Ich habe Nacktyoga probiert – so war es

Es ist Mitt­woch­abend. Als ich mich für mei­nen Nack­tyo­ga Kurs fer­tig­ma­che, über­kom­men mich immer mehr Zwei­fel. Das Wit­zi­ge ist, dass ich mir ernst­haft Gedan­ken dar­über mache, was ich für den Nack­tyo­ga-Kurs anzie­hen soll. Mei­ne Wahl fällt auf eine schwar­ze Leg­gings, ein hell­blau­es T‑Shirt und eine Jeans­ja­cke. Auf dem Weg zu mei­nem ers­ten Nack­tyo­ga-Kurs möch­te ich gefühl­te 20 Mal umkehren.

Auf zum Nacktyoga Kurs

Am Ort des Gesche­hens ange­kom­men, fah­re ich mit dem Auf­zug nach oben, schließ­lich schwit­ze ich schon genug. Eine ca. 30-Jäh­ri­ge Frau betritt den Auf­zug mit mir. Sie sieht nor­mal aus und scheint kei­ne Spur ner­vös zu sein. Wir kom­men ins Gespräch und ich geste­he ihr, dass ich zum ers­ten Mal hier bin. Als wir das Stu­dio betre­ten, grüßt uns die Kurs­lei­te­rin mit offe­nen Armen. Für einen Moment bin ich erleich­tert. Dann fällt mein Blick auf min­des­tens vier älte­re Män­ner in Jeans und T‑Shirt. Natür­lich wuss­te ich, dass auch Män­ner anwe­send sein wür­den, den­noch beun­ru­higt mich der Gedanke.

Die Kurs­lei­te­rin zeigt mir, wo ich mei­ne Sachen abstel­len kann und fragt mich, ob ich die vor­de­re oder hin­te­re Rei­he bevor­zu­ge. Ich zucke mit den Schul­tern. „Egal“, sage ich. War das wirk­lich mei­ne Stim­me? Sie hört sich zwei Okta­ven höher an.

Ich set­ze mich, und es kommt mir vor, als ob ich die Ein­zi­ge bin, die beun­ru­higt ist. Ich tei­le mir den Kurs mit ca. 20 ande­ren Teil­neh­mern, mehr als die Hälf­te davon Män­ner zwi­schen 20 und 60 Jah­ren. Vie­le schei­nen regel­mä­ßig hier zu sein.

Ich set­ze mich inmit­ten zwei­er Män­ner in Busi­ness­klei­dung auf mei­ne Yoga­mat­te. Der Raum wird von einem schwa­chen fluo­res­zie­ren­den Licht beleuch­tet. Das Pär­chen hin­ter mir unter­hält sich ange­regt über ihre Arbeits­wo­che. Ich schlu­cke und ver­su­che, mei­ne Ner­vo­si­tät zu ver­ste­cken. Jetzt bloß nicht dar­an den­ken, dass mich gleich alle nackt sehen wer­den. Nicht nur nackt, son­dern in allen mög­li­chen gespreiz­ten Posen. Mist, ich woll­te doch locker blei­ben. Ich atme tief durch, um mich zu beru­hi­gen und zu ver­ges­sen, dass ich in ein paar Minu­ten jeden ein­zel­nen in die­sem Raum nackt sehen werde.

völlig nackt den Herabschauenden Hund im nackt yoga
Her­ab­schau­en­den Hund

Die Tat­sa­che, dass ich an einem Mitt­woch­abend nackt in einem Yogakurs gelan­det bin, zeugt davon, dass ich mich ger­ne für Din­ge anmel­de, die ich spä­ter bereue. Als ich mei­ner WG-Bewoh­ne­rin von mei­nem Vor­ha­ben erzähl­te, sag­te sie, dass der Gedan­ke allein aus­reicht, um sie ihn Panik zu ver­set­zen. Hät­te ich doch nur auf sie gehört! Die Vor­stel­lung, völ­lig nackt den Her­ab­schau­en­den Hund durch­zu­füh­ren, kam mir immer bizar­rer vor. Plötz­lich muss­te ich lachen. Der Herr rechts neben mir frag­te mich, ob alles in Ord­nung ist. Zum Glück räus­pert sich in die­sem Moment die Kurs­lei­te­rin.  Sie fängt an, uns die Regeln zu erklären.

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Regel Nummer 1 beim Nacktyoga: Nackt sein ist Pflicht.

Schei­ße, den­ke ich mir. Aber du kannst jetzt schlecht abhau­en. Was wür­den die ande­ren den­ken, wenn ich jetzt ein­fach aus dem Raum sprinte?

Ste­fa­nie (die Kurs­lei­te­rin) fährt damit fort, dass wir den Raum der ande­ren respek­tie­ren sol­len, dass der Kurs kein Platz für Nega­ti­vi­tät ist und dass star­ren nicht ger­ne gese­hen wird. Außer­dem Tabu: jeman­dem im Kurs nach sei­ner Tele­fon­num­mer zu fra­gen oder auf ein Date ein­zu­la­den. Ihr Ziel ist es, eine freund­li­che Atmo­sphä­re zu schaf­fen, in der sich nie­mand bedroht fühlt.

