in New York, aber ich bin nicht für alles hier, ein­schließ­lich der Män­ner, die ich getrof­fen habe. Sie schaut ihn an, will bis jetzt hin­zu­fü­gen, tut es aber nicht. Sie wird nichts sagen, was anma­ßend klingt. “Wahr­schein­lich ist es die Umge­bung, in der ich arbei­te. Die meis­ten Män­ner in die­ser Welt sind hyper ehr­gei­zig. Ich mei­ne das nicht kri­tisch. Vie­le Frau­en suchen das in einem Mann, aber sie müs­sen in der Regel bereit sein, einen Rück­sitz in sei­ner Kar­rie­re zu neh­men. Und eini­ge der Män­ner, die ich ken­ne, vor allem die erfolg­rei­che­ren, wol­len Tro­phä­en­frau­en. Alles, was ihnen wich­tig ist, ist Sta­tus und Glamour.”

“Du glaubst also nicht, dass du jemals einen Mann hier in New York tref­fen wirst?”

“Das ist nicht das, was ich mein­te. Ich bin Opti­mist, egal wie hoch die Chan­cen sind. Ich hav nur – sie hört auf zu sagen, dass ich ein­fach noch nicht den Rich­ti­gen getrof­fen habe; weil sie es viel­leicht hat. Grün­de sta­peln sich über­ein­an­der, die ihr das Gefühl geben, dass dies nur der Fall sein könn­te. Sie beginnt auf­rich­tig zu glau­ben, dass sie hier in New York einen Mann ken­nen­ge­lernt hat, und sie geht jetzt mit ihm zum Cen­tral Park.

Sie gehen am Times Squa­re vor­bei, hal­ten in einem klei­nen Fein­kost­la­den an und bestel­len ein Pastra­mi-Sand­wich. Am Tisch schnei­det Nata­lie es in zwei und gibt John die grö­ße­re Hälfte.

“John … Die Zeit heilt”, sagt sie mit Mitgefühl.

Er schaut auf sein Sand­wich. “Ich weiß. Eigent­lich hat sie es. Ich schmer­ze nicht mehr drin­nen. Die Erin­ne­run­gen sind leben­dig, und ich ver­mis­se sie immer noch, aber die Ver­let­zung hat auf­ge­hört. Ich mer­ke, dass etwas in mei­nem Leben fehlt, und Erin­ne­run­gen lösen es nicht.”

“Du hatt eine gro­ße Lie­be. Jetzt willst du nicht ohne sie leben.”

Er schaut sie an, will nach ihrer Hand grei­fen, kann sich nicht dazu brin­gen. Was steht im Weg? Bis er das her­aus­fin­den kann, ris­kiert er kei­ne neue Freund­schaft, die er bereits pflegt.

Ihr Spa­zier­gang geht wei­ter die 7th Ave­nue hin­un­ter. Als sie sich der Car­ne­gie Hall nähern, wird der Park in Sicht. Über die West 59th Street betre­ten sie den Park auf einem Wan­der­weg, gehen etwa hun­dert Meter und sit­zen auf einer Bank im Schatten.

“Ich leb­te drei Mona­te in New York, bevor ich den Cen­tral Park sah”, sagt Nata­lie und scannt die natür­li­che Grün­flä­che um sie her­um. “Nach­dem ich nichts als Schluch­ten von hohen Gebäu­den so lan­ge gese­hen hat­te, konn­te ich mei­nen Augen nicht glau­ben. Ich erkun­de­te den gan­zen Tag, füt­ter­te die Enten, beob­ach­te­te Men­schen, stieß auf einen Hot­dog-Ver­käu­fer und mach­te dann ein klei­nes Pick­nick für einen. Es ist, als wür­de man in eine ande­re Welt gehen.”

“Außer du siehst immer noch Wol­ken­krat­zer in jeder Rich­tung, in die du siehst.”

“Nur ein Teil des ein­zig­ar­ti­gen Charmes”, sagt sie.

Sie schaut auf ihre Bei­ne. Sie sind par­al­lel. Ihr rech­tes Bein und sein lin­kes sind berüh­rend. Wenn nur das genug ist, um Krib­beln durch sie zu schi­cken, wie wür­de dann sein, wenn er im Bett gehal­ten wür­de? Sie schaut auf sei­ne Shorts, lächelt inner­lich. Sie sieht einen Kaf­fee­fleck und Fal­ten, ver­mu­tet, dass er sie im Trock­ner lie­gen lässt, wenn er her­um­kommt, um sie zu waschen. Wenn er bei ihr leben wür­de, wür­de er kei­ne schmut­zi­gen Shorts tra­gen. Sie wür­de immer dar­auf ach­ten, sei­ne Wäsche mit ihr zu besinnen.

Sie lässt einen Seuf­zer aus. Was für eine alber­ne Fan­ta­sie. Es ist ihm wahr­schein­lich nicht ein­ge­fal­len, sie zu küs­sen, geschwei­ge denn sie nach einem Schlüs­sel zu ihrer Woh­nung zu fra­gen. Wür­de er über­haupt in einem Gebäu­de leben wol­len, das er für anma­ßend hält?

Sie schaut ihn an. “Cam­ping? Du meinst, ein Zelt im Wald auf­zu­stel­len und dar­in zu schlafen?”

“Ja. Die­se Art von Cam­ping. Ich und ein Kum­pel gehen meistens.”

Einen Kum­pel hat er auch nicht erwähnt. “Lebt er hier in Manhattan?”

“Ja. Nicht weit von hier. Er pro­du­ziert Off-Broad­way-Stü­cke. Eines Tages ist er reich, am nächs­ten Tag hat er nicht zwei Nicke­le, um zusam­men zu rei­ben. Er sieht aus wie ein grie­chi­scher Gott, wes­halb ich den­ke, dass er es immer schafft, Eine Finan­zie­rung für sei­ne Stü­cke zu fin­den. Wir trai­nie­ren drei Vor­mit­ta­ge in der Woche.”

“Yoga?”

“Natür­lich. In mei­nem Studio.”

“Ist er verheiratet?”

“Geschie­den. Zwei­mal verheiratet.”

“Ist er ein FKK?”

“Begeis­tert. Er pro­du­zier­te ein­mal ein Akt­spiel. Geöff­net wie Gang­bus­ter. Geschlos­sen in sechs Wochen. Er dach­te, es wür­de bei Tou­ris­ten beliebt sein, aber es war nicht. Sag­te, er mach­te ein wenig dar­auf nur, weil es kei­ne Gar­de­ro­be Kosten.”

Nata­lie lacht. “Wie steht er nach zwei Schei­dun­gen zu Frauen?”

“Er ist ein Sau­ger für Frau­en; liebt ‘um. Ich den­ke aber, dass er ein wenig waf­fen­scheu in der Ehe ist.”

“Ver­ständ­lich.” Nata­lie dreht den Kopf und denkt an Pat. Fra­gen Sie John, ob er einen ein­zi­gen männ­li­chen Freund hat. Sieht so aus, als ob er es tut. “Äh, wie heißt er?”

“Gus Johns­ton. Wir sind unge­fähr gleich alt.”

“Ist er jetzt mit jeman­dem zusammen?”

“Nicht, dass ich es kenne.”

“Hmm. Was wür­den Sie von einer Din­ner-Par­ty in mei­ner Woh­nung den­ken? Du ladest Gus ein und ich wer­de Pat einladen.”

Nach ein paar Augen­bli­cken dach­te er, er schaut sie an und lächelt. “Ich wet­te, er wür­de sich dafür ein­las­sen, wenn ich ihm sage, wie sie aussieht.”

“Ja, genau­so mit Pat. Was wäre eine gute Nacht für dich?”

“Wie wäre es nach mei­nem Unter­richt am Mitt­woch­abend? Ich wer­de es eine sie­bend­rei­ßig been­den; das ist, wenn eine Woche Nacht ist okay. Ich weiß, dass Du lan­ge Arbeits­ta­ge hast.”

“Wochen­aben­de sind in Ordnung.”

“Dann sagen wir an die­sem Mittwochabend.”

“Etwa acht?”

Er nickt, schaut nach­denk­lich auf ihre Knie. Sie hat sein Leben ver­än­dert. Sie hat ihre Kame­rad­schaft ohne Erwar­tun­gen oder Zie­le ange­bo­ten. Sie ist ein Pris­ma, durch das sie hin­durch­schaut und eine viel­ver­spre­chen­de Zukunft sehen kann. Seit dem Tag, an dem sie sich tra­fen, fühl­te er sich nicht leer oder allein.

“Wor­an denkst du?”, fragt sie.

Er schaut sie an. “Du.”

“Ich?”

“Du machst es unmög­lich, es nicht zu versuchen.”

Sie starrt ihn einen Moment an und fragt sich, ob sol­che Gefüh­le wirk­lich so schnell zwi­schen zwei Men­schen pas­sie­ren kön­nen. Sie lässt ihren Blick abwe­send dahin­drif­ten. Zwan­zig Meter über den Weg jagt ein Eich­hörn­chen einen ande­ren auf einen Baum. Ein älte­res Ehe­paar geht vor­bei und hält die Hän­de. Wei­ter unten zahlt ein jun­ger hemds­är­mel­lo­ser Mann in zer­fetz­ter Jeans eine Mund­har­mo­ni­ka. Hin­ter den Bäu­men, die sie umge­ben, ragen die Tür­me Man­hat­tans empwomit.

John starrt lei­se auf das Gras auf der ande­ren Sei­te des Weges. Die Unter­ar­me sei­nes Hem­des sind nass vom lan­gen Spa­zier­gang an einem war­men Tag. Sie riecht den moschu­si­gen Schweiß sei­ner Ach­sel­höh­len und fragt sich, wie ihr eige­ner riecht, da sie auch Deodo­rant ver­mie­den hat. Er mag Din­ge natür­lich: Gesich­ter ohne Make-up, Kör­per ohne Klei­dung oder Par­füm. Sie hat noch nie einen Mann wie ihn aus der Fer­ne getroffen.

“Du hast Cam­ping erwähnt”, erin­nert sie ihn.

“Ja. Ich star­te in zwei Wochen für vier Tage. Es gibt einen Sta­te Park, der Wan­der­we­ge und abge­le­ge­ne Cam­ping­plät­ze nicht weit von der Stadt hat. Möch­test du mit mir gehen?”

Nata­lie kann ihren Ohren nicht glau­ben. Vier Tage. Ein abge­le­ge­ner Cam­ping­platz. Ein klei­nes Zelt. Die Ver­zwei­gun­gen über­flu­ten ihren Geist wie stan­zen­de Rin­der. Kein Strom. Kei­ne Toi­let­ten. Kei­ne Duschen. Nichts als ein Mann und eine Frau allein in frei­er Wild­bahn für vier Tage, schla­fen zusam­men in einem klei­nen Zelt.

Die Gnade eines Schwans Nacktyoga
Nackt Cam­pen in der Natur

“Wenn du dar­über nach­den­ken willst, ist das okay. Ich weiß, dass du arbei­ten musst.”

“Äh, ich gehe nie aus”, mur­melt sie.

“Klar, ich verstehe.”

“Nein. Das ist nicht das, was ich mei­ne. Ich habe eine Men­ge Zeit aufgelaufen.”

“Oh. Nun, wür­den Sie ger­ne gehen?”

Sie schaut ihn an, schafft ein schwa­ches Nicken. Er lächelt, greift reflex­ar­tig nach ihrer Hand. Nata­lies Herz klopft. Sie schaut auf ihre umklam­mer­ten Hän­de, fragt sich, ob es an der Zeit ist, etwas dar­über zu sagen, wie sie sich über ihn fühlt. Die Mau­er zwi­schen ihm und dem Rest der Welt scheint zu fal­len, zumin­dest mit ihr. Sie wird war­ten, sicher­stel­len, nichts sagen, was sei­nen Rück­zug ver­ur­sa­chen könn­te. Sie lässt ihn sein Herz öff­nen, bevor sie ihr entblößt.

“Ich habe gera­de gemerkt, wie erschöpft ich bin”, sagt sie.

Er lässt ihre Hand gehen und steht auf. “Sie hat­ten einen anstren­gen­den Mor­gen. Ich rufe ein Taxi, wenn wir aus dem Park kommen.”

Sie steht. “Ein Bus ist in Ord­nung. Ich kann einen Block von mei­ner Woh­nung aussteigen.”

John steht vor dem Mar­ri­ot in der West 59th Street. “Nehm uns auf den 31. Platz zu brin­gen”, sagt er dem Cab­bie und schließt die Tür. Als er ihr Ziel erreicht, bezahlt er den Cab­bie und geht Nata­lie zur Lob­by in ihrem Gebäu­de und hält an den Sicherheitstüren.

“Ich wer­de dich nicht vor Mitt­woch sehen”, sagt er, wäh­rend sie sich gegen­über­ste­hen. “Aber ich wer­de über unse­ren Cam­ping-Trip nachdenken.”

“Ich auch.”

“Du hast heu­te hart gear­bei­tet. Holen Sie sich etwas Ruhe.”

Sie nickt. Er dreht sich um und geht aus der Lob­by. Sie steht ein paar Augen­bli­cke auf dem Boden und dreht sich dann zur Tür.

Im Wohn­zim­mer ploppt sie auf das Sofa, nimmt ihr Han­dy aus ihrer Shorts­ta­sche. Sie ist zu müde, um Pat anzu­ru­fen, aber sie will nicht auf ihr Bei­ßen hören, wenn sie es aussetzt.

“John ist ein­fach weg­ge­gan­gen”, sagt sie, als Pat antwortet.

“Du hast so lan­ge gearbeitet!”

“Nach dem Unter­richt gin­gen wir hin­auf zum Cen­tral Park.”

“Natür­lich haben Sie es getan. Okay, erzähl mir davon.”

“Ich sage das: Es gibt kei­nen Teil mei­ner Ana­to­mie, den er nicht sehr gut kennt.”

“Hmm, ich bin mir nicht sicher, ob das die Kehr­sei­te oder die Kehr­sei­te des nack­ten Yoga ist.”

“Nach der Sit­zung habe ich ihn nach mei­nen Scham­lip­pen gefragt”, erzählt Natalie.

“Was! Jetzt gibt es etwas, wor­über ich nie mit einem Mann gespro­chen habe. Was hat er gesagt?”

“Er nann­te sie ein Geschenk von Mut­ter Natur.”

“Oh mein Gott! Das hät­te mich nass gemacht.”

Nata­lie lacht. “Nun, es war ein ziem­li­ches Trai­ning. Er sag­te, ich habe Fort­schrit­te gemacht.”

“Irgend­wel­che Neuigkeiten?”

“Ja. Er bat mich, in zwei Wochen mit ihm zu campen.”

“Cam­ping? Du meinst im Wald?”

“Für vier Tage.”

“Und du gehst?”

“War­um nicht?”

“Chig­ger, Mücken und kei­ne Toi­let­ten sind des­halb nicht.”

“Nun, ich gehe.”

