Alles was du über Tantra wissen wolltest

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Alles was du jemals über Tantra wissen wolltest

Alles (und wir mei­nen wirk­lich alles), was du jemals über Tan­tra wis­sen wolltest.

Es geht nicht nur um Ver­gnü­gen oder Sex. Tan­tra ver­spricht eine enge­re Ver­bin­dung mit dem Gött­li­chen durch tie­fe­re Inti­mi­tät mit ande­ren.
Rob und Kel­ly McK­ay sind in der­sel­ben klei­nen Stadt im Süden auf­ge­wach­sen. Sein Vater war beim Mili­tär, ihr Vater war Pfar­rer. Pflicht war in bei­den Haus­hal­ten ein wich­ti­ges Wort, das sich auf so ziem­lich alles bezog – auch auf Sex.

“Ich bin mit der Bot­schaft auf­ge­wach­sen, dass Sex eine Pflicht ist, die eine Frau für ihren Mann tut”, sagt Rob. “Das schien mir nicht ganz rich­tig, aber ich kann­te es nicht anders.”

“Lan­ge Zeit war ich mit unse­rem Sex­le­ben nicht zufrie­den”, gibt Kel­ly zu. (Namen und eini­ge bio­gra­fi­sche Details wur­den geän­dert, um die Pri­vat­sphä­re der Befrag­ten zu schüt­zen). “Wir haben immer noch so ziem­lich das wie­der­holt, was wir vor 25 Jah­ren gemacht haben, als wir noch uner­fah­re­ne Kin­der waren. Es gab nicht viel, was mir gefiel.”

Dann erfuhr Kel­ly von einem Freund von tan­tri­schen Sex­work­shops. Sie war nicht sofort von der Idee ange­tan, aber sie wuss­te, dass sie eine inti­me Bezie­hung mit Rob woll­te, die mehr Tie­fe als nur Pflicht hatte.

“Ich woll­te nicht nur Sex”, sagt sie. “Ich woll­te mich mit mei­nem Her­zen in einem lie­be­vol­len, sexu­el­len Akt ver­bin­den. Und ein Tan­tra-Semi­nar schien mir der per­fek­te Ort zu sein, um das zu lernen.”

Sie mel­de­te sie für einen Tan­tra Work­shop an.

Auf der Suche nach einer tieferen Verbindung

In der Ver­gan­gen­heit hät­ten Paa­re wie Rob und Kel­ly viel­leicht einen Ehe­be­ra­ter auf­ge­sucht, einen Sexu­althe­ra­peu­ten kon­sul­tiert oder die Arbeit der Sexu­al­for­scher Mas­ters und John­son gele­sen, um ihr Lie­bes­le­ben wie­der zu bele­ben. Aber immer mehr Paa­re (und auch Sin­gles) haben sich an Tan­tra-Work­shops gewandt, um mehr Lie­be und Lei­den­schaft in ihre Bezie­hun­gen zu bringen.

Die moder­ne Bewe­gung der “hei­li­gen Sexua­li­tät” schöpft ihre Inspi­ra­ti­on und Tech­ni­ken aus der glei­chen alten spi­ri­tu­el­len Tra­di­ti­on des indi­schen Sub­kon­ti­nents, aus der die meis­ten Prak­ti­ken stam­men, die wir heu­te als Hatha-Yoga ken­nen. Die Leh­ren der hei­li­gen Sexua­li­tät ent­hal­ten Ideen und Tech­ni­ken aus den Work­shops der Human-Poten­ti­al-Bewe­gung, die sich seit den 60er Jah­ren ent­wi­ckelt haben, aus vor­mo­der­nen tao­is­ti­schen und nah­öst­li­chen Sexu­al­leh­ren, aus den umfang­rei­chen indi­schen Tex­ten über die sexu­el­len Küns­te (ein­schließ­lich des berühm­ten Kama­su­tras) und aus der Mainstream-Sexualtherapie.

Nicht alle, die einen bewusst spi­ri­tu­el­len Ansatz für Sex suchen, sind durch sexu­el­le Unzu­frie­den­heit moti­viert. Rob und Kel­ly waren auf der Suche nach dem, was vie­le Paa­re in einem tan­tri­schen Work­shop suchen – ihre Bezie­hung neu zu bele­ben, ihre Inti­mi­tät zu ver­tie­fen und letzt­end­lich befrie­di­gen­de­ren Sex zu haben. Men­schen wie sie, die bereits ein zufrie­den­stel­len­des Sexu­al­le­ben haben, wün­schen sich viel­leicht eine Erfah­rung, die ihnen eine tie­fe­re Ver­bin­dung zuein­an­der ermöglicht.

Tantra - Auf der Suche nach einer tieferen sexuellen Verbindung
Tan­tra – Auf der Suche nach einer tie­fe­ren sexu­el­len Verbindung

Was ist Tantra?

