Was ist dein nackter Körper?

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Er ist weni­ger, als wir den­ken. Er ist viel mehr, als wir wis­sen. Er ist das, was wir sind, aber er ist es nicht. Betrach­te die tie­fe­re Wirk­lich­keit des Kör­pers mit dem bud­dhis­ti­schen Leh­rer Nor­man Fischer.

Wir den­ken die gan­ze Zeit über unse­ren Kör­per nach. Wie sieht er aus? Wie ist sein Gesund­heits­zu­stand? Altern sie? Sind sie aus­rei­chend stark, attrak­tiv, beein­dru­ckend? Die­se Fra­gen lösen einen schier end­lo­sen Strom von Gedan­ken, Gefüh­len und Aus­ga­ben aus. Denk an all die Klei­dung, Schön­heits­pro­duk­te, Lebens­mit­tel, Acces­soires, Bücher, Gerä­te, The­ra­peu­ten, Gesund­heits­pro­duk­te, Body­wor­ker und so wei­ter, die einen so gro­ßen Teil unse­rer Wirt­schaft ausmachen.

Alles hängt von unse­rem Kör­per ab. Ohne ihn sind wir buch­stäb­lich nichts. Tran­szen­den­te Kon­zep­te wie Bewusst­sein, See­le, höhe­res Selbst, Bud­dha­na­tur – sind das sinn­vol­le Rea­li­tä­ten oder nur hoff­nungs­vol­le Wor­te? Und was auch immer sie sind, wie könn­ten sie unab­hän­gig von einem Kör­per existieren?

Der Körper ist wichtig. Doch was ist er?

Wir neh­men den Kör­per als völ­lig selbst­ver­ständ­lich hin, genau­so wie den Him­mel und die Erde. Doch genau wie sie ist der Kör­per viel mehr, als wir wis­sen. Das, was wir für unse­ren Kör­per hal­ten – was wir füh­len, uns vor­stel­len und von ihm träu­men, was wir gedan­ken­los anneh­men – ist nicht das, was der Kör­per wirk­lich ist.

Der Kör­per ist mehr als der Kör­per, und unse­re Gefüh­le ihm gegen­über gehen tie­fer, als wir wis­sen kön­nen. Der Kör­per, wie er wirk­lich ist, ist für uns rätselhaft.

Wir neh­men an, dass wir wis­sen, was der Kör­per ist. Aber schon weni­ge Augen­bli­cke der Unter­su­chung brin­gen mehr Frag­men­tie­rung und Unsi­cher­heit als Klarheit.

Wel­ches Selbst gibt es, das nicht der Kör­per ist? Doch wo ist das Selbst, das einen Kör­per besitzt, den es sein Eigen nen­nen kann? Wer, außer­halb des Kör­pers, spricht die Wor­te “mein Kör­per” aus? Ohne Zun­ge, ohne Gehirn, kann ich die Wor­te nicht ein­mal aussprechen.

Frag dich selbst: Aus wel­cher Per­spek­ti­ve betrach­test du dei­nen Kör­per? Von innen, wenn du aus den Augen dei­nes Kör­pers schaust, oder von außen, wenn du ihn in einem Spie­gel betrach­test? Aber wie ist es mög­lich, dass der Kör­per sich selbst gegen­über äußer­lich ist? Nein, das kann nicht sein. Der Kör­per muss in der Erfah­rung des Sehens ent­hal­ten sein, also muss das, was du siehst und “mei­nen Kör­per” nennst, etwas ande­res sein.

Ist der Kör­per der Fluss sei­ner Sin­nes­er­fah­run­gen – Sehen, Hören, Schme­cken, Rie­chen, Tast­sinn? Ein genaue­rer Blick offen­bart auch hier Pro­ble­me. Wo ent­steht ein Geruch oder ein Geschmack? In der Nase, auf der Zun­ge? In den Din­gen, die gero­chen oder geschmeckt wer­den? Im Gehirn? In allen auf einmal?

Und wie sieht es mit dem Bewusst­sein aus, dem sub­stanz­lo­sen, schein­bar nicht-phy­si­schen Pro­zess, durch den wir alles, was wir erle­ben, erfah­ren? Ist das Bewusst­sein inner­halb oder außer­halb des Kör­pers? Wenn es inner­halb ist, wie kön­nen wir dann sagen, dass es “mein” Kör­per ist? Es gibt nie­man­den außer­halb, der “mein” sagen könn­te. Aber wenn das Bewusst­sein außer­halb des Kör­pers ist … nein, das kann nicht stimmen!