“Stel­len Sie ein­fach sicher, dass Sie nicht ver­ges­sen, Ihre Anti­ba­by­pil­len in der Zwi­schen­zeit zu nehmen.”

“Für immer der Opti­mist”, sagt Nata­lie. “Es gibt noch etwas ande­res. John hat einen ein­zi­gen männ­li­chen Freund.”

“Wirk­lich?”

“Hier ist, was ich über ihn weiß: Er pro­du­ziert Off-Broad­way-Stü­cke, war zwei­mal ver­hei­ra­tet, liebt Frau­en, manch­mal ist er reich und manch­mal ist er flach plei­te, und John sag­te, er sehe aus wie ein grie­chi­scher Gott.”

“Okay, ich bin bereit, mit ihm hin­aus­zu­ge­hen”, ant­wor­tet Pat.

“Gut, denn das ist genau das, was du mitt­woch­abends machst. Wir plan­ten eine klei­der­freie Din­ner-Par­ty hier in mei­ner Woh­nung. Nur wir vier.”

“Klei­der­frei. Du musst scherzen!”

“Hard­ly.”

“Du erwar­test, dass ich nackt bin, wenn ich die­sen Kerl treffe?”

“Er ist ein FKK, und du bist fast einer. Nackt-Yoga war dei­ne Idee, den­ken Sie daran.”

“Das ist anders. Ich habe nie­man­den getrof­fen. Jeder dort ist nackt.”

“So wie wir Mitt­woch­abend sein werden.”

“Dar­über muss ich nach­den­ken”, sagt Pat.

“Sie haben viel Zeit. Im Moment gehe ich auf die Ter­ras­se und mache ein Nickerchen.”

“Mit­tag­essen morgen?”

“Wir sehen uns mittags.”

Nata­lie legt das Tele­fon bei­sei­te und starrt inden Raum. Etwas geschieht in ihrem Leben, und es fühlt sich sowohl erschre­ckend als auch auf­re­gend an. Sie steht, lässt ihre Klei­der auf dem Sofa, bringt ihren Kind­le auf die Ter­ras­se. Auf der Chai­se­longue aus­ge­streckt, schläft sie, bevor sie drei Sei­ten fertigstellt.

Am Mitt­woch ver­lässt Pat das Büro mit Nata­lie und nimmt ein Taxi direkt zu Nata­lies Woh­nung. Sie haben gera­de genug Zeit, um das Abend­essen vor­zu­be­rei­ten, bevor John und Gus ankommen.

“Ich bin mir immer noch nicht sicher”, sagt Pat, als sie in Nata­lies Schlaf­zim­mer­schrank aus ihren Klei­dern aus­stieg. Ich muss ihm die Hand schüt­teln, wäh­rend er mei­ne Brüs­te auscheckt.”

“Als ob du ihn nicht aus­che­cken wür­dest”, sagt Nata­lie und schwillt ihren BH ins Hin­der­nis. Sie trägt jetzt nur noch eine im Büro.

Pat greift nach einem Klei­der­bü­gel, um ihren Anzug auf­zu­hän­gen. Sie wäre nicht so ner­vös, wenn der Anzug noch an ihren Schul­tern statt im Schrank hän­gen wür­de. Nicht, dass sie nicht will, dass Gus Johns­ton ihre Brüs­te bemerkt; sie wäre ein­fach beque­mer, wenn er über sie fan­ta­sie­ren wür­de, anstatt sie nip­pel to eye­ball anzustarren.

“Du wirst in Ord­nung sein”, ver­si­chert Nata­lie und beginnt für die Küche.

“War­te”, ruft Pat hin­ter ihr. “Haben Sie gesagt, dass das Zeich­nen in Ihrem Bade­zim­mer ist?”

“Ja, an der Wand vor der Toilette.”

Sie gehen gemein­sam ins Badezimmer.

“Mein Gott!” Pat sagt. Sie starrt mit offe­nem Mund auf die Zeich­nung. “Er zeich­ne­te das?”

“Auf der Terrasse.”

“Es ist wun­der­schön. War­um tref­fe ich nicht einen Mann, der so etwas tut?”

“Du tissst heu­te Abend einen künst­le­ri­schen Mann. Viel­leicht wird er dich in ein Thea­ter­stück ver­set­zen. Er hat ein­mal ein Nackt­spiel gemacht.”

“Du glaubst nicht wirk­lich, dass ich nackt auf die Büh­ne gehen wür­de, oder?”

“War­um nicht? Sie haben viel mit der Welt zu teilen.”

“Und ich wer­de es mit pri­vat­pu­bli­kum tei­len, danke.”

Sie star­ten für die Küche.

Nata­lie hat­te ges­tern auf dem Heim­weg auf dem Markt Halt gemacht, Rot­barsch, fri­schen Spar­gel und Romai­ne­sa­lat für einen Cae­sar-Salat gekauft.

Sie öff­net einen Schrank und holt eine Schüs­sel her­un­ter. “Hand mir die Mayon­nai­se und Gur­ke genie­ßen aus dem Kühl­schrank”, erzählt sie Pat. “Und raus, dass romai­ne Salat. Sie kön­nen es für einen Cäsar schnei­den, wäh­rend ich die Tar­tar­sauce mache.”

Fünf­und­vier­zig Minu­ten spä­ter wird das Essen vor­be­rei­tet, der Tisch steht und die Woh­nung ist auf­ge­räumt. Der Rot­barsch wird bereit in den Ofen gestellt, wenn die Män­ner hier ankom­men. Nata­lie gießt zwei Glä­ser Wein, reicht einem pat die Hand, und sie gehen auf die Ter­ras­se, um sich zu entspannen.

“Wir machen die Sit­zun­gen hier drau­ßen”, sagt Nata­lie. “Ich sehe immer noch das Bild von ihm, der die­sen Hand­stand in sei­nem Stu­dio macht. Ich wünsch­te, du hät­test es sehen können.”

“Den­ken Sie, dass Sie es jemals tun können?”

“Ich bin ent­schlos­sen, aber das ist kei­ne Garan­tie. Ich begann mein Kraft­trai­ning unten Mon­tag Abend. Stär­ke ist das, wor­über ich mir Sor­gen mache.”

“Ich lie­be Yoga, aber ich bin nicht so ehr­gei­zig”, sagt Pat und legt ihr Glas auf den Café­tisch. “Es ist lus­tig; wir waren so schwin­del­erre­gend über nackt Yoga zu ver­su­chen und jetzt bin ich bereit, all die Out­fits, die ich auf­ge­türmt habe, hin­aus­zu­wer­fen. Ihr fühlt euch dar­in eingesperrt.”

“Ich habe vor, abends in Johns Klas­se zu gehen”, sagt Natalie.

“Haben Sie mit ihm dar­über gesprochen?”

“Ich wer­de es beim Abend­essen aufziehen.”

Pat lässt einen Seuf­zer aus, schaut nach vor­ne. “Ich fan­ge an, mein Alter zu zeigen.”

“Bull Schei­ße. Du siehst toll aus.”

“Im Ernst. Hast du die Grüb­chen auf mei­nem Hin­tern nicht bemerkt? Oder die­ses Fett unter mei­nen Armen?”

“Guter Herr. Du bist so ver­dammt eitel.”

“Gus ist ein Broad­way-Pro­du­zent. Er bemerkt sol­che Din­ge.” Pat hebt ihren Arm wie­der und kichert das Biss­chen locke­re Haut darunter.

“Off-Broad­way Produzent.”

“Was ist der Unterschied?”

“Er wird die groß­ar­ti­gen Brüs­te bemer­ken, die du hast, nicht Grüb­chen.” Nata­lie Augen ver­schie­ben sich auf das Deck. “Weißt du, das gefällt mir an John; er bemerkt dei­ne Per­so­na, dei­nen Intellekt.”

“Es ist Dir also egal, ob er sei­nen Kör­per nicht bemerkt?”

Nata­lies Stirn­fal­ten. Pats Fra­ge trifft nach Hau­se. Das inter­es­siert sie. Sie möch­te, dass John sie attrak­tiv fin­det. Sie weiß, dass er ihre Gesell­schaft genießt und ihre Intel­li­genz und ihr kör­per­li­ches Talent respek­tiert, aber sie möch­te auch, dass er sie als eine wün­schens­wer­te Frau sieht.

“Bemerkt er dei­nen Kör­per?” Pat fragt. “Haben Sie ihn jemals erwischt, wie er dar­auf starrte?”

Nata­lie denkt einen Moment nach. “Ja, das habe ich, neh­me ich an.”

“Nun fra­gen Sie ihn”, schlägt Pat vor. “Wenn Sie ihn nach Ihren Scham­lip­pen fra­gen kön­nen, kön­nen Sie ihn sicher­lich fra­gen, ob er sie für attrak­tiv hält.”

“Ich wer­de ihn nicht fra­gen! Unse­re Bezie­hung ent­wi­ckelt sich im Lau­fe der Zeit. Er braucht Zeit, um sich an eine per­sön­li­che Bezie­hung zu einer Frau zu gewöhnen.”

Pat stu­diert ihren Freund für einen Moment. Dann wird sie von Nata­lies Tele­fon abgelenkt.

Nata­lie antwortet.

“Miss Par­ker, Mr. Kurst und Mr. Johns­ton sind hier, um Dich zu sehen”, sagt der Concierge.

“Bit­tet sie, zu kom­men, Tommy.”

“Mein Gott, sie sind früh hier”, sagt Pat und kommt auf die Beine.

John bricht in ein Lächeln ein, als Nata­lie die Tür öff­net. Sie hat ihn nicht in Klei­dern aus dem Auf­zug kom­men sehen.

“Du bist immer noch ange­zo­gen. Es muss jemand ande­res im Auf­zug gewe­sen sein.”

John grinst, schaut Gus an. “Nor­ma­ler­wei­se zie­he ich mich auf dem Weg nach oben im Auf­zug aus.”

Die bei­den Män­ner tre­ten hin­ein. John stellt Nata­lie Gus vor. Sie hebt ihre Hand in Rich­tung Pat, der ein paar Meter ent­fernt steht. “Gus, das ist mein Freund, Pat Reynolds.”

Gus nähert sich Pat, nimmt ihre Hand zart. Ihre Augen sind für einen Moment zusam­men­ge­schlos­sen, bevor Gus’ Augen zu Pats Brust hin­ab­drif­ten. Johan­nes hat­te Recht; er sieht aus wie ein grie­chi­scher Gott: wel­li­ges, glän­zen­des schwar­zes Haar, dunk­ler Teint, mas­ku­li­ne Unter­ar­me mit schwar­zen Haa­ren bedeckt.

Pats Brust erhebt sich auf atmen. Sie wirkt momen­tan sprach­los und fühlt sich völ­lig nackt vor einem voll geklei­de­ten Mann stehend.

“Sol­len wir das Schlaf­zim­mer benut­zen?” Johan­nes fragt.

“Ja. Ich wer­de etwas Wein gie­ßen, wäh­rend ihr euch aus­zieht. Wir wer­den auf der Ter­ras­se sein.”

Die bei­den Män­ner gehen in Rich­tung Nata­lies Schlaf­zim­mer. Pat schaut ihren Freund an. “Ist das ein Traum?”, flüs­tert sie.

Nata­lie lächelt, geht für zwei wei­te­re Glä­ser Wein in die Küche. Dann gehen sie und Pat wie­der nach drau­ßen, wo Nata­lie die Stüh­le um den Café­tisch arrangiert.

“Hast du sei­ne Augen gese­hen? Er ist wun­der­schön.” Pat sagt.

“Ver­giss nicht, dass er auch mit­tel­los sein könn­te”, erin­nert Nata­lie sie.

“Also was? Wir kön­nen auf eine ein­sa­me Insel zie­hen und vom Land leben.”

“Das von einem Mäd­chen, das nor­ma­ler­wei­se den Kon­to­aus­zug eines Man­nes sehen will, bevor sie mit ihm ausgeht.”

Bald gehen die Män­ner durch die Tür. Ihre Kör­per sind ein ziem­li­cher Kon­trast. Gus’ Schul­tern sind brei­ter und sein Kör­per ist natür­lich mus­ku­lös. John ist vier Zen­ti­me­ter grö­ßer und deut­lich dün­ner. Obwohl sei­ne Arme und Bei­ne mit blon­den Haa­ren bedeckt sind, sieht er fast haar­los neben Gus ste­hend, der ein phy­si­sches Bei­spiel für die star­ke Wir­kung von Tes­to­ste­ron ist. Ret­te sei­nen Rücken und sei­ne Schul­tern, sein gan­zer Kör­per ist ein üppi­ger Gar­ten mit dunk­len Haa­ren. Im Gegen­satz zu John rasiert Gus sei­ne Scham­haa­re nicht. Sein dunk­ler Penis ragt mit reich­lich Gewicht aus ihm her­vor. Von schwar­zen Haa­ren beschat­tet, sind sei­ne Bäl­le fast unsicht­bar. Wenn es eine ein­zi­ge kör­per­li­che Eigen­schaft über ihn gibt, die nicht anspre­chend ist, ist es sei­ne gro­ße Nase, die sein Gesicht zu domi­nie­ren scheint.

Die Män­ner neh­men am Tisch Platz.

Gus schaut Pat direkt in die Augen. “Ich möch­te Ihnen, mei­ne Damen, dafür dan­ken, dass Sie mich heu­te Abend ein­ge­la­den haben.”

Gus hat­te sei­nen Stuhl mehr auf den Weg gestellt, bevor er sich hin­setz­te. Sie sit­zen prak­tisch von Ange­sicht zu Ange­sicht. Ihre Knie sind prak­tisch berüh­rend. Sie fin­det sein Aus­se­hen fast zu ablen­kend, um zu reden. “Hof­fent­lich magst du Rot­barsch. Nata­lie hat es herausgesucht.”

“Ich bin sicher, es ist köstlich.”

Pat nickt, schaut Nata­lie und John an. Bei­de schau­en sie an.

“Also gin­gen du und Nata­lie zu Johns Yoga-Kurs”, sagt Gus.

“Ja.”

“Wie hat es dir gefallen?”

“Äh, ich habe mich seit­dem kaum die Mühe gemacht, mich anzu­zie­hen, außer natür­lich zur Arbeit zu gehen.”

“Natür­lich. Arbeit­ge­ber kön­nen in sol­chen Din­gen eng­stir­nig sein.”

“John gibt Nata­lie Pri­vat­un­ter­richt”, sagt Pat und ver­sucht, sich etwas ein­fal­len zu las­sen. Er blickt immer wie­der nach unten, wes­halb sie ihre Bei­ne gekreuzt hat.

“Also sag­te er es mir.” Gus dreht sich um, um John anzu­schau­en, froh, dass sein Freund end­lich die Tür zur weib­li­chen Kame­rad­schaft geöff­net hat. Jetzt hofft er, dass etwas dar­aus wird, da er weiß, dass John nicht der Typ Mensch ist, der ger­ne allein lebt. Er nimmt einen Schluck Wein und schaut Pat über den Rand des Glases.