Wenn man im Inter­net nach dem Wort “Tan­tra” sucht, stößt man auf Work­shops, Ein­zel­kur­se und sogar gan­ze Nack­tyo­ga und Tan­tra Fes­ti­vals, die genau das bie­ten, wonach Paa­re wie die McK­ays suchen: eine stär­ke­re inti­me Ver­bin­dung und tie­fe­res sinn­li­ches Ver­gnü­gen. Sie ver­spre­chen den Teil­neh­mern, sie in den Küns­ten des Lie­bes­spiels zu unter­rich­ten und ihnen Tech­ni­ken zu ver­mit­teln, die ihnen zu sexu­el­ler Inti­mi­tät verhelfen.

Wenn wir das Wort Tan­tra hören, reden wir nor­ma­ler­wei­se über tan­tri­schen Sex. Aber die­se “sexy” Sei­te des Tan­tra ist eine ver­west­lich­te und oft kom­mer­zia­li­sier­te Wei­ter­ent­wick­lung einer jahr­hun­der­te­al­ten Phi­lo­so­phie und Pra­xis, die in Asi­en ent­stan­den ist. Wäh­rend eini­ge der ursprüng­li­chen spi­ri­tu­el­len und ritu­el­len Prak­ti­ken Wege zu kör­per­li­chem Ver­gnü­gen und gestei­ger­tem Ver­lan­gen eröff­ne­ten, ging es beim Tan­tra ursprüng­lich dar­um, die Cha­k­ren zu erwe­cken und die ulti­ma­ti­ve Glück­se­lig­keit zu errei­chen: die Ver­bin­dung mit dem Göttlichen.

Jede Yoga­schu­le hat ihren eige­nen Pro­zess und ihre eige­ne Pra­xis, um spi­ri­tu­el­les Wachs­tum und Erkennt­nis zu erlan­gen und einen höhe­ren Seins­zu­stand zu errei­chen. Für die Tan­tri­kas, die Prak­ti­zie­ren­den des Tan­tra, war das Erwe­cken und Akti­vie­ren des Ver­lan­gens eines von vie­len Mit­teln, um die­se Glück­se­lig­keit jen­seits des phy­si­schen Kör­pers zu erreichen.

Yogi­sche Prak­ti­ken wer­den oft mit Rück­zug, Selbst­stu­di­um und nach innen gerich­te­ten Prak­ti­ken in Ver­bin­dung gebracht. Die Prak­ti­zie­ren­den suchen Stil­le und Ein­sam­keit, um Raum für das Gött­li­che zu schaf­fen. Tan­tra macht das Gegen­teil: Es ist ein Yoga der mensch­li­chen Ver­bin­dung. Die Pra­xis ver­spricht den Kon­takt mit dem Gött­li­chen durch eine zutiefst inti­me Ver­bin­dung mit dem anderen.

Charles Muir, ein lang­jäh­ri­ger Leh­rer tan­tri­scher Metho­den, sagt:

“Bezie­hung ist der ulti­ma­ti­ve Yoga. Wenn du in einer Bezie­hung bist, ist das ein Yoga, ein spi­ri­tu­el­ler Weg. Eine Bezie­hung bringt alle Lek­tio­nen her­vor, die du ler­nen musst.”

Charles Muir

Tan­tri­scher Sex nutzt also die sexu­el­le Ver­ei­ni­gung als Tor zur spi­ri­tu­el­len Erleuch­tung. Die Leh­ren behaup­ten, Sex und Spi­ri­tua­li­tät in einer tran­szen­den­ten Mischung zu ver­ei­nen, die sexu­el­le Bezie­hun­gen sowohl in kör­per­li­che Eksta­se als auch in einen Weg zu per­sön­li­chem Wachs­tum, Befrei­ung und Erleuch­tung ver­wan­deln kann.

Geschichte des Tantra

Tan­tra begann als Bewe­gung im Bud­dhis­mus und Hin­du­is­mus um 500 n. Chr. zu blü­hen und erreich­te sei­ne größ­te Blü­te 500 bis 700 Jah­re spä­ter. Sie for­der­te die reli­giö­se Ortho­do­xie und idea­lis­ti­sche Vor­stel­lun­gen von Rein­heit her­aus und ent­stand aus dem Drang der unte­ren Klas­sen, For­men der Ver­eh­rung ein­zu­for­dern, die nicht von den pries­ter­li­chen Kas­ten dik­tiert wurden.