Doch das Bewusst­sein ist die Grund­la­ge dafür, dass wir uns über­haupt als Per­son erle­ben. Ohne Bewusst­sein gäbe es kei­nen Geruch oder Geschmack – und kei­nen Kör­per. Es kann Fleisch ohne Bewusst­sein geben, aber ein leben­di­ger mensch­li­cher Kör­per, wie wir ihn ver­ste­hen, ist sich bewusst, dass er ein Kör­per ist.

Die bud­dhis­ti­schen Leh­ren über die Funk­ti­ons­wei­se des Geis­tes, Abhi­d­har­ma genannt, leh­ren uns, dass es kei­nen Kör­per an sich gibt, son­dern nur eine Viel­zahl von momen­ta­nen geis­ti­gen Ereig­nis­sen, von denen wir eini­ge für “kör­per­lich” hal­ten, obwohl sie es nicht sind. Wenn ich Schmer­zen in mei­nem rech­ten Bein spü­re, so die Abhi­d­har­ma-Ana­ly­se, ist die­se Emp­fin­dung ein geis­ti­ges Ereig­nis, das im Bewusst­sein ent­steht, wenn ein Objekt, das ich als Bein bezeich­ne, inne­re Sen­so­ren akti­viert, die das Bewusst­sein auf eine bestimm­te Wei­se erwe­cken. Genau­so sind Sehen, Hören und alle ande­ren Sin­nes­wahr­neh­mun­gen geis­ti­ge Ereig­nis­se, die durch schein­bar phy­si­sche Objek­te aus­ge­löst werden.

Die moder­ne Kogni­ti­ons­wis­sen­schaft stimmt dem zu. Alle Erfah­run­gen ent­ste­hen, wenn das Bewusst­sein durch ein Sin­nes­or­gan akti­viert wird, das auf ein inne­res oder äuße­res Objekt trifft. (In die­sem Zusam­men­hang funk­tio­niert der Ver­stand selbst wie ein sechs­tes Sin­nes­or­gan in Bezug auf Gefüh­le und Gedan­ken.) Wir neh­men an, dass wir das Objekt, das das Ereig­nis aus­ge­löst hat, in unse­rem Bewusst­sein “erle­ben”. Die Wahr­heit ist jedoch, dass wir nur die Erfah­rung selbst über­prü­fen kön­nen, auch wenn wir sie falsch ver­ste­hen. So ist es auch mit der Vor­stel­lung vom Kör­per. Es ist eine Vor­stel­lung, die auf unge­recht­fer­tig­ten Annah­men über die Kohä­renz unse­rer bewuss­ten Erfah­rung beruht.

In der bud­dhis­ti­schen Ana­ly­se gibt es also kei­nen Kör­per. Was es gibt, ist eine Form (rupa) – eine Art illu­so­ri­sche Erschei­nung, die soli­de zu sein scheint und die eine Grund­la­ge für Erfah­run­gen bil­det, die wir als kör­per­lich bezeich­nen. In Wirk­lich­keit han­delt es sich aber nur um einen kon­ti­nu­ier­li­chen Fluss von momen­ta­nen bewuss­ten Ereignissen.

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Den­noch ist unse­re Vor­stel­lung, dass wir einen Kör­per haben, mäch­tig. Abge­se­hen von der Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on unse­rer per­sön­li­chen Erfah­run­gen wird die Vor­stel­lung vom Kör­per durch den gesell­schaft­li­chen Dis­kurs ver­stärkt, mit dem wir alle auf­ge­wach­sen sind und der die Tat­sa­che, dass wir einen Kör­per “haben”, als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­setzt. unser gesam­tes Sprach­sys­tem basiert auf der Meta­pher des Kör­pers (die mehr als alles ande­re eine Meta­pher ist). Die meis­ten unse­rer Gefüh­le und all­täg­li­chen Vor­stel­lun­gen über unser Leben beru­hen auf der Meta­pher des Kör­pers, ein Gedan­ke, der so grund­le­gend für uns ist, dass wir gar nicht wis­sen, wie wir ihn in Fra­ge stel­len sollen.

Die Geschich­te besagt, dass Bud­dha in der Nacht sei­ner Erleuch­tung von den Mäch­ten Maras, des Bösen, heim­ge­sucht wur­de, der ent­schlos­sen war, Bud­dha am Erwa­chen zu hin­dern. Die meis­ten von Maras ver­hee­ren­den und spek­ta­ku­lä­ren Dar­bie­tun­gen von Hoff­nun­gen und Ängs­ten hat­ten mit dem Kör­per zu tun, ent­we­der mit sinn­li­chen Ver­lo­ckun­gen oder der Andro­hung von kör­per­li­chen Schä­den. Als Mara erklär­te, dass die vie­len bedroh­li­chen Scher­gen, die hin­ter ihm auf­ge­reiht waren, sei­ne Armee sei­en, rief er trot­zig: “Wo ist dei­ne Armee, oh Bud­dha?” Dar­auf­hin berühr­te der Bud­dha den Boden und sag­te: “Die Erde ist mein Zeu­ge und mei­ne Stütze.