“Ich arbei­te an einem neu­en Stück”, sagt er, “über eine Frau, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg von zwei Män­nern geliebt wird. Einer ist ihr Freund, der sich den Kriegs­be­mü­hun­gen anschloss und zu ihr zurück­kam. Der ande­re ist ein Mann, den sie in einer Muni­ti­ons­fa­brik ken­nen­ge­lernt hat, wo bei­de arbei­ten. Für sie ist es ein Balan­ce­akt, bis sie ent­schei­det, wel­chen Weg sie eingeht.”

“Klingt fas­zi­nie­rend”, sagt Pat.

“Ich fra­ge mich, ob du mein Gast am Eröff­nungs­abend sein würdest.”

Pats Unter­lip­pe krümmt sich zwi­schen ihren Zäh­nen, wäh­rend sie ihn anstarrt.

“Wir müs­sen bei­de Klei­dung tragen.”

Sie lächelt. Ihre Brust sinkt, als die Luft in ihrer Lun­ge her­aus­rauscht. “Ich wür­de ger­ne gehen.”

“Toll. Es ist etwas for­mal, aber nicht über­mä­ßig so. Nor­ma­ler­wei­se mie­te ich eine Limou­si­ne an Eröff­nungs­aben­den, so dass wir stil­voll im Thea­ter ankommen.”

Pat nickt und greift nach ihrem Wein.

Gus dreht sich um, um Nata­lie anzu­schau­en. “Johan­nes hat mir gesagt, dass du es wäh­rend dei­ner ers­ten Lek­ti­on wirk­lich gut gemacht hast.”

Nata­lie wen­det sich John zu und lächelt.

Gus fährt fort. “Er sprach mich an, Yoga aus­zu­pro­bie­ren, und ich wur­de süchtig.”

“Gus finan­zier­te mein Stu­dio, als ich die Klas­se erwei­ter­te”, sagt John.

“Ja, es war ein gutes Timing. Ich war damals bün­dig mit Bar­geld. Phi­lo­me­na es Secret spiel­te. Es lief zu einem aus­ver­kauf­ten Haus für 26 Wochen. Dann poof, es ist alles vor­bei, gera­de als ich anfing zu glau­ben, dass das Spiel für immer lau­fen würde.”

“Was für ein auf­re­gen­des Leben, das du lebst”, sagt Pat.

Gus lacht. “Das ist die roman­ti­sche Vor­stel­lung, die jeder hat. In Wahr­heit ist der ein­zi­ge Typ, der dum­mer ist als ein Off-Broad­way-Pro­du­zent, der­je­ni­ge, der ver­sucht, sei­nen Lebens­un­ter­halt in einem Casi­no in Las Vegas zu ver­die­nen. Haben Sie schon ein­mal einen Kos­tüm­bild­ner mit­ten in der Nacht an Ihre Tür klop­fen las­sen, der bezahlt wer­den woll­te? Manch­mal ist das ein­zi­ge Geld, das ich habe, die Zah­lung, die John für das Geld macht, das ich ihm gelie­hen habe.” Er schaut abwe­send nach unten und schaut auf Pats Knie. “Es kommt dir aber ins Blut, wie nackt zu sein. Ich wür­de nie­mals Klei­dung anzie­hen, wenn ich damit durch­kom­men könn­te.” Er schaut auf. “Ich habe gemerkt, dass du dei­ne Scham­haa­re rasierst.”

Pats Unter­kie­fer fällt leicht ab. Sie nickt.

“Ich bin unent­schlos­sen. Sehen Frau­en natür­lich oder glat­ter aus?” Er wen­det sich an Johan­nes. “Was denkst du?”

“Ich den­ke, jeder sieht glat­ter aus.”

Gus kehrt zu Pat zurück. “Kön­nen Sie sich vor­stel­len, dass ich mich dort rasie­re? All die­se Haa­re auf mei­nem Bauch und dann ein kah­ler Fleck unter ihm. Kön­nen Sie sich vor­stel­len, wie lächer­lich ich aus­se­hen würde?”

Sie starrt ihn an, fasziniert.

Nata­lie steht auf. “Wenn ihr bereit seid zu essen, lege ich den Fisch in den Ofen.”

“Ich hun­ge­re”, sagt Gus.

Nata­lie schaut Pat an, der auf­steht und ihr in die Woh­nung folgt, ein Bild, das auf Gus nicht ver­lo­ren geht. Sei­ne Augen sind auf weib­li­che Kur­ven, Grüb­chen und alles geklebt, bis Pat aus dem Blick­feld verschwindet.

“Mein Gott, Mann. Ich bin ver­liebt”, sagt er.

“Natür­lich bist du es”, sagt John. “Mach dir nicht die Mühe, sie kennenzulernen.”

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“Du hast gesagt, sie ist hübsch, aber das ist eine rie­si­ge Unter­trei­bung. Nata­lie ist auch nicht schlecht.”

“Nicht schlecht, huh?”

Gus wen­det sich ihm zu. “Weißt du, was ich mei­ne. Wir haben einen ande­ren Geschmack bei Frauen.”

“Offen­sicht­lich.”

“Du hast nicht viel dar­über gesagt, wie du dich über sie fühlst.”

John schaut auf sein Glas auf dem Tisch.

“Es ist immer noch schwer, nicht wahr?” Gus sagt mit Sympathie.

“Nicht so hart. Ich bin ein­sam. Ich war ein­sam, aber jetzt nicht.”

“Wegen Nata­lie.”

“Ja. Ich mag es, bei ihr zu sein.”

“Als du ihr Pri­vat­un­ter­richt ange­bo­ten hast, lag das nur an ihrer Fähig­keit, oder gab es ande­re Gründe?”

“Ich hat­te ein Gefühl für sie. Sie war so ner­vös, sich aus­zu­zie­hen. Ich hat­te Angst, dass sie ver­su­chen könn­te, aus­zu­lau­fen. Aber sie tat es nicht. Sie hat­te den Mut, damit durchzugehen.”

“Aber das haben Sie schon ein­mal gesehen.”

“Ja. Irgend­wie schien sie anders zu sein.”

“Das kann also eine Bezie­hung werden?”

John schließt die Augen und lehnt den Kopf für einen Moment zurück und schaut dann sei­nen Freund an. “Sie ist eine wun­der­schö­ne, intel­li­gen­te, erfolg­rei­che Frau. Schaut mich an; ein gro­ßer, dün­ner, schlicht aus­se­hen­der Yoga­leh­rer mit sehr wenig Geld und sehr weni­gen Per­spek­ti­ven. War­um soll­te sie eine roman­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit einem Typen wie mir in Betracht ziehen?”

“Ver­kau­fen Sie sich nicht kurz, mein Freund. Ihre Eigen­schaf­ten kön­nen der Grund sein, war­um sie sich für einen Typen wie Sie inter­es­sie­ren wür­de. Ich sah, wie sie dich ansah, als sie die Tür öff­ne­te. Die Augen sind geschlos­sen. Du soll­test die Nacht mit ihr verbringen.”

In der Küche rührt Nata­lie das Dres­sing in den Cae­sar-Salat, wäh­rend sich die Luft mit dem köst­li­chen Geruch von kochen­dem Fisch füllt.

“Ich bin zum einen froh, dass er sich sei­ne Scham­haa­re nicht rasiert”, sagt Nata­lie. “Er wür­de lächer­lich aussehen.”

“Habe ich mich wie ein Schul­mäd­chen da drau­ßen ver­hal­ten”, fragt Pat.

“War­um fra­gen Sie das?”

“Weil ich mich wie einer gefühlt habe.”

“Alles, was ich sah, war ein Fun­ke gegen­sei­ti­ger Anzie­hungs­kraft. Nein, kein Fun­ke, kei­ne Explosion.”

“Du denkst so?”

“Ich weiß es. Die ein­zi­ge Fra­ge ist jetzt, wie lan­ge wird es dau­ern, bis Sie zwei im Bett landen?”

“Mit ein wenig Glück, viel­leicht heu­te Abend.”

“Ich dach­te so.”

“Nun, du könn­test die Din­ge mit John ein wenig schnel­ler bewe­gen, aber du ver­suchst es nicht.”

“Das sind wir schon drüber.”

“Du machst es auf dei­ne Wei­se, ich wer­de es mir tun.”

“War­um nimmst du den Salat nicht mit auf den Tisch? Ich wer­de den Fisch überprüfen.”

Weni­ge Minu­ten spä­ter öff­net Pat die Ter­ras­sen­tür und streckt den Kopf her­aus. “Das Abend­essen liegt auf dem Tisch.”

Die bei­den Män­ner kom­men her­ein und neh­men am Ess­tisch Platz.

“Was für eine wun­der­ba­re Mahl­zeit”, sagt Gus. “Gute Wahl, Nata­lie. Ich kann nicht sehr oft zu Hau­se gekoch­te Mahl­zei­ten genießen.”

“Du darfst hier in New York kei­ne Fami­lie haben”, sagt Natalie.

“Ich kom­me aus Queens. Mei­ne Fami­lie lebt dort, aber ich bin das schwar­ze Schaf. Ein Bru­der, der Zahn­arzt hier in Man­hat­tan ist. Und eine Schwes­ter, die eine Anwäl­tin in Queens ist. Kei­ner von ihnen, auch mei­ne Eltern, ver­steht mich. Sie sind nicht ein­mal bei mei­ner letz­ten Hoch­zeits­ze­re­mo­nie aufzutaucht.”

“War das dein letzter?”

“Viel­leicht nicht, wenn ich eine Frau tref­fe, die mich tole­rie­ren kann.”

Nata­lie schaut Pat an, ganz sicher, dass sie nicht an die Ehe denkt.

John reicht ihr den Salat. “Wuss­ten Sie, dass dies mein Lieb­lings­sa­lat ist?”

Sie schaut ihn an, lächelt und sagt: “Das tue ich jetzt.”

“Sie ver­wen­den Sardellen.”

“Es ist kein Cäsar ohne sie.”

“Ich begin­ne zu den­ken, dass wir uns in allem einig sind”, ant­wor­tet John.

Pat und Gus schau­en ein­an­der an. Bei­de haben sich für John und Nata­lies auf­kei­men­de Bezie­hung interessiert.

“Ich möch­te zu dei­nen Abend­kur­sen kom­men”, erzählt Nata­lie. “Mitt­woch- und Freitagabend.”

“Ich wür­de das lie­ben”, sagt er. “Wür­den Sie nichts dage­gen haben, mein Assis­tenz­leh­rer zu sein?”

Nata­lie schüt­telt ihren Kopf mit einer Fra­ge auf ihrem Gesicht.

“Du machst alle Posen, die ich per­fekt benut­ze. Sie könn­ten vor­ne ste­hen und sie demons­trie­ren und gleich­zei­tig Ihr Trai­ning bekom­men. Ich könn­te denen hel­fen, die es brauchen.”

Nata­lie foto­gra­fiert sich vor der Klas­se, die die Posen aus­führt. Sie wäre das Zen­trum aller auf­merk­sam­keitstat­ten swer­ten statt einer der Men­ge. Es ist ein wenig beun­ru­hi­gend, aber John wür­de die Hil­fe zu schät­zen wis­sen. “Sicher. War­um nicht?”

Er nimmt einen Bis­sen Salat, schaut sie an, im Bewusst­sein der Emo­tio­nen, die sie in ihm her­vor­ruft. Du soll­test die Nacht mit ihr ver­brin­gen, hat­te Gus gesagt. Er kann sich nicht ein­mal vor­stel­len, wie das wäre, sie zu hal­ten und mit ihr in den Armen ein­zu­schla­fen. Vie­le Jah­re lang glaub­te er, für den Rest sei­nes Lebens mit Emi­ly zu schla­fen. Nun schei­nen die­se wun­der­ba­ren Näch­te wie eine fer­ne Erin­ne­rung. Den­noch scheint der Gedan­ke, mit einer ande­ren Frau zu schla­fen, seltsam.

Den­noch ist es ein Gedan­ke, der bereits sei­nen Geist beschäf­tigt, und hat für vie­le sei­ner Wach­stun­den. Aber von Anfang an ver­mu­te­te sie, dass er auf sie ein­schlug; ein Vor­schlag, den sie zusam­men schla­fen wür­de, wür­de dies bestä­ti­gen. Vor­erst wird er mit der Fan­ta­sie leben, damit er nicht auf Ableh­nung stößt. Gera­de jetzt kann er sich einem gebro­che­nen Her­zen nicht stel­len. Wenn sie jemals zusam­men schla­fen sol­len, wird er war­ten, bis sie ihn ein­lädt, die Nacht zu verbringen.

Nata­lie schaut auf ihren Salat her­ab, bewegt ihn ein biss­chen mit ihrer Gabel. Sie fragt sich, ob sich ihre Freund­schaft mit John jemals wei­ter­ent­wi­ckeln wird, per­sön­li­cher wird. Aber dann hat es, nicht wahr? Sie haben einen lan­gen Spa­zier­gang gemacht, arbei­te­ten an der Hand­stand auf der Ter­ras­se, jetzt die­ses Abend­essen. Und er hat sie ein­ge­la­den, mit ihm vier Tage lang in frei­er Wild­bahn zu cam­pen. Sie möch­te ihn bit­ten, die Nacht bei ihr zu blei­ben, aber es scheint zu viel, zu früh, sogar anma­ßend. Schließ­lich mach­te er es an dem Tag deut­lich, an dem sie ihn traf; Seit dem Tod sei­ner Frau hat er kein Inter­es­se mehr dar­an, mit ande­ren Frau­en zu sein. Sie hat lan­ge allein geschla­fen; sie kann wei­ter­hin allei­ne schla­fen, solan­ge es dau­ert, bis er sie wis­sen lässt, dass er ger­ne mit ihr ins Bett gehen würde.

Es ist ein locke­res, unbe­schwer­tes Gespräch den Rest des Abends. Sie spre­chen dar­über, wie es ist, an der Bör­se betei­ligt zu sein, wie die aktu­el­len Ereig­nis­se in New York sind und ob der Bür­ger­meis­ter eine Chan­ce hat, wie­der­ge­wählt zu wer­den. Nach­dem Pat Nata­lie hilft, das Geschirr in die Spül­ma­schi­ne zu bekom­men, endet der Abend vor Nata­lies Haus­tür. John plant, den Bus mit nach Hau­se zu neh­men. Gus und Pat gehen spazieren.

Ein paar Minu­ten spä­ter fin­det sich Nata­lie im Bade­zim­mer wie­der und schaut in den Spie­gel. Sie hat sich immer für eine wün­schens­wer­te Frau gehal­ten. Ja, sie hat bemerkt, wie John auf ihren Kör­per schau­te, aber ohne offen­sicht­li­chen Wunsch in sei­nen Augen. Ganz anders als die Art und Wei­se, wie Gus Pat heu­te Abend ansah; es war offen­sicht­lich, was er dachte.

Trotz­dem ist sie sich sicher, dass es nicht ihr Kör­per ist, der John auf totem Zen­trum hält, son­dern was ist mit ihrem Geist, ihrer Per­so­na? Gibt es etwas an ihr, das einen unsicht­ba­ren Schild zwi­schen ihr und Johan­nes setzt? Steht er im Wider­spruch zu ihren Ambi­tio­nen, ihrem Ehr­geiz, ihrer Überholspurkarriere?