Im Hin­du­is­mus rich­te­te sich Tan­tra gegen die vedi­schen Prak­ti­ken der Brah­ma­nen, die sich durch ihr strik­tes Fest­hal­ten an bestimm­ten, pflicht­ge­mäß aus­ge­führ­ten Ritua­len und Rein­heits­stan­dards von den unte­ren Kas­ten abgrenz­ten. In der bud­dhis­ti­schen Kul­tur “ent­stand es aus einer Pro­test­be­we­gung, die ursprüng­lich von Lai­en und nicht von Mön­chen und Non­nen getra­gen wur­de”, sagt Miran­da Shaw, Pro­fes­so­rin für Reli­gi­ons­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­ty of Rich­mond. Tan­tri­sche Prak­ti­ken kon­fron­tier­ten die Regeln und bra­chen sie manchmal.

Tantrischer Sex nutzt also die sexuelle Vereinigung als Tor zur spirituellen Erleuchtung
Tan­tri­scher Sex nutzt also die sexu­el­le Ver­ei­ni­gung als Tor zur spi­ri­tu­el­len Erleuchtung

Die Definition von Tantra

Das Wort “Tan­tra” stammt von einer Sans­krit-Wur­zel, die “weben” bedeu­tet, aber es kann auch “aus­spin­nen”, “aus­brei­ten” oder “aus­le­gen” bedeu­ten. Es kann das Zusam­men­we­ben von Tra­di­tio­nen zu einer ganz­heit­li­chen Pra­xis bedeu­ten. Die ers­ten Tan­tra-Prak­ti­zie­ren­den sahen es als ein umfas­sen­des Sys­tem zur Erwei­te­rung von Wis­sen und Weis­heit – um zu erken­nen, dass die gan­ze Welt ein ver­wo­be­nes Gan­zes ist.

Ansons­ten ist die Tan­tra-Pra­xis nicht leicht zu defi­nie­ren, weil sie eine so gro­ße, viel­fäl­ti­ge und manch­mal wider­sprüch­li­che Band­brei­te an Über­zeu­gun­gen und Akti­vi­tä­ten umfasst. Es gibt jedoch ein paar Aspek­te, die in den ver­schie­de­nen tan­tri­schen Denk­schu­len und phi­lo­so­phi­schen Per­spek­ti­ven ziem­lich ein­heit­lich sind.

  • Tan­tra kon­zen­triert sich auf die spi­ri­tu­el­le Frei­heit. Tan­tra ist eine Samm­lung von prak­ti­schen Tech­ni­ken, um Befrei­ung oder Erleuch­tung zu erlan­gen. Gavin Flood, Pro­fes­sor für Hin­du­is­tik und ver­glei­chen­de Reli­gi­ons­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Oxford, sagt: “Im Tan­tra geht es dar­um, durch Medi­ta­ti­on Befrei­ung und Macht zu erlan­gen.” Die Prak­ti­zie­ren­den befrei­ten sich von reli­giö­sen und gesell­schaft­li­chen Zwän­gen, die als not­wen­dig für eine “rich­ti­ge” Ver­bin­dung mit der gött­li­chen Macht ange­se­hen wurden.
  • Tan­tra ist frau­en­zen­triert. In der hin­du­is­ti­schen tan­tri­schen Sicht­wei­se ent­steht die Welt aus dem ero­ti­schen Tanz und der Ver­ei­ni­gung des gött­li­chen Man­nes (Shi­va) und der gött­li­chen Frau (Shak­ti). Shi­va pflanzt den Samen, aber Shak­ti lie­fert die akti­ve Ener­gie, die alles ins Leben ruft. Die gött­lich-weib­li­che Ener­gie ist in jedem Men­schen (ob männ­lich oder weib­lich) in Form der Kun­da­li­ni vor­han­den, der Schlan­ge­n­ener­gie, die sich schlum­mernd an der Basis der Wir­bel­säu­le win­det. Ein Groß­teil der tan­tri­schen Pra­xis kon­zen­triert sich dar­auf, die­se Ener­gie zu erwe­cken und zu kana­li­sie­ren. (Der tan­tri­sche Bud­dhis­mus sieht das männ­li­che Prin­zip als das akti­ve­re an, betont aber den­noch die Bedeu­tung der Frau­en und der weib­li­chen Ener­gie viel stär­ker als ande­re For­men des Buddhismus).
  • Tan­tri­kas stre­ben nach spi­ri­tu­el­ler Kraft. Bestimm­te Arten von Tan­tra beto­nen die Ent­wick­lung von Sid­dhis – ein Begriff, der ent­we­der “spi­ri­tu­el­le Voll­kom­men­heit” oder “über­na­tür­li­che Kraft” bedeu­ten kann. Tan­tra-Prak­ti­zie­ren­de, die zu ver­ste­hen begin­nen, wie die Welt mit­ein­an­der ver­wo­ben ist, ver­ste­hen, dass sie Macht über ihren eige­nen Kör­per haben und auch Macht über ande­re Aspek­te der phy­si­schen Welt erlan­gen kön­nen. Im Tan­tra wird der Kör­per als ein Mikro­kos­mos des gesam­ten Uni­ver­sums gesehen.