Indem er die Erde berühr­te, rief der Bud­dha nicht nur die Erd­göt­tin als sei­ne Beschüt­ze­rin an. Er sag­te damit, dass die Erde mein Kör­per ist. Mein Kör­per drückt die Erde aus, wird von der Erde erzeugt und unter­stützt und besteht aus­schließ­lich aus Erd­ele­men­ten. Nichts auf der Erde, egal wie beängs­ti­gend, kann die­sen unzer­stör­ba­ren Erd­kör­per bedro­hen. Selbst wenn er in eine Mil­li­on Stü­cke zer­bro­chen wird, bleibt er bestehen und kehrt zu sei­ner Mut­ter zurück, die ihn gebo­ren hat, die ihn jetzt umarmt und immer umar­men wird.

Mit die­ser Ges­te der Wahr­heit, der Zuge­hö­rig­keit und der ulti­ma­ti­ven Unver­wund­bar­keit, die aus der Hin­ga­be an und der Iden­ti­tät mit der Erde ent­stand, drück­te Bud­dha sei­ne abso­lu­te Furcht­lo­sig­keit aus und besieg­te damit Mara. Danach ent­fal­te­te sich sei­ne Erleuchtung.

Und genau das trifft auf uns alle zu. Auch unse­re Kör­per sind die Erde. Er ent­springt ihr und wird von ihr genährt, gespeist und erleuch­tet. Unse­re Kör­per ste­hen in stän­di­gem Kon­takt mit der Erde und keh­ren zur Erde zurück, von der sie sich nie getrennt haben.

Unse­re mensch­li­chen Kör­per sind Aus­druck der schöp­fe­ri­schen Kraft der Erde. Alles, was das mensch­li­che Leben aus­macht – Atmung, Essen, Aus­schei­dung, Wahr­neh­mung, Gefühl, Spra­che – geschieht nur im Zusam­men­spiel mit der Erde. kein Gedan­ke wür­de jemals ohne die vor­he­ri­ge Exis­tenz der Erde statt­fin­den. Ohne Luft, Was­ser, Feu­er, Raum und Erde wäre kein Gedan­ke denk­bar. Selbst unse­re abs­trak­tes­ten Ideen, wie Frei­heit, Gerech­tig­keit und Glück, sind nicht mehr und nicht weni­ger als der Drang der Erde, der Gedan­ke an Wind, Him­mel, Was­ser und Licht. Nichts, was wir den­ken oder tun, könn­te jemals tief­grün­di­ger oder wah­rer sein als die­se natür­li­chen Ele­men­te, die buch­stäb­lich nicht mehr und nicht weni­ger sind als unser eige­ner Körper.

Der Maha­ya­na-Bud­dhis­mus war eine phi­lo­so­phi­sche und emo­tio­na­le Reak­ti­on auf die frü­he­ren, nüch­ter­nen Leh­ren des Bud­dhis­mus, in denen der Kör­per oft als absto­ßend und als Quel­le der Anhaf­tung bezeich­net wur­de. Im Maha­ya­na-Den­ken wird der Kör­per als sol­cher behaup­tet und gefei­ert. Er wird durch Kunst und Glau­ben in den Bodhi­satt­va-Kör­per, den Bud­dha-Kör­per, den per­fek­ten, ewig schö­nen Kör­per ver­wan­delt, der im irdi­schen Kör­per der Ver­gäng­lich­keit und des Ver­falls ver­bor­gen ist.

Der Bud­dha der Maha­ya­na-Sutras hat drei Kör­per: den Dhar­ma­ka­ya oder Wahr­heits­kör­per, maß­los, all­um­fas­send und voll­kom­men, jen­seits von Wahr­neh­mung und Vor­stel­lung; den Sambho­ga­ka­ya oder Genuss­kör­per, den gerei­nig­ten Wahr­neh­mungs­kör­per der per­fek­ten Medi­ta­ti­on und Leh­re; und schließ­lich den Nir­ma­n­a­ka­ya, den ver­gäng­li­chen his­to­ri­schen Kör­per, der in unse­rer Welt erscheint, um die welt­li­chen Wesen zu leh­ren. In der Zen-Leh­re ist es unum­stöß­lich, dass der gewöhn­li­che mensch­li­che Kör­per, der in der Medi­ta­ti­ons­pra­xis erreicht wer­den kann, selbst jen­seits des mensch­li­chen Kör­pers liegt, wie er nor­ma­ler­wei­se ver­stan­den wird. Der “Wah­re Kör­per”, wie Dogen sagt, “geht weit über den Staub der Welt hin­aus” oder, wie Haku­in es in sei­nem Zazen-Lied aus­drückt, “Die­ser Kör­per ist der Kör­per des Buddha”.