Die Wan­ne füllt sich mit damp­fen­dem Warm­was­ser und Schaum­bad. Es sieht herr­lich ein­la­dend aus. Sie geht in die Küche für das hal­be vol­le Glas Wein, das sie auf der The­ke gelas­sen hat­te, bringt es zurück ins Bade­zim­mer und setzt es an der Wan­ne. Das lan­ge Ein­wei­chen scheint ihre Angst und Selbst­zwei­fel aus ihren Poren zu dämp­fen. Sie bleibt unter getaucht, bis das Was­ser zu küh­len beginnt.

Als sie nach einem Hand­tuch greift, hört sie das Tele­fon klin­geln. Noch nass, macht sie einen Strich in die Küche, um es zu beantworten.

Es ist John.

“Ich woll­te nur sagen, wie sehr ich das Abend­essen genos­sen habe.”

“Ich auch.”

“So auch Gus. Ich beob­ach­te­te sie, wie sie von der Bus­hal­te­stel­le aus die 7th Ave­nue hinaufstiegen.”

“Bevor sie ihren Spa­zier­gang been­den, wird sie ihn ein­la­den, heu­te Abend in ihrer Woh­nung zu bleiben.”

“Wirk­lich.” John lacht. “Dann haben sie das gemeinsam.”

“Nun, das Abend­essen hat Spaß gemacht.”

“Auf der Heim­fahrt dach­te ich an dich. Ich wünsch­te, ich wäre län­ger geblie­ben. Viel­leicht hät­ten wir uns einen Film oder so etwas angeschaut.”

Nata­lie atmet auf. “John … Ich wollte –

“Woll­te was?”

“Nichts. Ver­ges­sen Sie es. Das nächs­te Mal schau­en wir uns einen Film an.”

“Okay. Kommst du am Freitagabend?”

“Wür­de es nicht verpassen.”

“Toll. Wir sehen uns dann.”

“Gute Nacht.” Sie legt das Tele­fon ab und seufzt.

Zurück im Bade­zim­mer schaut sie auf ihren Scham­hü­gel im Spie­gel, reibt ihre Fin­ger­spit­zen dar­über. Sie zieht die Haut nach oben und schaut auf ihre Vul­va. In die­ser Woche war kei­ne Zeit für ein Wach­sen gewe­sen; die fei­nen Haa­re begin­nen zurück­zu­keh­ren. Sie wird sie abra­sie­ren, bevor sie am Frei­tag­abend zum Yoga-Kurs geht.

Die schnel­le Action im Büro, das Rau­schen hier und da, die Tele­fo­ne klin­geln, bringt Nata­lie in die geschäf­ti­ge Welt der Wall Street. An ihrem Schreib­tisch beginnt sie ihren Tag mit Tele­fon­an­ru­fen und beob­ach­tet immer den sich stän­dig ändern­den Com­pu­ter­bild­schirm vor ihr. Sie nimmt Kauf- und Ver­kaufs­auf­trä­ge ent­ge­gen, gibt Emp­feh­lun­gen ab, hört einem älte­ren Kun­den zu, dass er sich kei­ne wei­te­ren Ver­lus­te leis­ten kann. Sie ver­schiebt sei­ne Inves­ti­tio­nen in Investmentfondsanleihen.

Kurz vor Mit­tag geht Pat her­ein, ihre Augen sind weinend.

“Kein Schlaf letz­te Nacht?” Nata­lie fragt.

“Wir haben die gan­ze Nacht gere­det”, erzählt Pat.

“Gespräch? In Ihrer Wohnung?”

“Ja. Ich habe kei­ne Ahnung, wie lan­ge die­ser Ver­such dau­ern wird, aber ich wer­de jede Minu­te davon genießen.”

“Er wird den gan­zen Tag schla­fen, wäh­rend du hier bist und sei­nen Lebens­un­ter­halt machst.”

“Gut. Er wird viel Ener­gie für heu­te Abend haben.”

“Wann schla­fen Sie also?” Nata­lie fragt.

“Ich wer­de in sei­nen Armen schla­fen, nach­dem er die­se wie­der­be­leb­te Ener­gie ver­braucht hat.”

Nata­lie lächelt und schüt­telt den Kopf. “Ich hungere.”

Sie gehen die Stra­ße hin­un­ter zum Fein­kost­la­den, rei­hen sich in die Schlan­ge. Der Ort brummt mit Mak­lern und Ban­kern, einer ani­mier­ten Lunch-Crowd. Fünf­zehn Minu­ten spä­ter set­zen sie sich mit einem Trut­hahn-Sub, den sie zum Mit­tag­essen tei­len, und zwei Glä­sern Wasser.

“Ich ver­ste­he nicht, war­um du John nicht ein­ge­la­den hast, die Nacht mit dir zu ver­brin­gen”, sagt Pat und nimmt einen Bis­sen ihres Sandwiches.

“Wir waren dar­über hinweg.”

“So wie er dich anschaut; es ist so offensichtlich.”

“War­um sehe ich es dann nicht? War­um hat er es nicht vor­ge­schla­gen? Män­ner scheu­en sich nicht vor die­sen Dingen.”

“Offen­sicht­lich ist ein Mann.”

Nata­lie scannt frus­triert die Men­ge. Sie sieht zwei Mak­ler, die sie kennt, wen­det sich von ihnen ab. Sie hat kei­ne Lust, sozi­al zu sein. Sie schaut Pat an. “Haben Sie ihn bes­ser ken­nen­ler­nen? Ich mei­ne, anders als wie gut er abschneidet?”

“Ich habe Ihnen gesagt, dass wir die gan­ze Nacht gere­det haben. Ja, ich habe ihn bes­ser ken­nen­ler­nen. Er ist wirk­lich ein net­ter Kerl, der sich hin­ter einer auf­fäl­li­gen New Yor­ker Fas­sa­de ver­steckt. Ich hat­te irgend­wie den Ein­druck, dass er glück­lich sein könn­te, in einem Cot­ta­ge in Con­nec­ti­cut zu leben.”

“Hmm.” Sinn­voll. John hät­te kei­ne so enge Freund­schaft mit Gus, wenn er kein anstän­di­ger Kerl wäre.

“Frau­en sind sein Pro­blem”, fügt Pat hin­zu. “Sei­ne Schwä­che. Er ver­liebt sich zu leicht.”

“Ich neh­me an, er ver­liebt sich in dich.”

“Ich hof­fe es. Für ein paar Wochen sowieso.”

Nata­lie blickt auf ihr halb geges­se­nes Sand­wich, das auf dem Fein­kost­pa­pier inmit­ten von Öltrop­fen und Salat­stü­cken ruht. Sie liebt ihre bes­te Freun­din, aber sie ver­steht sie nicht, wenn es um Män­ner geht. Sie konn­te sich nicht mit einem Mann nur für Sex enga­gie­ren, egal wie auf­re­gend oder attrak­tiv der Mann sein mag.

Nata­lie ist mit sechs­und­drei­ßig jah­ren wie­der in ihrer Woh­nung. Der Abend ver­geht mit einer Mahl­zeit fran­zö­si­scher Zwie­bel­sup­pe, Käse und Cra­cker, drei Kapi­teln auf ihrem Kind­le auf der Ter­ras­se, einer schnel­len Dusche und dann küh­len Blät­tern. Sie starrt zwan­zig Minu­ten an die Decke, bevor sie einschläft.

Der Frei­tag­mor­gen beginnt mit bewölk­tem Him­mel. Bei Tages­an­bruch schwingt sie ihre Bei­ne vom Bett und geht zum Fens­ter. Sieht aus wie Regen.

Im Bade­zim­mer ist es ein oder zwei Minu­ten auf der Toi­let­te, Zahn­pas­ta und Bürs­te, und dann ein Rasier­mes­ser und eine Dose Rasier­creme. Sie mag es nicht so wegen des Esels und Stop­peln, aber da die Haa­re wie­der so fein wach­sen, ist es kein uner­träg­li­ches Problem.

Ihr Tag in der Fir­ma ist eine wei­te­re Flut von Rou­ti­nen; der Tag ver­geht schnell. Sie war froh zu erfah­ren, dass Pat letz­te Nacht tat­säch­lich etwas Schlaf bekom­men hat.

Es reg­net, wenn sie in ihre Woh­nung kommt. Trotz des Regen­schirms sind ihre Haa­re nass gewor­den. Sie steigt aus ihrem Anzug und bin­det ihre Haa­re zu einem Pfer­de­schwanz. Sau­be­re Hös­chen und ihre Shorts sind im Büro. Nach­dem sie sie anzieht, nimmt sie eine Baum­woll­blu­se im Schrank her­aus, stellt sie auf und fragt sich, ob sie ohne BH bei der Arbeit davon­kom­men könn­te. War­um nicht? Sie mag etwas fla­cher aus­se­hen, küm­mert sich aber nicht darum.

Drau­ßen bringt sie ein eili­ger Schlag unter dem Regen­schirm zur 7th Ave­nue. Sie begrüsst ein Taxi und teilt dem Fah­rer die Adres­se zu Johns Stu­dio mit. Es reg­net immer noch, wenn das Taxi im Dorf zum Ste­hen kommt. Der Platz vor Johns Gebäu­de ist menschenleer.

Was­ser tropft aus der Mar­ki­se, wäh­rend sie sich unter ihr duckt und den Regen­schirm schließt. Der klapp­ri­ge Auf­zug bringt sie zu Johns Boden. Die meis­ten Yogi-Wün­sche sind schon da, eini­ge mel­den sich an, eini­ge im hin­te­ren Teil des Rau­mes zie­hen ihre Klei­der aus, eini­ge nackt und war­ten. Wie Nata­lie sich erin­nert, bestehen sie aus einer Viel­zahl von Alter, Haut­far­be, Grö­ße und Form, eini­ge ent­spannt, ande­re ängstlich.

Am Schreib­tisch lächelt John sie an, als sie sich nähert. Sie mel­det sich an, öff­net ihre Geldbörse.

“Was machst du?” Johan­nes fragt.

“Ein paar Geld herausholen.”

“Nein. Ich soll­te dich bezah­len. Du wirst heu­te Abend eine gro­ße Hil­fe sein.”

Sie atmet auf und gibt sie frei. “Ich erwar­te kei­ne kos­ten­lo­se Sitzung.”

“Bit­te. Las­sen Sie uns das nicht in Fra­ge stellen.”

Sie lächelt und nickt.

“Ein Drit­tel die­ser Men­schen sind Erst­hel­fer”, sagt er ihr. “Sie brau­chen Hil­fe. Mit Ihnen hier kann ich ihnen helfen.”

“Ich bin in nur einer Minu­te fer­tig”, sagt sie und dreht sich in Rich­tung der Wandhaken.

Zehn Minu­ten spä­ter steht John vor einer eif­ri­gen Klas­se, Nata­lie neben ihm.

“Guys, das ist mei­ne Assis­ten­tin heu­te Abend, Nata­lie Par­ker. Wäh­rend wir fort­fah­ren, wird sie die Posen demons­trie­ren. Ich wer­de zur Ver­fü­gung ste­hen, um denen von euch zu hel­fen, die es brauchen.”

John tritt zur Sei­te und lässt Nata­lie zen­triert vor der Men­ge zurück. Sie scannt die Gesich­ter, sieht etwa vier­zig Augen­paa­re, die sie anstarren.

John kün­digt an, dass sie mit der Plan­ken­po­se begin­nen wer­den, in die Nata­lie auf ihrer Mat­te geht. Eini­ge wis­sen, was die Pose ist und gehen hin­ein; ande­re stu­die­ren Nata­lies Demons­tra­ti­on, bevor sie es selbst tun. Bald ist der Raum eine Samm­lung von halb­an­fäl­li­gen Men­schen mit ihren nack­ten Hin­tern in der Luft. Die zuver­läs­si­gen Aus­wir­kun­gen der Schwer­kraft sind vor­han­den; hän­gen­de Brüs­te schwan­ken unter Frau­en, männ­li­che Orga­ne unter Män­nern her­ab­hän­gen. John geht unter ihnen, drückt Hin­tern nach unten, bewegt die Füße näher zusam­men. Hin und wie­der fin­den sei­ne Augen sei­nen Assis­ten­ten, was einen momen­ta­nen Ver­fall mit sich bringt. Von etwas ande­rem hat er in letz­ter Zeit nicht mehr gedacht.

Tat­säch­lich sind die Erin­ne­run­gen an sei­ne gelieb­te Frau wei­ter zurück in sei­nem Bewusst­sein zurück­ge­gan­gen. Die Erin­ne­run­gen sind immer noch stark und wer­den es immer sein, aber sie sind jetzt eher wie Schat­ten sei­ner Ver­gan­gen­heit. Wäh­rend er in der Ver­gan­gen­heit gelebt hat­te, lebt er jetzt für die Zukunft. Er sieht das Licht am Hori­zont, das an dem Tag, an dem sei­ne Frau starb, aus­geb­lich war.

Er hat nur noch eine Woche Zeit, bevor er und Nata­lie Man­hat­tan auf ihrem Aben­teu­er in den Sta­te Park ver­las­sen. Eine Woche, bevor sie allein im Wald sein wer­den, Mahl­zei­ten über einem Lager­feu­er zube­rei­ten, im Bach schwim­men, den Klän­gen der Wild­nis lau­schen. Eine Woche, um her­aus­zu­fin­den, wie er ihr sagen wird, wie er sich fühlt. Eine Woche vor­her schla­fen sie zusam­men in sei­nem klei­nen Zwei-Personen-Zelt.

Am Ende des Unter­richts beob­ach­tet Nata­lie die Men­schen, die ihre Mat­ten hoch­rol­len, mit­ein­an­der reden und so wei­ter­ma­chen, als hät­ten sie in ihrem Leben noch nie einen Stich klei­dung­ge­tra­gen. Sie fragt sich, wie vie­le von ihnen heu­te Abend Kon­ver­ti­ten wur­den, sich zum Yoga bekeh­ren, sich in die befrei­en­de Frei­heit der Nackt­heit bekeh­ren. John spricht mit einer Frau mitt­le­ren Alters, viel­leicht fünf­zig Jah­re alt, ein biss­chen übergewicht.

Er nimmt Abschied und geht hin­über, um Nata­lie zu beglei­ten, wirft sei­ne Arme um sie und zieht sie gegen sei­ne Brust. “Dan­ke, dass du mir heu­te Abend gehol­fen hast”, sagt er und hält sie fest.

Das ist das Letz­te, was sie erwar­tet hat. Sie spürt, wie ihr Herz schnel­ler schlägt, ihre Brüs­te gegen sei­ne Brust zer­quetscht wer­den. Die Umar­mung scheint län­ger zu ver­wei­len als ein ein­fa­ches Dan­ke­schön. Er scheint nicht zu bemer­ken, dass sie nach dem Trai­ning ein wenig ver­schwitzt ist.