Tan­tra ist ein kom­ple­xes und manch­mal umstrit­te­nes Wis­sen, des­sen Ursprün­ge, Geschich­te und Pra­xis umstrit­ten sein kön­nen. “Es gibt sehr unter­schied­li­che tan­tri­sche Tex­te”, sagt die Medi­ta­ti­ons­leh­re­rin Sal­ly Kemp­ton, “und unter­schied­li­che phi­lo­so­phi­sche Posi­tio­nen, die von Tan­tri­kas oder Tan­tra-Prak­ti­zie­ren­den ver­tre­ten wer­den”. Ein Kern­aspekt der tan­tri­schen Phi­lo­so­phie, der im Wes­ten gelehrt wird, bleibt jedoch gleich: der Non­dua­lis­mus oder die Vor­stel­lung, dass die eige­ne wah­re Essenz (auch bekannt als das tran­szen­den­ta­le Selbst, das rei­ne Bewusst­sein oder das Gött­li­che) in jedem Teil­chen des Uni­ver­sums existiert.

Die Verkörperung zur Erleuchtung

Die indi­sche Spi­ri­tua­li­tät neigt dazu, die Welt als eine Illu­si­on und eine Fal­le zu betrach­ten. Sie weist Par­al­le­len zum jüdisch-christ­li­chen Den­ken auf und neigt zu einem Miss­trau­en gegen­über dem Kör­per und den Sin­nes­freu­den, die der Kör­per begehrt. Aber Tan­tra besteht dar­auf, dass jede natür­li­che Schöp­fung in der Welt die Mani­fes­ta­ti­on der Gött­lich­keit ist und daher alles und jede Erfah­rung poten­zi­ell hei­lig ist. Die­se Eigen­schaft des Tan­tra ist viel­leicht sein ent­schei­den­des Merk­mal: Anstatt den Kör­per und sei­ne Begier­den als etwas zu betrach­ten, das über­wun­den und gerei­nigt wer­den muss, sieht das Tan­tra den Kör­per als ein Mit­tel zur Erleuchtung.

Genera­tio­nen von Yogis haben mit Mög­lich­kei­ten expe­ri­men­tiert, ihren Kör­per so vor­zu­be­rei­ten, dass er die enor­me Ener­gie der erweck­ten Kun­da­li­ni tra­gen kann. Georg Feu­er­stein, ein bekann­ter Yoga­ge­lehr­ter und Prak­ti­zie­ren­der des tibe­ti­schen tan­tri­schen Bud­dhis­mus, sagt: “Hatha-Yoga ent­stand direkt aus dem Bestre­ben des Tan­tra, einen Kör­per zu schaf­fen, der voll­stän­dig unter der Kon­trol­le des Yogis steht.”

Im Tan­tra wird davon aus­ge­gan­gen, dass alles, was du tust und was du spürst – von Schmerz bis hin zu Ver­gnü­gen und allem, was dazwi­schen liegt – in Wirk­lich­keit eine Mani­fes­ta­ti­on des Gött­li­chen ist und ein Mit­tel sein kann, um dich dei­ner eige­nen Gött­lich­keit näher zu bringen.

“Im Tan­tra ist die Welt nicht etwas, vor dem man flie­hen oder das man über­win­den muss, son­dern selbst die bana­len oder schein­bar nega­ti­ven Ereig­nis­se des täg­li­chen Lebens sind in Wirk­lich­keit schön und ver­hei­ßungs­voll”, sagt der Grün­der von Pure Yoga, Rod Stry­ker, ein Leh­rer in der tan­tri­schen Tra­di­ti­on von Sri Vidya. “Anstatt nach Sama­dhi oder der Befrei­ung von der Welt zu suchen, lehrt Tan­tra, dass Befrei­ung in der Welt mög­lich ist.”

Wie ist Tantra also sexy geworden?
Wie ist Tan­tra also sexy geworden?

Wie ist Tantra also sexy geworden?

Eini­ge Gelehr­te und Lehrer/innen tra­di­tio­nel­ler tan­tri­scher Wege kri­ti­sie­ren, dass moder­ne, west­li­che Inter­pre­ta­tio­nen des Tan­tra wenig mit dem Tan­tra gemein haben, wie es über Jahr­hun­der­te in Indi­en, Nepal und Tibet prak­ti­ziert wur­de. Es stimmt, dass sich nur ein klei­ner Teil der tan­tri­schen Tex­te mit Sexua­li­tät beschäf­tigt. Die meis­ten kon­zen­trie­ren sich auf die Ver­wen­dung von Man­tras, die Ver­eh­rung von Gott­hei­ten und die Schaf­fung von visu­el­len Hilfs­mit­teln für die Meditation.