Nackt Yoga Pose des Kindes
Pose des Kindes

Zu mei­nem gro­ßen Erschre­cken gibt es sogar eine Regel über Erek­tio­nen. Dar­an hat­te ich bis­her noch gar nicht gedacht. Ste­fa­nie rät den anwe­sen­den Her­ren im Fal­le einer Erek­ti­on dazu, die Pose des Kin­des ein­zu­neh­men oder sich dis­kret mit gefal­te­ten Hän­den in den Schnei­der­sitz zu set­zen. Ich bin froh, dass sie das ange­spro­chen hat, aber #Hei­li­ge­Schei­ße­Was­MacheIch­Hier.

Ste­fa­nie been­det ihren kur­zen Vor­trag, und wenn ich es rich­tig mit­be­kom­men habe, fan­gen wir jetzt an. Tat­säch­lich, die ers­ten zie­hen sich schon aus. Hil­fe, ich will nicht die letz­te sein. Ich schlie­ße mei­ne Augen und zie­he mich trotz mei­nes star­ken Flucht­re­fle­xes aus. Als ich die Augen öff­ne, ver­mei­de ich es, mich umzu­se­hen. Den­noch sehe ich das ein oder ande­re Kör­per­teil, das ich lie­ber nicht sehen würde.

Ich ver­su­che mir vor­zu­stel­len, dass ich allein bin. Ich bli­cke ange­strengt auf die Wand vor mir und fol­ge Ste­fa­nies Anwei­sun­gen. Ihr Tipp „Kon­zen­triert euch auf etwas, das nichts mit nack­ten Kör­per­tei­len zu tun hat“, gefällt mir besonders.

Vor mei­nem Kurs­be­such hat­te ich ins­ge­heim gehofft, dass die Posen rela­tiv jugend­frei aus­fal­len wür­den … ein dickes fet­tes Nein. Auf Virab­hadra­sa­na I und II fol­gen die Baum-Pose, der Her­ab­schau­en­de Hund und sogar der ste­hen­de Spa­gat. Nichts und ich mei­ne nichts bleibt der Fan­ta­sie überlassen. 

Gegen Mit­te des Kur­ses fällt mir plötz­lich auf, dass mei­ne Unsi­cher­hei­ten ver­fol­gen sind. Es hat etwas Befrei­en­des. Ich bin von Men­schen umge­ben, die sich pudel­wohl in ihrer nak­ten Haut füh­len. Men­schen sind Men­schen und Kör­per sind auch nur Kör­per, auch wenn sie nackt sind.

Ich habe Nacktyoga probiert – so war es Nacktyoga-Kurs Nacktyoga
Svasa­na Nackt Yoga Pose

Wir been­den den Kurs in der Savasa­na-Pose. Das wars. Ich habe den Kurs über­lebt. Man­che fan­gen an, sich wie­der anzu­zie­hen, ande­re ste­hen noch nackt her­um und unter­hal­ten sich. Ich kann mei­ne Unter­wä­sche plötz­lich nicht schnell genug überstreifen.

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„War das dein ers­ter Nackt-Yogakurs?“, fragt mich jemand hin­ter mir. Zum Glück sind wir bei­de zu die­sem Zeit­punkt voll­stän­dig beklei­det. „Ja, hat man mir die Ner­vo­si­tät ange­se­hen?“, fra­ge ich. Er erzählt mir von sei­nem ers­ten Besuch und dass er seit­dem regel­mä­ßig hier­her kommt. Er erklärt mir, dass er neben sei­nen Kla­mot­ten auch sei­ne Unsi­cher­hei­ten abge­legt hat, und dass sich Yoga für ihn ohne die stö­ren­de, ein­engen­de Klei­dung natür­li­cher anfühlt. Die­ses Gefühl beschrei­ben auch ande­re Nackt-Yoga-Anhän­ger in diver­sen Online-Foren.

Hat Nackt-Yoga einen sexu­el­len Reiz? Jein. Es kommt auf die per­sön­li­che Ein­stel­lung an. Es lässt sich nicht aus­schlie­ßen, dass Nack­tyo­ga auch Span­ner anzieht. Falls jemand unan­ge­nehm auf­fällt, wird ihn der Kurs­lei­ter aller­dings rela­tiv schnell aus dem Kurs werfen.

Spielst du mit dem Gedan­ken, Nack­tyo­ga aus­zu­pro­bie­ren? Dann haben wir zum Abschluss ein paar gute Grün­de, war­um du den sprich­wört­li­chen Sprung ins Was­ser wagen solltest:

  • Nack­tyo­ga ver­bes­sert dein Kör­per­bild – du lernst, dich und dei­ne „Makel“ zu akzeptieren.
  • Nack­tyo­ga hilft dir dabei, dei­ne Ängst zu über­win­den – die ers­ten 10 Minu­ten sind schwer, aber wenn du dich erst­mal vor lau­ter Frem­den nackt vorn­über gebeugt hast, erkennst du, dass du alles schaf­fen kannst.
  • Nack­tyo­ga ver­leiht dir ein unbe­schreib­li­ches Gefühl der Freiheit.

Was hältst du vom Nack­tyo­ga-Trend? Wür­dest du dich trau­en? Mach doch erst ein­mal bei Elkes Nackt Yoga Stun­de mit und pro­bie­re aus wie Du es findest.

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1 thought on “Ich habe Nacktyoga probiert – so war es”

  1. Avatar

    sie schreibt, Nackt Yoga ver­bes­sert das eige­ne Körperbild,
    du “lernst, dich und dei­ne „Makel“ zu akzep­ti­ern” —- wie kann ech­te Lebens­freu­de über­haupt mög­lich wer­den, ohne sich rich­tig zu akzeptieren?

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