Die Umar­mung bricht; er hat sie an den Schul­tern und schaut in ihre ver­wirr­ten Augen. “Alles, was ich in den letz­ten neun­zig Minu­ten machen woll­te, war zuse­hen, wie du die­se Posen machst.”

Ihre Augen fal­len auf sei­ne Brust.

“Nach dem Unter­richt am Sonn­tag­mor­gen, las­sen Sie uns den Rest des Tages zusam­men ver­brin­gen. Wir müs­sen nichts tun, nur lesen oder einen Film anse­hen. Ich will nur bei dir sein.”

Sie schaut auf. Sein Gesicht leuch­tet mit der Begeis­te­rung eines geschla­ge­nen Schuljungen.

“Okay.”

Die Dame, mit der John gespro­chen hat­te, näher­te sich an, geklei­det. “Dan­ke, dass du mich ermu­tigt hast.”

“Mei­ne Freu­de, Frau Tom­lin­son. War­um brin­gen Sie Ihren Mann nächs­te Woche nicht mit?”

Die Dame lacht. “Ich habe ver­sucht, den alten Far­ten aus sei­ner Klei­dung um das Haus zu bekom­men. Er ist ein Stock im Schlamm. Denkt, dass ich im Alter den Ver­stand verliere.”

“Du bist nicht alt, Frau Tom­lin­son”, sagt Natalie.

“Hier bin ich”, sagt sie und schlägt auf ihren Hin­tern. “Aber hier bin ich noch acht­zehn”, sagt sie und zeigt auf ihren Tem­pel. Sie wen­det sich der Tür zu.

“Sie ist eine Char­meu­rin”, sagt John und beob­ach­tet, wie die Frau aus der Tür geht. “Sie war heu­te Abend frus­triert. Jedes Mal, wenn sie einen Fuß hob, ver­lor sie das Gleich­ge­wicht. Sie konn­te eini­ge der Posen nicht machen.”

“Ich bin froh, dass sie zurückkommt.”

“Ich war­te auf den Tag, an dem ihr Mann hin­ter ihr herfährt.”

Die meis­ten Teil­neh­mer sind auf der Rück­sei­te des Rau­mes anzie­hen. Eini­ge von ihnen schei­nen eher zurück­hal­tend zu sein, ihre Klei­dung anzu­zie­hen, als sie sie aus­zie­hen. Es gibt nicht vie­le Anläs­se oder Orte, an denen Men­schen sozia­le Nackt­heit in New York genie­ßen können.

“Haben Sie jemals dar­über nach­ge­dacht, hier ein gesel­li­ges Bei­sam­men­sein zu haben?” Nata­lie fragt.

John schaut sich um. “Wis­sen Sie, das ist eine ver­dammt gute Idee.”

“Die­ses Stu­dio könn­te sich als Oase für FKK-Teil­neh­mer ver­dop­peln. Sie könn­ten ein paar Dol­lar berech­nen, um die Kos­ten für Erfri­schun­gen zu decken.”

“Klingt nach etwas, das wir pla­nen kön­nen, wenn wir cam­pen gehen.” Er schaut sie an und schmer­zen, heu­te Abend mit ihr nach Hau­se zu gehen. Aber wenn das in den Kar­ten ist, muss es war­ten. Es gibt zu vie­le Din­ge, über die man zuerst spre­chen kann, zu vie­le Din­ge, die für bei­de gelöst wer­den müssen.

“Es war eine hek­ti­sche Woche”, sagt Nata­lie. “Außer einem Kraft­trai­ning am Mor­gen habe ich mor­gen kei­ne Plä­ne. Hän­gen Sie ein­fach aus und ruhen Sie sich für Sonn­tag aus.”

Er nickt, folgt ihr dann zu den Wand­ha­ken, beob­ach­tet, wie sie sich anzieht, reicht ihr den Regen­schirm, wenn sie zur Tür kommen.

“Ich blei­be hier für eine Wei­le. Haben Sie eini­ge Papie­re zu tun.”

“Gute Nacht. Ich habe vor, am Mitt­woch­abend hier zu sein.”

“Wir sehen uns Sonn­tag”, sagt er und beob­ach­tet sie dann, wie sie aus der Tür geht.

Wäh­rend der Taxi­fahrt nach Hau­se sind Nata­lies Gedan­ken auf die Umar­mung ein­ge­schlos­sen, die sie über­rascht hat­te. Sie hat­te sich noch nie so in den Armen eines Man­nes gefühlt. Zuerst schien es augen­blick­lich, dann schien es, als ob er sei­ne Gefüh­le auf phy­si­sche Wei­se aus­drückt, als wür­de sein Kör­per eine Bot­schaft ver­mit­teln. Hät­te es län­ger gedau­ert, wäre es mit ihr okay gewesen.

In ihrer Woh­nung steigt sie aus ihren Klei­dern und geht auf die Ter­ras­se. Die Nacht­luft ist warm und feucht. Die Chai­se­longue ist noch nass vom Regen. Sie lehnt sich sowie­so dar­auf zurück.

Nackt auf dem Balkon in der Abendsonne
Nackt auf dem Bal­kon in der Abendsonne

Die Din­ge haben sich heu­te Abend geän­dert. Die kör­per­li­che Zunei­gung, die Din­ge, die er sag­te – es gibt nur eine Mög­lich­keit, sie zu inter­pre­tie­ren. Er beginnt, sich von der Ver­gan­gen­heit zu ent­fer­nen. Er tut dies in sei­nem eige­nen Tem­po, das ist, wenn es über­haupt gesche­hen soll, so, wie sie es sehen will.

Pat sag­te ihr, John habe die Tür für eine Ein­la­dung geöff­net, die Nacht mit ihr zu ver­brin­gen. Nata­lie glaubt das nicht. Nur weil er einen Zen­ti­me­ter vor­wärts beweg­te, bedeu­tet das nicht, dass er bereit ist, eine Mei­le vor­wärts zu kom­men. Viel­leicht ist es ein Gefühl, oder Intui­ti­on, oder was auch immer, es ist da. Sie glaubt, dass John sei­ne Ver­gan­gen­heit immer noch mit der Gegen­wart in Ein­klang setzt. Er muss Zeit haben, in sei­nem Leben eine ande­re Frau als Emi­ly zu sehen.

Als sie auf­steht, um ins Bett zu gehen, fühlt sich ihr Hin­tern vom nas­sen Kis­sen feucht an. Sie hält in der Küche, um ein paar Trau­ben im Bett zu essen. Im Bade­zim­mer erkennt sie, dass sie ihre Zeit begon­nen hat.

Ver­dammt! Dies wird sich auf die Sit­zung am Sonn­tag­mor­gen aus­wir­ken. Sie muss Hös­chen tra­gen oder mit der Schnur expo­niert trai­nie­ren. Sie wird das Hös­chen tra­gen; Johan­nes wird es verstehen.

Sie legt einen Tam­pon ein, putzt sich die Zäh­ne, geht ins Bett und posi­tio­niert die Scha­le mit Trau­ben auf ihrem Bauch. Der Fern­se­her wird mit den Nach­rich­ten des Tages leben­dig. Heu­te gab es vier Mor­de in New York. Die Infla­ti­on ist hier zwei Pro­zent höher als im Rest des Lan­des. Der Grund­stein für einen neu­en Wohn­turm zwei Blocks vom Cen­tral Park ent­fernt wur­de gebro­chen. Sie wech­selt zu natio­na­len Nach­rich­ten. Der Kon­gress ist fest­ge­fah­ren. Demo­kra­ten und Repu­bli­ka­ner wei­gern sich, bei der Aus­ga­ben­re­form Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen. Die Staats­ver­schul­dung steigt unver­min­dert wei­ter an. Als nächs­tes ein Film­ka­nal. Ein Ran­dolph Scott Wes­tern hat gera­de begon­nen. Das wird sie sehen. Ran­dolph Scott erin­nert sie an John.

Der Sams­tag­mor­gen beginnt einen Tag der glück­se­li­gen Ruhe. Es scheint, dass das Gewicht der Welt von ihren Schul­tern geho­ben wur­de. Sie wird ihr Kraft­trai­ning vor dem Früh­stück machen; es wird weni­ger Men­schen im Übungs­raum geben, und ein lee­rer Magen wird sie davon abhal­ten, sich trä­ge zu fühlen.

Sie putzt sich die Zäh­ne, wech­selt den Tam­pon und legt ein kusche­li­ges Tank­top über ein Paar schwar­ze Leg­gings. Im Übungs­raum beginnt sie mit etwas Dehnung.

Nach dem Früh­stück ver­bringt Nata­lie den größ­ten Teil des Tages auf der Ter­ras­se. Die Luft riecht frisch nach dem Regen. Sie been­det den Roman und bestellt eine ande­re, die ein Dut­zend gute Kri­ti­ken hat. Abend­essen ist eine kalo­rien­ar­me gefro­re­ne Pas­ta mit Hühnergericht.

Der Sonn­tag beginnt, wenn das früh­mor­gend­li­che Licht, das durch das Fens­ter kommt, sie weckt. Auf den Füßen, hebt sie ihre Arme über ihren Kopf zu deh­nen. Ein fau­les Gäh­nen bricht die Stil­le, als sie zum Fens­ter geht. Gol­den oran­ge, die Son­ne ist gera­de über dem Hori­zont, sicht­bar durch Lücken zwi­schen Gebäu­den zwi­schen hier und dem East River. Sie greift zurück, um einen Juck­reiz in ihrem Hin­tern Riss zu krat­zen. Ihre Rou­ti­nen im Bade­zim­mer hel­fen ihr, aufzuwachen.

Das Früh­stück besteht aus Rühr­ei und Toast. Mit ihren Ell­bo­gen auf dem Tisch, einer Tas­se Kaf­fee in den Hän­den, starrt sie in den Raum, wäh­rend ihr Geist drif­tet. Ist es wirk­lich mög­lich, dass John aus sei­ner Ver­gan­gen­heit her­aus­ge­gan­gen ist und nun in ihr Leben ein­stei­gen will? Gibt es einen Tag in der Zukunft, an dem er zum Früh­stück gegen­über sit­zen wird? Wür­de er hier woh­nen wol­len, oder wür­de er wol­len, dass sie die Woh­nung ver­kauft und in sei­ne Woh­nung im Dorf ein­zieht? Wenn ja, wäre es viel­leicht eine bes­se­re Idee, die­se Woh­nung zu ver­mie­ten, anstatt sie zu verkaufen.

Sie schaut auf ihre Eier her­ab und denkt, dass sie sich selbst vor­aus ist, und liest etwas in sei­ne plötz­li­che Zunei­gung. Sie nippt am Kaf­fee und legt die Tas­se ab. Ist es an der Zeit, ihm zu sagen, wie sie sich fühlt?

Mit neun­und­vier­zig lässt der Con­cier­ge sie wis­sen, dass John hier ist. Sie öff­net die Haus­tür für einen Mann mit einer auf­ge­roll­ten Yoga­mat­te unter dem Arm und hält sei­ne Klei­der in der Hand. Sei­ne Augen fal­len auf ihr Hös­chen und sei­ne Stirnfalten.

“Mei­ne Zeit begann”, erzählt sie ihm.

Sie schließt die Tür, als er durchtritt.

“Das braucht man nicht”, sagt er.

“Aber—”

“Haben Sie ver­ges­sen, dass ich zwölf Jah­re ver­hei­ra­tet war? Ich weiß, wie der Kör­per einer Frau funktioniert.”

Sie schaut ihn eine Minu­te an, bevor sie ihr Hös­chen nach unten drückt und aus ihnen her­aus­tritt. Die locki­ge Schnur ist an der Sei­te ihrer Vul­va klebt. Lus­tig, wie eine alber­ne klei­ne Schnur ein Mäd­chen so nackt füh­len kann.

End­lich lächelt er. “Ich habe den gan­zen Mor­gen gähnt”, sagt er. “Konn­te letz­te Nacht nicht schlafen.”

Sie dreht sich in Rich­tung Küche und fragt sich, war­um. An der The­ke gießt sie zwei Tas­sen Kaf­fee. Als sie sich umdreht, um ihm eine zu geben, starrt er auf ihren Kör­per. Sei­ne Augen heben sich und tref­fen sie. “Sol­len wir ein wenig davon trin­ken, bevor wir loslegen?”

Sie nickt und er folgt ihr zum Café-Tisch. Unver­meid­lich Gewis­sen der Schnur, kreuzt sie ihre Bei­ne, zu erken­nen, dann wird es nur all­zu offen­sicht­lich sein, wenn das Trai­ning beginnt.

“Haben Sie ges­tern etwas Ruhe bekom­men?”, fragt er.

“Ja, es war ein schö­ner Tag, friedlich.”

“Ich wuss­te, dass du dich auf die Ein­sam­keit gefreut hast, sonst hät­te ich den Tag mit dir ver­brin­gen wollen.”

Schei­ße! Nata­lie denkt an sich selbst. “Ich dach­te an unse­ren Cam­ping-Trip. Es wird ein ziem­li­ches Aben­teu­er für mich. Wie groß ist Dein Zelt?”

“Groß genug, um sich hin­ein­zu­set­zen und es wird zwei Per­so­nen schla­fen, aber ziem­lich klein. Es muss klein und leicht sein, damit ich damit wan­dern kann.”

“Du musst mir sagen, was ich packen soll.”

“Eine Zahn­bürs­te. Ich brin­ge alles ande­re mit. Die­se Woche bekom­me ich einen Schlaf­sack. Die Näch­te kön­nen dort oben kühl werden.”

Schlaf­sä­cke. Nata­lie foto­gra­fiert zwei mensch­li­che Taschen­wür­mer, einen Mann und eine Frau, die neben­ein­an­der schla­fen. Viel­leicht will er einen ande­ren Weg fin­den, um warm zu bleiben.

John nimmt einen Schluck Kaf­fee. “Ich dach­te, ich wür­de dir einen ande­ren Weg zei­gen, um in einen Hand­stand zu gehen, bevor du losfnachst.”

“Okay.”

Ste­hend beob­ach­tet sie, wie er sei­ne Mat­te aus­rollt und in die Kra­nich­po­se kommt. Wie von Zau­ber­hand stei­gen sei­ne Bei­ne neun­zig Grad, gera­de und starr. Wie zuvor sind sei­ne Mus­keln straff, las­sen Sie sei­nen Kör­per noch sine­wy aus­se­hen. Er bringt sie her­ein und fal­tet sie, was sei­ne Hin­tern­ba­cken zum Tren­nen bringt. Sie sieht sei­nen Anus und die feuch­ten Haa­re, die ihn umge­ben, schat­tie­rung dunk­ler als die Haa­re an sei­nem Körper.

Sie ist dank­bar, dass John ihr gehol­fen hat, eine neue Per­spek­ti­ve auf den mensch­li­chen Kör­per zu ent­wi­ckeln, sei­ne wun­der­sa­me Funk­ti­ons­wei­se und Funk­tio­nen, die alle umarmt und gefei­ert wer­den soll­ten, nicht als unan­stän­dig oder unan­stän­dig bezeich­net wer­den. War­um ist ein Penis oder eine Vul­va oder ein Anus unan­stän­di­ger als ein Fin­ger oder ein Ohr? Sie sind alle Kör­per­tei­le, die jeder Mensch hat. War­um sind so vie­le Men­schen dage­gen, das zu akzeptieren?