Die kon­ser­va­ti­ve­ren tan­tri­schen Grup­pen – die­je­ni­gen, die das so genann­te “rechts­hän­di­ge Tan­tra” prak­ti­zie­ren – ten­dier­ten in die­se Rich­tung, indem sie die sexu­ells­ten Prak­ti­ken auf ein Mini­mum redu­zier­ten und sie eher als spi­ri­tu­el­le Meta­phern denn als tat­säch­li­che ritu­el­le Prak­ti­ken verwendeten.

Links­hän­di­ge Tantriker/innen gin­gen in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Sie lehn­ten die tra­di­tio­nel­le indi­sche Ten­denz ab, Akti­vi­tä­ten und Erfah­run­gen ent­we­der als rein oder unrein zu kate­go­ri­sie­ren. Für sie waren alle Aspek­te des Lebens hei­lig; nichts war tabu. Sogar kör­per­li­che Erfah­run­gen konn­ten als Mit­tel zur Erleuch­tung genutzt werden.

Eini­ge tan­tri­sche Grup­pen trie­ben es auf die Spit­ze, was zu ihrer Zeit (und auch heu­te noch) als scho­ckie­rend gel­ten wür­de: Sie hiel­ten ihre Ritua­le in Lei­chen­hal­len ab, medi­tier­ten auf Lei­chen, beschmier­ten sich mit der Asche von Toten, aßen und tran­ken von Schä­deln, aßen Fleisch und Fisch und kon­su­mier­ten Aphro­di­sia­ka, Alko­hol und ande­re Dro­gen. Auch ritu­el­ler Geschlechts­ver­kehr war Teil die­ser Pra­xis – eine Mög­lich­keit, erhöh­te Ener­gien zu wecken, zu erfor­schen und zu bewe­gen. Tan­tri­kas erforsch­ten Sex nicht nur als Meta­pher, son­dern mach­ten ihn zu einer wich­ti­gen Akti­vi­tät auf ihrem spi­ri­tu­el­len Weg.

Um Angrif­fen aus dem Main­stream der indi­schen Kul­tur zu ent­ge­hen, blie­ben die­se radi­ka­len Prak­ti­zie­ren­den im Unter­grund. Auch heu­te noch sind eini­ge tan­tri­sche Prak­ti­ken in Geheim­nis­se gehüllt.

Tantra - Die Kunst der sexuellen Ekstase
Tan­tra – Die Kunst der sexu­el­len Ekstase

Wie Tantra in den Westen kam

Die Ver­öf­fent­li­chung von Mar­got Anands “Die Kunst der sexu­el­len Eksta­se” im Jahr 1989 gilt als ein bedeu­ten­der Moment, der Tan­tra in den Blick­punkt des kul­tu­rel­len Inter­es­ses rück­te. Aber schon Jahr­zehn­te bevor Anands Best­sel­ler Tan­tra zu einem Begriff mach­te, wur­de es von Eso­te­ri­kern und spi­ri­tu­ell Suchen­den praktiziert.

Tat­säch­lich schlug Tan­tra in Ame­ri­ka schon hun­dert Jah­re frü­her Wur­zeln, als Syl­va­is Hama­ti, ein vedi­scher Leh­rer aus Kolk­a­ta, einen Jun­gen aus Iowa als Schü­ler auf­nahm. Der Jun­ge, Pierre Ber­nard, wur­de der ers­te ame­ri­ka­ni­sche Tan­tri­ka, der Tan­tra in den USA ein­führ­te. Ber­nard stu­dier­te fast 20 Jah­re lang bei Hama­ti: Asa­na, Pra­na­ya­ma und Medi­ta­ti­on, aber auch Ethik, Psy­cho­lo­gie, Phi­lo­so­phie, Reli­gi­on und Wis­sen­schaft. Er wur­de auch in Sans­krit-Lite­ra­tur und “jedem maß­geb­li­chen Tan­tra-Yoga-Text” unter­rich­tet, wie es in Ber­nards Bio­gra­fie von Robert Love heißt.

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Als Ber­nard sei­ne Aus­bil­dung abge­schlos­sen hat­te, begann er zu unter­rich­ten und ent­wi­ckel­te eine Fan­ge­mein­de unter wohl­ha­ben­den Gön­nern aus der Ober­schicht, die sich sei­nem Tan­trik-Orden anschlos­sen und Gelüb­de der Geheim­hal­tung und Loya­li­tät ableg­ten. Aber die Hin­ga­be sei­ner Schüler/innen schütz­te ihn und die Grup­pe nicht vor Angrif­fen, Ver­fol­gung und Straf­ver­fol­gung. Ihre Ansich­ten stan­den weit außer­halb der Main­stream-Kul­tur der dama­li­gen Zeit.

Im Lau­fe der Zeit nutz­ten ande­re neu­gie­ri­ge Yoga­leh­rer und ‑füh­rer öst­li­che sexu­el­le und spi­ri­tu­el­le Tech­ni­ken und ver­misch­ten sie mit Ele­men­ten der west­li­chen Sex­olo­gie, Psy­cho­the­ra­pie und New-Age-Selbst­ver­än­de­rungs­tech­ni­ken, um Tan­tra zu der Form zu ent­wi­ckeln, die wir heu­te kennen.