Der tat­säch­li­che bio­lo­gi­sche mensch­li­che Kör­per ist (wie wir jeden Tag mehr und mehr ent­de­cken) eine wun­der­ba­re und unend­lich kom­ple­xe Erschei­nung. Drei­hun­dert Jah­re medi­zi­ni­sche Wis­sen­schaft haben immer noch nur an der Ober­flä­che sei­ner immensen Funk­ti­ons­wei­se gekratzt. Das Gehirn zum Bei­spiel: Wie kann es alles so per­fekt regeln, sich an alle mög­li­chen Even­tua­li­tä­ten anpas­sen und Gedan­ken, lite­ra­ri­sche Wer­ke, Wol­ken­krat­zer, Städ­te, sozia­le Sys­te­me und so wei­ter pro­du­zie­ren? Das Herz, die Lun­ge. Zel­len, DNA. Das enor­me Wis­sen und die kom­ple­xe Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bewe­gung, die in jedem mensch­li­chen Kör­per schein­bar mühe­los abläuft: gehen, lau­fen, sprin­gen, schrei­en, sin­gen, Kla­vier spie­len. Im mensch­li­chen Kör­per gibt es 25.000 Mei­len Blut­ge­fä­ße. Anein­an­der­ge­reiht wür­den sie bis zum Mond rei­chen. Das Blut fließt unauf­hör­lich durch sie und ver­sorgt jedes ein­zel­ne Organ des Kör­pers mit Nähr­stof­fen. Der tat­säch­lich funk­tio­nie­ren­de mensch­li­che Kör­per ist ein Wun­der­werk. Kei­ner hat ihn her­ge­stellt. Es gibt kei­ne Paten­te für ihn. Nie­mand weiß, woher er kommt oder wie er genau her­ge­stellt wird. Und das Bewusst­sein, das mit ihm ver­bun­den ist, das Bewusst­sein, das in der Lage ist, sich selbst zu erken­nen? Davon haben wir kei­nen blas­sen Schimmer.

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Der Körper ist wichtig. Doch was ist er?
Der Kör­per ist wich­tig. Doch was ist er?

Bei der Body-Scan-Medi­ta­ti­on, die durch Jon Kabat-Zinns Medi­ta­ti­ons­kurs zur acht­sam­keits­ba­sier­ten Stress­re­du­zie­rung bekannt wur­de, lie­gen die Teilnehmer/innen auf dem Boden, wäh­rend ein/e Ausbilder/in fünf­und­vier­zig Minu­ten lang detail­lier­te Acht­sam­keits­übun­gen durch­führt, die die Auf­merk­sam­keit auf ver­schie­de­ne Kör­per­tei­le von Kopf bis Fuß len­ken sol­len. Allein die detail­lier­te Acht­sam­keit auf den Kör­per hat eine hei­len­de Wir­kung. Kei­ner weiß, warum.

Die Zen-Medi­ta­ti­on, vor allem in der Soto-Schu­le, ist eine Kör­per­pra­xis, ein Pro­zess, bei dem die Auf­merk­sam­keit auf die Details des Kör­pers gerich­tet wird. Wenn du in der Zen-Medi­ta­ti­on unter­rich­tet wirst, beginnt die Lek­ti­on in der Regel mit einer Anwei­sung, wie du in die Hal­le gehst, um dei­nen Platz ein­zu­neh­men: Du sollst vor­sich­tig gehen, auf jeden Schritt ach­ten, dei­ne Hän­de in einer bestimm­ten Posi­ti­on hal­ten und dei­nen Kör­per auf­rich­ten. Dann wirst du ange­wie­sen, dich sorg­fäl­tig vor dem Medi­ta­ti­ons­kis­sen zu ver­beu­gen (die Form der Ver­beu­gung wird dir eben­falls genau erklärt), dich zu set­zen und dei­ne Hal­tung sorg­fäl­tig ein­zu­neh­men. Dei­ne Wir­bel­säu­le soll­te auf­recht sein, dein Kinn nach hin­ten gezo­gen und dei­ne Hän­de sanft zu einem Mudra gefal­tet – die Dau­men­spit­zen berüh­ren sich gera­de, die Hand­flä­chen sind gebo­gen. Die Atmung soll­te gleich­mä­ßig, natür­lich und tief im Bauch sein.