Wäh­rend sich Johns Bei­ne ent­fal­ten, fol­gen ihre Augen den männ­li­chen Lini­en sei­nes Kör­pers, wäh­rend sei­ne Bei­ne anmu­tig zum Him­mel stei­gen. Er hält die auf­rech­te Pose für einen Moment, dann sei­ne Bei­ne Sche­re aus­ein­an­der, stop­pen, wenn nur, wenn sie wie­der neun­zig Grad an sei­nem Ober­kör­per sind. Sie hat noch nie eine so groß­ar­ti­ge Fle­xi­bi­li­tät gesehen.

Dann, zu ihrem Erstau­nen, beginnt er sich auf sei­ne Hän­de zu erhe­ben und sich in einen vol­len Hand­stand zu brin­gen. Mit gera­den Ell­bo­gen, star­ren Armen, auf der Mat­te gebeug­ten Hän­den, Sche­re sei­ne Bei­ne lang­sam bis auf ein acht­zig. Nata­lie setzt sich zurück und starrt, sicher, dass sie das nie tun kann.

Bald sitzt er auf der Mat­te und schaut sie an. “Wie Sie sehen kön­nen, kön­nen Sie von der Kran­po­si­ti­on aus in einen Hand­stand gehen, aber es ist schwieriger.”

“Aber du erwar­test nicht, dass ich es so mache.”

“Nein, nicht bald”, sagt er und kehrt auf sei­nen Stuhl zurück.

Sie kann sich nur vor­stel­len, was für ein Lieb­ha­ber er sein wür­de, ein Gedan­ke, der so ablen­kend ist, dass sie ihren Geist davon abwendet.

“Lasst euch einen Hand­stand aus der ste­hen­den Vor­wärts­kur­ve machen.”

Als sie auf die Mat­te kommt, hört sie ein Geräusch von oben. Sie schaut auf. Ein Teen­ager, von einem Bal­kon drei Stock­wer­ke hoch, schaut sie über das Gelän­der. Sie nickt in die­se Rich­tung und John schaut auf. Der Jun­ge verschwindet.

“Guess he es get­ting a eye­ful”, john says. Er schaut sie an. “Stört es Sie?”

“Naw. Viel­leicht kön­nen wir ihn für Yoga interessieren.”

“Oder Frau­en”, sagt John.

“Zehn vor eins inter­es­siert ihn schon.”

“Bist du bereit?”

“Bereit, wie ich jemals sein werde.”

Er legt den Becher zur Sei­te, lehnt sich nach vor­ne und stützt sei­ne Ell­bo­gen auf die Knie. “Okay. Pro­bie­ren wir es aus der ste­hen­den Vorwärtskurve.”

Nata­lie beginnt mit ein paar stret­ching Posen. Dann beugt sie sich vor­wärts, wo ihr Gesicht ihre Schien­bei­ne berührt. Sie greift zurück und greift von hin­ten zu ihren Knöcheln.

“Stel­len Sie Ihre Hän­de flach auf die Mat­te”, sagt John. Sie hält sich dar­an. Er steht und tritt hin­ter sie her. “Jetzt, bewe­gen Sie Ihr Gewicht nach vor­ne, so dass es über Ihre Hän­de ist, dann tre­ten Sie Ihre Bei­ne zurück, um genug Schwung zu bekom­men, um sie den gan­zen Weg nach oben zu heben.”

Sie atmet ein paar Atem­zü­ge, schiebt ihre Bei­ne zurück und bringt sie über sie. Ihre Ell­bo­gen wackeln. Der Schub war umständ­lich und aggres­siv genug, um sie aus dem Gleich­ge­wicht zu brin­gen. Der wacke­li­ge Hand­stand hält in Sekun­den­bruch­tei­len, bevor ihre Bei­ne wie­der nach unten fallen.

“Ich bin ein­fach nicht stark genug”, sagt sie.

“Das ist nicht das Pro­blem. Es ist Ihr Ver­trau­en. Sie tra­ten zu aggres­siv auf. Es gab kei­ne Mög­lich­keit, aus­ge­wo­gen zu blei­ben. Die­se Zeit ver­schiebt Ihr Gewicht wei­ter nach vor­ne. Wenn dei­ne Bei­ne von der Mat­te kom­men, zie­hen sie dein Gewicht über dei­ne Hän­de. Ver­wen­den Sie Kon­zen­tra­ti­on, um Ihre Bei­ne ohne so viel Schub zu heben.”

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Wie­der ein­mal ver­sucht sie, erreicht die glei­chen Ergebnisse.

Er lächelt sie an. “Ich den­ke, wir sind uns selbst vor­aus, indem wir es so machen. Pro­bie­ren wir es von der Car­ne-Pose aus. Mit der Ober­sei­te des Kop­fes und den Hän­den auf der Mat­te wird Balan­ce kei­ne sol­che Her­aus­for­de­rung sein.”

Dies­mal bekommt Nata­lie ihre Bei­ne gera­de nach oben, obwohl sie immer noch ein wenig wacke­lig ist. Sie hält die Pose, kon­zen­triert sich und ver­sucht zu bestim­men, wo sie sich schwach fühlt.

“Sehr gut”, sagt John, als sie aus der Pose kommt. “So üben wir heu­te ihren Bein­lift. Wenn Sie Ihre Bei­ne heben, den­ken Sie dar­über nach, wie Sie es tun. Sie wer­den es ähn­lich machen, wenn Sie das nächs­te Mal in der vor­de­ren Bie­gungs­po­si­ti­on beginnen.”

Die Sets wer­den fort­ge­setzt. Jedes Mal wird Nata­lie ein wenig flüs­si­ger, ein wenig selbstbewusster.

“Noch ein­mal und wir machen eine Pau­se”, sagt John drei­ßig Minu­ten spä­ter und beginnt in Rich­tung Woh­nung. “Ich kom­me gleich wieder.”

Nata­lie beob­ach­tet ihn beim Gehen. Er muss pinkeln.

Sie kommt gera­de aus der Pose, als er zurück­kehrt. Er hat ein Gewe­be in den Hän­den. “Ste­hen Sie eine Minu­te auf”, sagt er.

Als sie steht, nimmt er sie am Arm und kehrt ihm den Rücken zu. Er benetzt das Gewe­be auf sei­ner Zun­ge, steigt auf ein Knie und wischt das Blut ab, das auf den Hin­ter­teil ihres Beins gesi­ckert ist.

Sie schaut auf das blut­be­fleck­te Gewe­be. Selt­sa­mer­wei­se ist sie nicht pein­lich. Statt­des­sen spürt sie die glei­che Ehr­furcht, die sie in der Nacht ver­spür­te, in der er ihr zum ers­ten Mal den Hand­stand zeigte.

“Wol­len Sie das ändern?”, fragt er.

Sie nickt und geht in die Woh­nung. Im Bade­zim­mer setzt sie sich auf die Toi­let­te und starrt auf den Boden. Sie hat mehr­mals mit Män­nern geschla­fen, Sex mit ihnen auf ver­schie­de­ne Wei­se erlebt. Nicht ein ein­zi­ges Mal waren sol­che Gele­gen­hei­ten fast so intim wie das, was gera­de gesche­hen war.

John geht plötz­lich her­ein, was sie über­rascht. Er öff­net den Schrank unter dem Wasch­be­cken, nimmt die Box Tam­pons her­aus, nimmt einen her­aus und gibt die Box zurück. Sie beob­ach­tet ungläu­big, wie er ihn öff­net und wirft den Wrap­per in den Mülleimer.

“Sprei­zen Sie Ihre Bei­ne”, sagt er und kniet vor ihr.

Mit aus­ge­brei­te­ten Bei­nen kneift er die Schnur mit den Fin­gern und zieht den alten Tam­pon her­aus und lässt ihn in die Toi­let­te fal­len. Mit den Fin­gern einer Hand brei­tet er ihre Vul­va aus und ver­wen­det dann Gewe­be, um das sicht­ba­re Blut weg­zu­bla­sen. Damit wählt er den neu­en Tam­pon aus und fügt ihn ein.

Nata­lie hält den Atem an. Sie hat sich nie vor­stel­len kön­nen, dass ein Mann so etwas macht. Er muss eine unglaub­li­che Bezie­hung zu sei­ner Frau gehabt haben.

Er greift hin­ter sie und spült die Toi­let­te, legt ihre Hän­de bei­sei­te ihre Ober­schen­kel. Ihre Augen sind ver­schlos­sen. Was kann man sagen, wenn Wor­te in Momen­ten wie die­sen wert­los sind?

Augen­bli­cke spä­ter steht er und schaut sich die Zeich­nung an der Wand für einen Moment an. Er dreht sich um und greift nach ihrer Hand. Sie steht, atmet auf und geht mit ihm in die Küche, wo John ihre Kaf­fee­tas­sen auf­ge­füllt hat.

Zurück auf der Ter­ras­se setzt sich Nata­lie hin und schaut ihn an. Wenn er nur ihren Ver­stand lesen könn­te, könn­ten sie die­se Sit­zung im Schlaf­zim­mer beenden.

Am 11.15.,15 Uhr essen Nata­lie und Pat im Fein­kost­la­den zu Mit­tag. Heu­te haben bei­de Sala­te bekom­men. Nata­lie war den gan­zen Mor­gen in einer nach­denk­li­chen Stimmung.

“Wir müs­sen nicht reden”, sagt Pat und schaut sie an. “Ich tue nur so, als wärest du nicht hier.”

“Sor­ry.”

“Mäd­chen, ich habe noch nie jeman­den gese­hen, der sich damit auf­ge­wirft hat.”

Nata­lie lächelt.

“Was zum Teu­fel hast du gedacht?”

“Nichts. Alles.”

“Ja, sicher, das erklärt es. Also lege ich mei­ne zwei Cent hin­ein. Gus hat mei­ne Gehir­ne letz­te Nacht gefickt.”

Nata­lie nickt.

“Okay, ich gebe auf”, sagt Pat und sticht eine Gabel von Salat.

Nata­lie lässt durch­at­men. “Frei­tag­abend am Ende des Yoga-Unter­richts, aus hei­te­rem Him­mel, wickel­te John sei­ne Arme um mich.”

Pat starrt sie eine Sekun­de an und sagt dann: “Und ich dach­te, ich hät­te eine hei­ße Nacht.”

“Ich wuss­te nicht, was ich den­ken oder sagen soll­te. Dann sag­te er mir, dass er wäh­rend der Sit­zung nur zuschau­en woll­te, wie ich die Posen mache.”

Pat hört mit Inter­es­se zu, als Nata­lie wei­ter­macht. Sie erzählt ihr von dem Vor­fall mit dem Gewe­be. Sie hat beschlos­sen, ihre Erfah­rung im Bad pri­vat zu hal­ten, etwas zwi­schen ihr und John.

Pat hat noch nie von einem Mann gehört, der so etwas tut. In ihrer Erfah­rung mit Män­nern hat sie gelernt, dass sie in der Regel durch Mens­trua­ti­on abge­schreckt wer­den. Ihre Augen suchen die Tisch­plat­te, wäh­rend sie ver­sucht, sich so etwas vor­zu­stel­len, das ihr pas­siert. Sie schaut auf. “Von allen Frau­en in New York hat er dich herausgehoben.”

Nata­lie schüt­telt den Kopf und fragt sich, was sie damit meint.

Dann fügt Pat hin­zu: “Du musst das Gefühl haben, die Lot­te­rie gewon­nen zu haben.”

Am dar­auf­fol­gen­den Sams­tag­mor­gen kommt end­lich, am Mor­gen wol­len sie in den Staats­park auf­rei­sen. Nach ihrer Mor­gen­rou­ti­ne im Bade­zim­mer hat Nata­lie Grape­fruit und Toast zum Früh­stück, bevor sie sich anzieht. John hat­te sich Gus’ Auto für die Rei­se aus­ge­lie­hen. Er wird jede Minu­te hier sein.

Anfang der Woche hat­te sie in einem Sport­ar­ti­kel­ge­schäft ein beque­mes Paar Wan­der­schu­he, eine Car­go-Shorts mit meh­re­ren Taschen und ein Kha­ki-Shirt mit Taschen gekauft. Abge­se­hen von ihrem Han­dy ist sie sich nicht sicher, was sie in sie hin­ein­ste­cken wird, aber zumin­dest wird sie nicht wie ein Cam­ping-Neu­ling aussehen.

John kommt gera­de, als sie die Früh­stücks­ge­rich­te abspült. Sie hat ihn nicht in Klei­dern gese­hen, wenn sie die Tür öff­net. Sei­ne Shorts haben auch vie­le Taschen, und er hat Din­ge in ihnen.

“Viel­leicht soll­teman etwas tra­gen, bis wir in den Wald kom­men”, neckt er.

Sie lächelt. “Ich neh­me nicht nur eine Minute.”

Er folgt ihr ins Schlaf­zim­mer, sitzt am Bett­rand. Neben der Bade­zim­mer­tür steht ein klei­ner Kof­fer, in dem sich ihre Toi­let­ten­ar­ti­kel befin­den. Drei Minu­ten spä­ter ver­lässt sie in ihrem neu­en Out­fit den Schrank.

“Schön”, sagt er. “Und angemessen.”

“Ich weiß nicht, was ich in die Taschen ste­cken soll”, sagt sie. “Ihre Taschen sehen voll aus.”

Er lacht. Aus einem Päck­chen zieht er einen Kom­pass her­aus, hält ihn hoch, um sie zu zei­gen. “Din­ge, die ich im Lau­fe der Jah­re gesam­melt habe.” Als nächs­tes zieht er ein Schwei­zer Armee­mes­ser her­aus, dann einen was­ser­dich­ten Behäl­ter mit Streich­höl­zern, dann eine Brief­ta­sche, die er alle auf das Bett setzt. Als nächs­tes kommt ein Taschen­tuch, dann Chap­stick und ein kom­pak­tes Schlan­gen­biss-Kit. “Weiß nicht, war­um ich all die­se Sachen tra­ge. Ich wan­de­re fast immer nackt.”

Als er alles wie­der in die Hosen­ta­schen steckt, sitzt sie auf dem Boden, um ein paar Socken und ihre Wan­der­schu­he anzu­zie­hen. “Das sind die bequems­ten Schu­he, die ich fin­den konnte.”

“Du wirst froh sein, dass du sie gekauft hast.”

Sie steht. “Sind Sie sicher, dass ich kei­nen Klei­der­wech­sel brauche?”

“Wir sind nur vier Tage weg. Zusätz­li­che Klei­dung ist ein­fach mehr Gewicht zu tragen.”

“Dann macht es dir nichts aus, wenn ich ein wenig stinke?”

“Glau­ben Sie, dass wir Klei­dung im Wald tra­gen werden?”