Zu den bekann­tes­ten Leh­rern des west­li­chen Tan­tra gehö­ren der Yoga­leh­rer Charles Muir und sei­ne Frau Caro­li­ne, die maß­geb­lich an der Ver­mitt­lung die­ser Pra­xis betei­ligt waren. Nach sei­ner ers­ten Ehe begann Muir, sei­ne Bezie­hun­gen zu Frau­en zu über­den­ken und wur­de, wie er es aus­drückt, “mit den Leh­ren einer Rei­he bemer­kens­wer­ter Frau­en geseg­net”, die ihn in ihr Wis­sen über tan­tri­sche Sexua­li­tät ein­weih­ten. Er begann, die alten tan­tri­schen Tex­te zu stu­die­ren und die Leh­ren in sei­ne Nack­tyo­ga-Work­shops ein­zu­be­zie­hen. 1980 wech­sel­te Muir in Voll­zeit vom Hatha-Yoga-Leh­rer zum Leh­rer für tan­tri­sche Sexua­li­tät und lei­tet seit­dem Workshops.

Was du über Tantra-Workshops wissen solltest

Der ein­wö­chi­ge Work­shop, den Rob und Kel­ly McK­ay besuch­ten, wur­de von den Muirs gelei­tet. Er hieß “Die Kunst des bewuss­ten Lie­bens” und fand im Rio Cali­en­te Spa statt, etwa eine Stun­de außer­halb von Gua­da­la­ja­ra, Mexi­ko. In der ers­ten Nacht ver­sam­mel­ten sich neun Paa­re in einem Kreis. Tom, ein Psy­cho­lo­ge, und sei­ne Part­ne­rin Les­lie, eine Sozi­al­ar­bei­te­rin, sit­zen eng umschlungen. 

Stan und Liz, ein auf­ge­schlos­se­nes Paar von 67 Jah­ren aus Süd­ka­li­for­ni­en, plau­dern über ihre bevor­ste­hen­de Hoch­zeit. “Für uns bei­de ist es die zwei­te”, sagt Stan, “aber wir erzäh­len den Leu­ten, dass es unse­re ers­te rich­ti­ge Ehe ist.” Neben ihnen sit­zen Anja, eine Hei­le­rin aus Däne­mark, und ihre Part­ne­rin Mer­le ruhig und mit einem gelas­se­nen Lächeln. Im Gegen­satz dazu steht Kel­ly mit dem Rücken zu Rob, der sich zusam­men­kau­ert, als wol­le er so wenig Platz wie mög­lich einnehmen.

Zu den ande­ren Paa­ren gehö­ren ein pen­sio­nier­ter Regie­rungs­be­am­ter, der jetzt ehren­amt­lich arbei­tet, meh­re­re Unter­neh­mer, ein Archi­tekt, eine Sekre­tä­rin, eine Leh­re­rin, ein Buch­hal­ter und eine unver­hält­nis­mä­ßig gro­ße Anzahl von Hei­lern ver­schie­de­ner Art – von einem Arzt, der sich auf alternative/ergänzende Medi­zin spe­zia­li­siert hat, über einen Psy­cho­lo­gen und einen Sozi­al­ar­bei­ter bis hin zu einem Kunst­the­ra­peu­ten und vier Body­wor­kern / Energieheilern.

Es stellt sich her­aus, dass eini­ge von ihnen öst­li­chen spi­ri­tu­el­len Prak­ti­ken zuge­tan sind. Der Arzt prak­ti­ziert Zen. Anja lei­te­te 17 Jah­re lang eine Yoga­schu­le und danach eine Schu­le für eso­te­ri­sche Ener­gie­hei­lung. Mer­le, die eine Schu­le für Kör­per­ar­beit lei­tet, prak­ti­ziert seit eini­gen Jah­ren Vipassana-Meditation.

Die Grup­pe wirkt gedämpft und etwas ange­spannt, mit einer spür­ba­ren Unter­strö­mung ner­vö­ser Vor­freu­de. Im Gro­ßen und Gan­zen schei­nen die Paa­re jedoch eher zurück­hal­tend zu sein, wenn es dar­um geht, öffent­lich über ihr Sexu­al­le­ben zu spre­chen. Aber sie sind von so weit her wie Hawaii und Däne­mark ange­reist, haben mehr als 3.000 Dol­lar pro Paar (plus Flug­kos­ten) aus­ge­ge­ben und eine Woche ihrer Zeit geop­fert, um hier zu sein. Das bedeu­tet eine beträcht­li­che Inves­ti­ti­on von Zeit, Geld und Ener­gie in ihre Bezie­hun­gen – und in die Erfor­schung des Tantra.