All die­se kör­per­li­chen Details ste­hen im Mit­tel­punkt des Sit­zens – nicht eine Leh­re oder ein spi­ri­tu­el­les The­ma. Der Fokus der Medi­ta­ti­on liegt ein­fach auf der Erfah­rung des Kör­pers selbst. Wenn die Auf­merk­sam­keit abschweift, ist das in Ord­nung, solan­ge der/die Prak­ti­zie­ren­de sich voll und ganz dar­auf kon­zen­triert, zum Gefühl des sit­zen­den Kör­pers und der Bewe­gung des Atems zurück­zu­keh­ren. Wie beim Kör­per­scan liegt auch in die­ser ein­fa­chen Übung ein unheim­li­cher Zau­ber. Sich immer wie­der auf den Kör­per und den Atem zu besin­nen – im Lau­fe einer Sit­zung oder vie­ler Sit­zun­gen, über Jah­re, Jahr­zehn­te, ein gan­zes Leben lang – unter­bricht den gewohn­ten Fluss des Den­kens, der auf der Annah­me eines getrenn­ten Selbst in einem ein­heit­li­chen Kör­per beruht. Sobald die­ser Fluss unter­bro­chen wird und das Bewusst­sein zum Fluss der geleb­ten Erfah­rung im gegen­wär­ti­gen Moment des Lebens zurück­kehrt (ein Moment, in dem alles gleich­zei­tig auf­taucht und ver­schwin­det und sowohl da als auch nicht da zu sein scheint), fühlt sich das Leben anders an. Der Kör­per scheint nicht mehr der Kör­per an sich zu sein. Irgend­wie wird der Kör­per im Bewusst­sein des Lebens­pro­zes­ses mehr, als er ist. Er wird iden­tisch mit dem Bewusst­sein, und es gibt weder einen Anfang noch ein Ende.

Nach der Sitz­pra­xis kehrt das nor­ma­le All­tags­le­ben in den Kör­per zurück. Aber es gibt eine Leich­tig­keit, die mit dem Gefühl ein­her­geht, zumin­dest vor­über­ge­hend von der Enge dei­nes klei­nen Lebens in einem ver­letz­li­chen Kör­per befreit zu sein. Du fühlst dich viel­leicht “ruhi­ger”, aber das Gefühl ist mehr als nur ruhig. Es ist das Gefühl der Rea­li­tät – das Gefühl, zumin­dest für eine Wei­le die stres­si­ge Unwirk­lich­keit des täg­li­chen Lebens ver­las­sen zu haben und einen grö­ße­ren Raum zu betre­ten. Das ist beru­hi­gend. Und wenn du ein Leben lang übst, wird die­se vor­über­ge­hen­de Erleich­te­rung mehr als nur vor­über­ge­hend. Das Gefühl, dass der Kör­per mehr ist als der Kör­per, und dass dein Leben mehr ist als dein Leben, wird zu einer Über­zeu­gung und einem ruhi­gen Ver­trau­en in den Kör­per selbst und damit auch in den Geist.

Eines der tiefs­ten The­men der west­li­chen Phi­lo­so­phie, ange­fan­gen bei Pla­ton, ist, dass die Welt der Erschei­nun­gen nicht real ist. Die Auf­ga­be des Intel­lekts, sei­ne spi­ri­tu­el­le Auf­ga­be, bestand also dar­in, uns über die­se kor­rup­te phy­si­sche Welt hin­aus in eine ver­voll­komm­ne­te Welt der nicht-mate­ri­el­len Form zu füh­ren, die rein men­tal oder spi­ri­tu­ell ist. Jahr­hun­dert, als die Phä­no­me­no­lo­gie, viel­leicht auch unter dem Ein­fluss des Bud­dhis­mus, der nie eine Tren­nung von Geist und Kör­per kann­te, begann, die­sen Gedan­ken auf­zu­bre­chen. In unse­rer von der Erde bedroh­ten Zeit, in der wir über das zukünf­ti­ge Wohl­erge­hen unse­res Pla­ne­ten nach­den­ken und uns dar­um küm­mern müs­sen, ist es ange­bracht, dass wir begin­nen, die Wahr­heit zu ler­nen und umzu­set­zen, die schon immer in unse­re Haut ein­gra­viert war: dass Kör­per, Geist, See­le und Erde ein ein­zi­ger Aus­druck, ein ein­zi­ges Anlie­gen und eine ein­zi­ge Freu­de sind.

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