“Es ist ein öffent­li­cher Park”

“Eine wäh­le ich, weil es so vie­le abge­le­ge­ne Gebie­te hat. Sobald wir unse­ren Cam­ping­platz errei­chen, ist es unwahr­schein­lich, dass wir die gan­ze Zeit, in der wir dort sind, jeman­den sehen werden.”

Sie fah­ren mit dem Auf­zug hin­un­ter zum Park­haus. Nata­lie hat­te John ihren Sicher­heits­code gege­ben, damit er ins Parkn ein­stei­gen konn­te. Er öff­net den Kof­fer­raum und stellt ihren Rei­se­kof­fer neben einen gro­ßen, gefüll­ten Rucksack.

“Das ist das Zelt, das an der Sei­te des Ruck­sacks befes­tigt ist”, erzählt er ihr.

“So klein rollt es auf!”

“Nur wiegt vier Pfund.”

Sie ver­las­sen Man­hat­tan durch den Lin­coln Tun­nel, fah­ren wei­ter, bis sie zur Inter­sta­te 95 kom­men. Ein paar wei­te­re Kreu­zun­gen brin­gen sie zur Inter­sta­te 87, die sie zum Harri­man Sta­te Park bringt. John ver­lässt die Inter­sta­te und fährt zu einer Stra­ße, die sie in den Park führt, hält an einem Stand, um ihre Geneh­mi­gun­gen zu bezah­len. Auf der Fahrt durch das stark bewal­de­te Gelän­de sto­ßen sie auf meh­re­re ent­ge­gen­kom­men­de Autos. Eine wei­te­re Abbie­ge­mög­lich­keit auf eine schein­bar abge­le­ge­ne­re Stra­ße. Eine wei­te­re Kur­ve bringt sie zu einem klei­nen Schot­ter­park­platz. Er zieht ein und parkt. Es gibt bereits zwei Autos.

John steigt aus, öff­net den Kof­fer­raum und beginnt, sein Hemd zu entknöpfen.

“Du zieht dei­ne Klei­der hier aus?” Nata­lie fragt.

“Könn­te auch.”

Sie schaut sich um, sieht nie­man­den. Nur die bei­den Autos.

“Jemand ist schon hier”, sagt sie.

“Ich bezweif­le, dass wir sie sehen wer­den. Wenn wir das tun, sagen wir Hal­lo und gehen wei­ter. Den meis­ten Ist das egal. Sie haben etwas für ihr eige­nes Geschäft.” Er schaut sie an, sieht ihre Sor­ge. “Sie kön­nen war­ten, bis wir zum Cam­ping­platz kom­men, wenn Sie möchten.”

“Ich las­se ein­fach mein Hemd an”, sagt sie und greift nach ihrem Gürtel.

Wenn John nackt ist, fixiert er sei­ne Klei­dung an der Sei­te des Ruck­sacks. Nata­lie reicht ihm ihre Shorts und Hös­chen. Er schiebt sie in eine Sei­ten­ta­sche und hebt den Ruck­sack aus dem Kof­fer­raum. Aus einer ande­ren Tasche nimmt er eine Dose Insek­ten­schutz­mit­tel her­aus und sprüht damit sei­nen gan­zen Körper.

“Ich has­se die­ses Zeug, aber es ist ein not­wen­di­ges Übel. Hal­ten Sie Die Arme aus.”

Er sprüht ihre Arme, ihre Bei­ne, hebt ihr Hemd, um ihren Hin­tern und Rücken zu besprü­hen, hebt ihre Haa­re, um den Rücken ihres Hal­ses zu besprü­hen, und tritt dann her­um, um ihren Bauch und ihre Brust zu besprühen.”

“Das soll­te es tun. Stinkt, nicht wahr?”

Sie nickt.

Mit dem Ruck­sack auf den Schul­tern gesi­chert, star­ten sie für den Trail. Hin­ter ihm zu lau­fen, den Rei­se­kof­fer tra­gend, beob­ach­tet Nata­lie sei­nen Hin­tern, der sich mit sei­nem Schritt unter dem Ruck­sack beugt.

Zehn Minu­ten nach dem Weg tref­fen sie sich mit ande­ren Wan­de­rern, einem Mann mitt­le­ren Alters und sei­ner Frau, die bei­de Geh­stö­cke tra­gen. John und Nata­lie tre­ten von der Spur, um sie pas­sie­ren zu las­sen, John offen­sicht­lich nackt, Nata­lies nack­te Bei­ne sicht­bar unter dem Hemd­schwanz. John nickt und sagt hal­lo, wäh­rend sie vor­bei­ge­hen. Der Mann gibt den Gruß zurück; die Frau hält ihre Augen geradeaus.

John schaut Nata­lie mit einem Lächeln an. “Sie­he. Kei­ne gro­ße Sache.”

Auf sie gehen. Zwan­zig Minu­ten spä­ter kom­men sie zu einer klei­nen pri­mi­ti­ven Brü­cke über einen schnel­len Strom.

“Wir wer­den die­sem Strom ein paar hun­dert Meter fol­gen. Ich habe vor­her dort gezel­tet. Es ist kein offi­zi­el­ler Cam­ping­platz, aber es ist abgelegen.”

Sie bah­nen sich ihren Weg durch Gestrüpp, Reben und Ente unter tief hän­gen­den Glied­ma­ßen. Als sie die Lich­tung errei­chen, wo John ihr Lager auf­stel­len will, hat Nata­lie einen Krat­zer am Unter­schen­kel von einer dor­ni­gen Rebe. John legt den Ruck­sack auf die ver­fal­len­den Blät­ter, öff­net ihn und nimmt ein ers­tes Sei­ten­set her­aus. Er ver­wen­det eine klei­ne qua­dra­ti­sche Gaze, die in Was­ser­stoff­per­oxid getränkt ist, um die Wun­de zu rei­ni­gen und zu des­in­fi­zie­ren. Als nächs­tes legt er einen Band­hel­fer drüber.

“Das ist bes­ser?”, sagt er und schaut nach oben.

“Es ist nur ein Kratzer.”

Er steht auf und schaut sich um. “Was denkst du?”

Sie scannt die Lich­tung, schaut auf das kris­tall­kla­re Was­ser im Bach. “Es ist schön hier. Riecht so frisch.”

Er beugt sich über den Ruck­sack und schüt­telt das Zelt ab. Nata­lie zieht das Hemd aus und beob­ach­tet ihn. Sie liebt es, ihn anzu­se­hen, glaubt, einen gan­zen Tag mit dem Star­ren zu ver­brin­gen, obwohl es sie manch­mal auf Fan­ta­sie­flü­ge setzt.

Er steht auf­recht und ent­rollt das Zelt, brei­tet es über den grü­nen Boden aus und pfeimt dann die Ecken.

“Kann ich hel­fen?” Nata­lie fragt.

“Nicht nur ein oder zwei Minu­ten dau­ern. Es ist erstaun­lich ein­fach.” Er ent­fal­tet eini­ge dün­ne fle­xi­ble Stä­be, schiebt sie durch die an der Außen­sei­te des Zel­tes genäh­ten Ärmel. Mit nur zwei Stan­gen, die durch die Ärmel gescho­ben wer­den, steht das Zelt für die Insas­sen bereit. “Unglaub­lich, huh?”

“Ja.”

Er nimmt die bei­den Schlaf­sä­cke, die an die Ober­sei­te des Ruck­sacks gebun­den sind, und ent­rollt sie auf dem Zelt­bo­den, dann reißt er den Bild­schirm hoch, der die Tür bedeckt, damit Mücken nicht hin­ein­kom­men können.

“Es ist fer­tig”, sagt er und wen­det sich an sie. “Wir wer­den heu­te Nach­mit­tag ein klei­nes Lager­feu­er machen. Hof­fe, dass du Chi­li in Dosen magst.”

Sie hat­te noch nie Chi­li in Dosen, aber das sagt sie ihm nicht.

“Du bist ein Sport”, sagt er. “Die meis­ten New Yor­ke­rin­nen wür­den nicht davon träumen.”

“Muss mei­ne Wur­zeln im Mitt­le­ren Wes­ten sein. Es liegt in den Genen.”

Er lacht. “Es gibt eine Ansicht nicht weit von hier, die ich ger­ne sehen würde.”

“Jetzt?”

“Es steht nichts ande­res auf der Tagesordnung.”

“Okay.”

“Fol­gen Sie mir ein­fach und ach­ten Sie auf dor­ni­ge Pflan­zen. Wir sind weg, aber das macht die Chan­cen, jeman­den fast null zu sehen.”

Sie begin­nen durch den Wald, tre­ten über umge­stürz­te Glied­ma­ßen, um dich­te stei­le Unter­holz und Ente unter nied­ri­gen Zwei­gen. Die Wald­ge­rü­che sind der wil­de Strauß der Natur: ver­rot­ten­de Blät­ter, Kie­fer, Zeder und die fri­sches­te Luft, die Nata­lie seit lan­gem ein­ge­at­met hat. Baum­frö­sche tril­len in der Fer­ne, Krä­hen kau­en über dem Kopf, und Spat­zen schar­ten durch ein Bal­da­chin aus dunk­len und durch­schei­nen­den Blät­tern. Ein biss­chen zu oft, Flie­gen buz­zern ihr Gesicht ärgerlich.

Hin und wie­der hört John auf, auf Nata­lie zu war­ten, um auf­zu­ho­len. “Nicht gera­de ein Spa­zier­gang ent­lang der Fifth Ave­nue, oder?”

“Ich bin okay. Ich brauch­te eine Veränderung.”

Bald wird das Gelän­de fel­sig und zer­klüf­te­ter. Es gibt weni­ger Bäu­me, wenn die Höhe zunimmt. Sie win­den sich durch fel­si­ge Böschun­gen und bah­nen sich ihren Weg nach oben. Kurz bevor sie den Hügel bestei­gen, kommt ein brei­tes Tal inSicht. Der Gip­fel wird von einer gro­ßen Fels­bö­schung gekrönt, die das Tal überblickt.

“Die Aus­sicht ist am bes­ten von dort oben”, sagt John mit Blick auf die Spit­ze der Böschung. “Ich wer­de Ihnen nachfolgen.”

Er beob­ach­tet, wie sie zu klet­tern beginnt, klei­ne Leis­ten zu fin­den, auf denen sie höher tre­ten kann, und greift über die Gren­zen, an denen sie sich fest­hal­ten kann. Er sieht kei­nen FKK-Kol­le­gen mehr, kei­nen Stu­den­ten, kei­nen Yoga-Enthu­si­as­ten mehr; er sieht eine schö­ne Frau, die er in sei­nem Leben will. Wenn sich sei­ne Augen in die Schat­ten ihres Hin­tern­ris­ses ver­schie­ben, sieht er eine Frau, die er hal­ten und lie­ben will.

Nackt wandern und klettern
Nackt wan­dern und klettern

Er hat­te den groß­teil der Woche damit ver­bracht, dar­über nach­zu­den­ken, was er ihr auf die­ser Rei­se sagen will, wie man es sagt, wie man es auf­bringt. Es macht ihn ner­vös, dar­über nach­zu­den­ken. Es besteht kein Zwei­fel, dass sie enge, inti­me Freun­de gewor­den sind, aber wird sie sehen, dass ihre Freund­schaft zu einer roman­ti­schen Bezie­hung wird?

Sie sit­zen augen­blick­chen spä­ter auf der Böschung und bli­cken über das Tal, ein Pan­ora­ma aus grü­nem Laub und brau­nen Erdtönen.

“Schön, nicht wahr?”, sagt er.

“Ich lie­be es. Wir haben ein Ter­rain wie die­ses in Mis­sou­ri. Frü­her bin ich in den Girl Scouts wan­dern gegangen.”

Er schaut sie an. “Es ist schwer, dich als Girl Scout vorzustellen.”

“Es ist lan­ge her, und ein ande­res Leben.”

“War­um hast du Mis­sou­ri verlassen?”

“Oh, meh­re­re Grün­de, den­ke ich. Wenn ich geblie­ben wäre, hät­te ich wahr­schein­lich einen ein­hei­mi­schen Kerl ken­nen­ge­lernt, jung gehei­ra­tet und nicht aufs Col­le­ge gegan­gen. Ich hät­te drei Kin­der gehabt, als ich fünf­und­zwan­zig war. Ich war nicht bereit dafür. Ich brauch­te eine Her­aus­for­de­rung, ein Abenteuer.”

“War­um New York?”

Nata­lie lächelt. “Frank Sina­tra es song New York, New York. Der Text. Wenn ich es dort schaf­fen kann, wer­de ich es über­all schaf­fen. Sie schaut ihn an. Der Rest ist Geschichte.”

Sein Blick ver­schiebt sich zurück ins Tal. “Sieht so aus, als ob ich Frank Sina­tra Dank­bar­keit schulde.”

Sie sind drei­ßig Minu­ten spä­ter wie­der im Lager.

“Hast du heiß zurück­ge­lau­fen?” Nata­lie fragt.

“Ja, das habe ich getan. Und ich weiß, wie man das behebt.” Er greift nach ihrer Hand und führt sie zum Bach, indem er ing­wer­ly ins Was­ser tritt.

“Mein Gott, die­ses Was­ser ist kalt!”, quietscht sie, nach­dem sie einen Fuß hin­ein­ge­legt hat.

“Man gewöhnt sich ziem­lich schnell dar­an”, ver­si­chert er ihr.

Sie tre­ten in die Mit­te des Baches, wo das Was­ser nur über einem Fuß tief ist, und um ihre Unter­schen­kel her­um­rau­schen. Johan­nes setzt sich und das Was­ser fließt um sei­nen Bauch.

“Wie kannst du das aus­hal­ten?”, will sie wissen.

“Ich ver­spre­che, dass es dich abküh­len wird.”

Sie schaut auf das Was­ser, das an ihr vor­bei­wir­belt, senkt sich lang­sam, ange­spannt, als das eisi­ge Was­ser ihren Hin­tern berührt.

“Sie wis­sen, dass Ath­le­ten in Eis­wan­nen sit­zen, um ihre Mus­keln zu konditionieren.”

“Sind Yogis-Ath­le­ten?”

“Natür­lich. Vie­le Ath­le­ten sind nicht so fle­xi­bel wie wir.” Sei­ne Augen fal­len. Ihre Brust­war­zen sind zu fes­ten Gip­feln ange­schwol­len. Er schaut auf. “Du bist so ver­dammt schön.”

Ihre Brust zieht her­ein, wäh­rend die Luft aus ihrer Lun­ge rauscht, erleich­tert sagt er Din­ge, die sie begeh­rens­wert machen. Sie wür­de das Kom­pli­ment zurück­ge­ben, ist sich aber nicht sicher, wie Män­ner ger­ne als wun­der­schön bezeich­net werden.

“Hat Emi­ly mit dir gecampt?”

“Ja. Es war, bevor ich die­sen Park aus­pro­biert habe. Jetzt ist die­ser mein Favorit.”