“In die­ser Woche”, ver­spricht Caro­li­ne Muir, “wer­den wir ler­nen, wie wir Sex wie­der hei­lig machen können”.

Was du bei einem erotik Tantra-Workshop erwarten kannst
Was du bei einem Tan­tra-Work­shop erwar­ten kannst

Was du bei einem Tantra-Workshop erwarten kannst

Man­che Tantra-Work­shops ver­spre­chen “eine uralte und saf­ti­ge Pra­xis”, die die sexu­el­le Lust stei­gert. Ande­re ver­spre­chen, dass sie dir hel­fen, auf­ge­stau­te Emo­tio­nen los­zu­las­sen und zur Selbst­ver­wirk­li­chung zu kom­men. Vie­le Tan­tra-Retre­ats sind für Paa­re gedacht, ande­re kön­nen auch allei­ne durch­ge­führt wer­den. Eine Gemein­sam­keit ist die Frei­set­zung von Cha­kra-Ener­gie und das Ver­spre­chen, dass du in bes­se­ren Kon­takt mit dei­nem inne­ren Wesen kommst.

Charles Muir sagt, dass das Tan­tra, das er und Caro­li­ne unter­rich­ten, im Geis­te der alten Prak­ti­ken steht, auch wenn sei­ne äuße­re Form anders ist.

“Wir ver­su­chen, die schlum­mern­de Ener­gie der Cha­k­ren zu wecken und zu inte­grie­ren, genau wie im alten Indi­en”, sagt er. Aber er gibt bereit­wil­lig zu, dass das moder­ne west­li­che Tan­tra nicht unbe­dingt wie sei­ne alten Vor­läu­fer aus­sieht. Aber er weist dar­auf hin, dass “Tan­tra, genau wie Yoga, von Zeit zu Zeit immer wie­der neu gebo­ren wur­de, je nach den Bedürf­nis­sen der Men­schen zu die­ser Zeit”. Er ist der Mei­nung, dass sei­ne Ver­si­on des Tan­tra den wich­tigs­ten Bedürf­nis­sen unse­rer Zeit ent­spricht: die Wie­der­her­stel­lung einer ange­mes­se­nen Ehr­furcht vor der Frau und dem Weib­li­chen, die Suche nach einem geeig­ne­ten, wohl­tu­en­den Ven­til für die männ­li­che “Krie­ger­en­er­gie” und die Hei­lung der Kluft zwi­schen Män­nern und Frauen.

“Du brauchst nicht das gan­ze Drum­her­um der indi­schen Kul­tur und Phi­lo­so­phie, um die Vor­tei­le von Tan­tra zu erfah­ren”, sagt Muir.

Tantrischer Sex nach Vorschrift

Wenn du mehr über tan­tri­schen Sex erfah­ren und viel­leicht eini­ge Tech­ni­ken aus­pro­bie­ren möch­test, bevor du dich für einen Work­shop oder ein Retre­at ent­schei­dest, gibt es Dut­zen­de von Büchern zu die­sem Thema.

Bes­ser als Sexualkundeunterricht

Die Muirs stel­len die Sexu­al­erzie­hung – oder bes­ser gesagt, das Feh­len der­sel­ben -, die die meis­ten Men­schen im Wes­ten erhal­ten, der respekt­vol­le­ren, fei­er­li­che­ren und unver­krampf­ten Hal­tung gegen­über, die sie der alten indi­schen Kul­tur zuschreiben.

“Das meis­te, was wir über Inti­mi­tät wis­sen, ler­nen wir von den gro­ßen Quel­len der Weis­heit und Erfah­rung, der lie­ben alten Mama und dem lie­ben alten Papa”, sagt Charles. Aber es ist ein sol­ches Tabu­the­ma, dass vie­le Men­schen in ihren Fami­li­en nicht dar­über sprechen.

Außer­halb unse­res Zuhau­ses erhal­ten wir Infor­ma­tio­nen – oft Fehl­in­for­ma­tio­nen – aus dem Umklei­de­ka­bi­nen­ge­spräch und dem Geflüs­ter auf Pyja­ma­par­tys unter Gleich­alt­ri­gen. Wir neh­men auch sehr gemisch­te Bot­schaf­ten von Erwach­se­nen, reli­giö­sen Insti­tu­tio­nen und der Pop­kul­tur auf, z. B. aus Musik­tex­ten, Video­spie­len und Fern­seh­sen­dun­gen. “Wie kann man nicht ver­wirrt sein”, fragt Charles, “wenn einem gleich­zei­tig gesagt wird: ‘Sex ist schmut­zig’ und ‘Spar es dir für den, den du liebst’?”