Nata­lie schaut auf das Was­ser, das um sie her­um fließt. Es ist etwas Erfreu­li­ches, die ein­zi­ge Frau zu sein, die er jemals hier­her gebracht hat. Sie erkennt, dass sie sich dem kal­ten Was­ser ange­passt hat; es fühlt sich tat­säch­lich erfri­schend an. Sie rennt ihre Hän­de über ihre Ober­schen­kel und dann ihre nas­sen Hän­de über bauch und Brüs­te. Wie­der ein­mal bil­den ihre Brust­war­zen klei­ne Beu­len und stei­gen in enge Gip­fel auf.

“Du hast mir gesagt, dass du am ers­ten Tag in dei­ne Woh­nung gekom­men bin, um ein­mal in die Kir­che zu gehen, um zu heiraten.”

“Ja. Nur einmal.”

“Das heißt, Sie möch­ten eines Tages heiraten.”

“Ja. Ich will nicht allein alt wer­den. Aber ich wer­de, wenn der rich­ti­ge Mann mich nicht bit­tet, ihn zu heiraten.”

“Wer ist der rich­ti­ge Mann?”, fragt er.

Sie schaut ihn an. “Was meinst du?”

“Muss er reich oder hübsch sein, jung, alt, berühmt?”

“Nichts davon, not­wen­di­ger­wei­se. Er hat einen Sinn für Humor. Er ist loy­al, ehr­lich. Er küm­mert sich um men­schen­be­hielt und genießt es, sein Leben zu leben. Er ist nach­denk­lich und opti­mis­tisch. Er ist nicht urtei­lend. Er ist stolz dar­auf, dass sei­ne Frau die Din­ge allein voll­bringt, nicht dadurch bedroht. Er ist unab­hän­gig und blickt in die Zukunft. Er hat die Fähig­keit, jeman­den zutiefst zu lieben.”

John wen­det sei­nen Blick von ihr ab, hebt die Knie aus dem Was­ser und wickelt sei­ne Arme um sie.

Nata­lie schaut ihn einen Moment an und fragt sich, ob er merkt, dass sie ihn gera­de beschrie­ben hat. “Wol­len Sie eines Tages wie­der heiraten?”

“Mehr als Du weißt. Zuerst dach­te ich, ich woll­te jeman­den wie Emi­ly fin­den, jeman­den, der sie ersetzt. Aber das war Teil der Trau­er. Es ist über­haupt nicht das, was ich will. Sie haben gera­de die Frau beschrie­ben, die ich hei­ra­ten möchte.”

Sie sit­zen für ein paar Augen­bli­cke still und bli­cken auf die Land­schaft fluss­auf­wärts und den umlie­gen­den Wald, geba­det vom küh­len Was­ser und der Stil­le. Bäu­me schwan­ken sanft auf einer fast nicht nach­weis­ba­ren Bri­se. Vogel­ge­zwit­scher bricht gele­gent­lich die Stil­le. Hin und wie­der blo­ckiert eine vor­bei­zie­hen­de Wol­ke die Sonne.

“Ich bin so froh, dass du mich gebe­ten hast zu kommen.”

“Ich bin froh, dass du es wolltest.”

“Haben Sie über das gesell­schaft­li­che Ereig­nis im Stu­dio nachgedacht?”

“Ja. Was wür­den Sie über Sams­tag­abend­den­ken denken?”

“Sicher. Da ich sams­tags nicht arbei­te, könn­te ich Ihnen hel­fen, es ein­zu­rich­ten. Ich den­ke, die Leu­te wer­den sich woh­ler füh­len und mehr Spaß haben, wenn sie sich kennenlernen.”

“Ich den­ke auch. Las­sen Sie uns für eine Woche ab dem nächs­ten Sams­tag schie­ßen. Ich wer­de im Stu­dio einen Hin­weis pos­ten und die Par­ty zu Beginn jeder Klas­se vor­stel­len. Eine Deckungs­ge­bühr von fünf Dol­lar soll­te Erfri­schun­gen abdecken.”

“Das ist ein Schnäppchen.”

“Haben Sie Ihren Kind­le mit­ge­bracht”, fragt John.

“Ja. Gera­de einen neu­en Roman bestellt.”

“Ich habe das Buch mit­ge­bracht, das ich ange­fan­gen habe. Cam­ping­aus­flü­ge sind gut, um Ihre Lek­tü­re nachzuholen.”

“Bereit, raus­zu­kom­men?”, fragt sie.

“Ja.”

Sie ste­hen und machen sich auf den Weg zurück zur Bank. John schaut auf sich selbst her­ab, wenn sie aus dem Bach tre­ten. “Jeez. Die­ses kal­te Was­ser ließ mich wie ein zehn­jäh­ri­ger Jun­ge aussehen.”

Ihre Augen fol­gen dem, was er sieht; sie lächelt. “Man sieht kaum aus wie ein zehn­jäh­ri­ger Junge.”

“Es schrumpf­te.” Er schaut sie an. “Ich war erleich­tert, dass ein gro­ßer Penis nicht auf Ihrer Lis­te von Qua­li­tä­ten war, die Sie in einem Mann wollen.”

Ihre Augen bewe­gen sich auf den grü­nen Boden und reflek­tie­ren pri­va­te Gedan­ken. Was mein­te er damit? Er muss ihre Kri­te­ri­en für einen Ehe­mann erfül­len wol­len; hof­fent­lich so viel, wie sie sei­ne für eine Frau tref­fen will.

“Das ein­zi­ge Mal, dass du mich an einen zehn­jäh­ri­gen Jun­gen erin­nert hast, war, als du all das Zeug in mei­ner Woh­nung aus dei­nen Taschen gegra­ben hast.”

“Wir brau­chen es nicht wirk­lich, aber man muss zuge­ben, dass es cool ist.”

“Sehen Sie, was ich meine?”

“Okay, du hast mich.”

Er gräbt sei­nen Roman aus dem Ruck­sack, setzt sich an den Fuß eines Bau­mes und legt sich mit dem Rücken dage­gen. Sie nimmt ihren Kind­le aus ihrem Rei­se­kof­fer und sitzt neben sei­nen Beinen.

“Den­ken Sie dar­an, wenn ich mei­nen Kopf auf Ihr Bein lege?”, fragt sie.

Er schüt­telt den Kopf. Sie lehnt sich zurück, legt ihren Kopf auf sein Bein. Er hält das Buch in sei­ner lin­ken Hand und lässt sei­ne Augen in aller Ruhe auf sie bli­cken. Ihr Haar ist auf sei­nem Ober­schen­kel aus­ge­brei­tet. Ihre Brüs­te haben sich auf ihrer Brust abge­flacht. Ihre Knie sind ange­ho­ben und läs­sig aus­ein­an­der gestreut. Unter ihrem kon­ka­ven Bauch erhebt sich ihr pro­mi­nen­ter Scham­hü­gel an der Spit­ze ihrer Bei­ne und deu­tet auf die weib­li­chen Nuan­cen hin, die er nicht sehen kann.

Irgend­wann kehrt er sei­nen Fokus auf das Buch zurück und beginnt zu lesen. Zwan­zig Minu­ten spä­ter bewegt sich sein Unter­arm und kommt über ihre Brüs­te zur Ruhe. Sie neigt ihren Kopf, um ihn anzu­schau­en. Das Buch hin­ge­gen liegt auf dem Boden, noch in der Hand. Sein Kopf ist seit­lich geneigt. Er schläft.

Als John eine Stun­de spä­ter auf­wacht, hat er sei­nen Arm bewegt. Er wuss­te nicht, dass es über Nata­lies Brust lag. Sein Start weck­te sie. Sie schaut auf und sieht ihn auf ihr Gesicht star­ren. Ein ver­schla­fe­nes Lächeln for­miert sich auf ihrem Gesicht, dann setzt sie sich auf und streckt die Arme.

“Es sieht so aus, als ob wir etwas Ruhe brau­chen”, sagt sie.

“Und jetzt brau­che ich einen Busch”, sagt er und kommt auf die Bei­ne. Er tritt hin­ter ein Gebüsch am Ran­de der Lich­tung mit dem Rücken zu ihr. Sie kann hören, wie sein Pin­keln auf den Blät­tern plätschert.

“Bereit für ein Chi­li?”, fragt er und tritt zurück in die Lich­tung. Ein Trop­fen tropft vom Ende sei­nes Penis.

“Sagen Sie mir ein­fach, wie ich hel­fen kann.”

“Sam­mel eini­ge der toten Äste die hier her­um­lie­gen. Ich wer­de einen Platz für das Feu­er räumen.”

Weni­ge Minu­ten spä­ter lässt er die Blät­ter mit­ten im Lager auf nack­te Erde zer­krat­zen und bil­det einen gro­ßen Kreis. Nata­lie hat Stö­cke und klei­ne Glied­ma­ßen mit einer Arm­län­ge davon gesta­pelt. Er zer­legt die grö­ße­ren Glied­ma­ßen in klei­ne­re Stü­cke und macht einen Hau­fen in der Mit­te des Krei­ses. Nach­dem er Streich­höl­zer aus dem Ruck­sack geholt hat, hat er bald ein gesun­des Feu­er, umge­ben von so vie­len Stei­nen, die er fin­den konnte.

Aus dem Ruck­sack nimmt er eine Dose Chi­li und ein Set Alu­mi­ni­um-Koch­ge­schirr für Cam­ping. Es ist leicht und geni­al zu einem Bün­del gefes­tigt, in dem alle Stü­cke zusam­men nis­ten. Zer­legt haben die Cam­per zwei Tel­ler, einen Topf mit Deckel, eine klei­ne Pfan­ne mit abnehm­ba­rem Griff und Geschirr. Die Kaf­fee­kan­ne und die Tas­sen sind getrennt.

Er öff­net die Dose, gießt die Chi­li in den Topf und legt sie auf drei stra­te­gisch plat­zier­te Stei­ne über dem Feu­er. Als nächs­tes holt er Was­ser aus dem Bach für Kaffee.

“Ich trin­ke immer die­ses Was­ser”, sagt er und misst fri­schen Kaf­fee in die Kaf­fee­kan­ne. “Nie­mals hat­te es nega­ti­ve Auswirkungen.”

Sie sit­zen ein­an­der gegen­über, um zu essen, die Bei­ne gefaltet.

“Wir wer­den bereit sein für ein gutes Restau­rant, wenn wir wie­der in die Stadt kommen.”

Nata­lie scheut eine Flie­ge weg. “Das ist nicht schlecht.”

Er reicht ihr eine Plas­tik­tü­te mit klei­nen Stü­cken knusp­ri­gen Knob­lauch­toasts. “Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass dein Freund Pat da sitzt.”

Sie lacht. “Oder Gus.” Sie beißt ein Stück Toast ab.

“Wir sind nicht weit von einem der Trails ent­fernt. Mor­gen kön­nen wir auf eine Wan­de­rung zu einem See gehen, der hier in der Nähe ist. Tol­le Land­schaft. Kla­res kal­tes Was­ser. Schwim­men ist fantastisch.”

“Okay.”

“Du kannst dein Hemd tra­gen und ich tra­ge mei­ne Shorts, nur für den Fall.”

Mit dem Essen fragt sie: “Wasche ich das Geschirr im Bach?”

“Ja.”

Er sprüht auf mehr Insek­ten­schutz­mit­tel und beob­ach­tet, wie sie das Geschirr an den Rand des Baches trägt und am Was­ser hockt, um sie zu waschen. Er geht hin­über und setzt sich hin­ter sie. Die Gerich­te wer­den bald abspült und auf dem Boden sitzend.

Sie dreht sich um und fragt: “Was denkst du darüber?”

“Du.”

Es scheint eine Bot­schaft in sei­nen Augen zu sein, aber sie wird nicht zufäl­lig, sie falsch zu interpretieren.

“Das ist es, wor­über ich die gan­ze Zeit nach­den­ke: du.”

Sie starrt ihn einen Moment an. “John… ist es nicht offen­sicht­lich, wie ich über dich fühle?”

Er schließt die Augen und atmet tief ein.

“Als wir im Strom saßen, bist du der Mann, den ich beschrie­ben habe.”

Sei­ne Augen öff­nen sich. “Nata­lie, ich lie­be dich. Ich möch­te den Rest mei­nes Lebens mit dir ver­brin­gen. Jedes Mal, wenn ich dich anschaue, will ich dich ein­fach halten.”

Ihr Herz schlägt sofort schnell. Sie kann nicht anders, als zu bemer­ken, dass sein Penis fast auf­recht ist, nach außen zeigt, was ihre eige­ne Kör­per­che­mie beein­flusst. Sie bewegt sich vor­wärts, stä­t­riert sich mit den Hän­den auf dem Boden und bürs­tet ihre Lip­pen über ihn. Er legt sei­ne Hän­de auf ihren Kopf. Die Lieb­ko­sung ent­wi­ckelt sich zu einem Kuss, luxu­ri­ös und lei­den­schaft­lich. Für Nata­lie ist es der glor­reichs­te Moment, den sie je erlebt hat. Für Johan­nes ist sein Herz nicht mehr leer.

Sie schaut ihn einen Moment an. “Ich bin seit die­ser ers­ten Ses­si­on auf der Ter­ras­se in dich ver­liebt. Dann habe ich her­aus­ge­fun­den, wie sich Lie­be wirk­lich anfühlt. Aber sie wuss­ten schon, wie es sich anfühlt.”

Er zieht einen Atem­zug durch sei­ne Nasen­lö­cher. “Ja, das wuss­te ich schon. Emi­ly war mein Leben für vie­le Jah­re, und lan­ge nach­dem sie starb. Mit der Zeit beweg­te sie sich von mei­nem Her­zen zu einer Erin­ne­rung. Sie ist mei­ne gan­ze Ver­gan­gen­heit, aber das ist, wo sie jetzt ist. Die Ver­gan­gen­heit. Mein Herz ist schon lan­ge leer.” Er wen­det sich an sie. “Willst du mich heiraten?”

“Bald, wenn wir nach New York zurück­kom­men, wenn man so will.”

“Sol­len wir in Ihrer Woh­nung oder in mei­ner Woh­nung leben?”

“Ist mir egal”, ant­wor­tet sie.

“Ihr hat mehr Platz und die­se tol­le Terrasse.”

“Ja, und es wird in acht Jah­ren bezahlt wer­den. Außer­dem habe ich dort schon eini­ge Erin­ne­run­gen dabei.”

“Ich auch. Ich wer­de mei­nen Platz vermieten.”

Nach einem lan­gen Blick, der ihre gegen­sei­ti­gen Gefüh­le wider­spie­gelt, legt sie sich in die Blät­ter neben sich, zieht die Knie hoch und trennt ihre Bei­ne. Eine sol­che Ein­la­dung kann nicht kla­rer in den Köp­fen eines Man­nes regis­trie­ren. Er bewegt sich zwi­schen ihren Bei­nen auf den Knien mit einer vol­len Erek­ti­on. Sein Gewicht senkt sich über sie, kommt auf sei­nen Ellen­bo­gen zur Ruhe, und ein Mann und eine Frau machen ihren ers­ten Schritt auf dem lan­gen Weg ins Hohe Alter.

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