Ins­ge­samt, so Charles, erhal­ten wir wenig Infor­ma­tio­nen über die mög­li­chen Freu­den der sexu­el­len Lie­be. Und unse­re Unwis­sen­heit lässt nicht nur unse­re inti­men Bezie­hun­gen im Stich, sie wird auch an unse­re Kin­der wei­ter­ge­ge­ben. Aus die­sem Grund for­dern die Muirs die Work­shop-Teil­neh­mer/in­nen auf, zu beden­ken, dass sie die­se Arbeit nicht nur zu ihrem eige­nen Vor­teil machen, son­dern auch, um ihren Kin­dern und Enkeln ein gesün­de­res sexu­el­les Erbe zu hinterlassen.

Feu­er­stein glaubt, dass Neo-Tan­tra – sein Begriff für west­li­che Ver­sio­nen des Tan­tra, die sich auf Sex und Bezie­hun­gen kon­zen­trie­ren – “Men­schen, die in einer Atmo­sphä­re auf­ge­wach­sen sind, die Ver­gnü­gen unter­drückt und ver­un­glimpft, viel Gutes tun kann” und dass “es eini­gen von denen, die über schuld­be­la­de­nen Puri­ta­nis­mus und kon­ven­tio­nel­le Sexua­li­tät hin­aus­ge­wach­sen sind, Sinn und Hoff­nung gibt”.

Tantrischer Sex Besser als Sexualkundeunterricht
Tan­tri­scher Sex Bes­ser als Sexualkundeunterricht

Frieden mit deiner sexuellen Vergangenheit schließen

Caro­li­ne Muir weist dar­auf hin, dass vie­le von uns die Sexua­li­tät im Erwach­se­nen­al­ter auch auf­grund von Inzest- oder ande­ren sexu­el­len Miss­brauchs­er­fah­run­gen in der Kind­heit und Jugend ange­hen. Wenn wir dann end­lich einen Part­ner für unse­re ers­ten sexu­el­len Erkun­dun­gen fin­den, tap­pen wir viel­leicht im Dun­keln und tref­fen auf Lieb­ha­ber, die genau­so schlecht infor­miert, unwis­send, ver­ängs­tigt und ver­narbt sind wie wir selbst.

“Die Men­schen kom­men mit allen mög­li­chen Pro­ble­men rund um ihre Sexua­li­tät zu mir”, sagt Les­lie Grace, Coach für Bewuss­te Sexua­li­tät. Sie arbei­tet mit Men­schen, die sexu­el­le Schmer­zen, Gefühl­lo­sig­keit oder Scham emp­fin­den, die Pro­ble­me mit dem Orgas­mus haben, die Schwie­rig­kei­ten haben, ihr Ver­lan­gen aus­zu­drü­cken, oder denen es an Lust man­gelt, aber auch mit denen, die sich eine inti­me­re Erfah­rung mit ihrem Part­ner wünschen.

Caro­li­ne ver­weist auf alte Kul­tu­ren, ins­be­son­de­re auf die indi­sche, als Vor­bild für eine gesün­de­re Ein­stel­lung. Sie weist dar­auf hin, dass die Inder die Sexua­li­tät als hei­li­ges Geschenk des Schöp­fers ver­ehr­ten, Sex sowohl als Sakra­ment als auch als Kunst­form betrach­te­ten, ihn in ihrer Kunst zele­brier­ten und ihren Kin­dern sei­ne Geheim­nis­se bei­brach­ten. Sex dien­te nicht nur dazu, zwei Lie­ben­de zu ver­bin­den, son­dern auch als Medi­ta­ti­on, durch die sich die Lie­ben­den mit der gött­li­chen Ener­gie des Uni­ver­sums ver­ei­nen konnten.

Geist, Körper und Energie miteinander verbinden

Im Muirs-Work­shop dis­ku­tie­ren und üben die Teilnehmer/innen drei mit­ein­an­der ver­wo­be­ne The­men: Stei­ge­rung von Ener­gie und Lust, Erhö­hung der Inti­mi­tät und Beru­hi­gung des Geistes.

“Wir ler­nen vie­le Tech­ni­ken, um die Ener­gie und das Ver­gnü­gen, das du in dei­nem Kör­per spürst, zu stei­gern”, sagt Charles. Vie­le der Tech­ni­ken sind das, was er als Wei­ßes Tan­tra bezeich­net – Übun­gen, die du allein durch­füh­ren kannst, wie Asa­nas, Pra­na­ya­ma und die Wie­der­ho­lung von Man­tras -, wäh­rend es sich bei ande­ren um Rotes Tan­tra han­delt – Übun­gen, bei denen du dei­ne Ener­gie mit der dei­nes Part­ners verbindest.

Rotes Tan­tra ist eine Form des Tan­tra, die auf die eksta­ti­sche Erfah­rung der sexu­el­len Ver­ei­ni­gung aus­ge­rich­tet ist: die gött­li­che Ver­ei­ni­gung des männ­li­chen und weib­li­chen Prin­zips. Es ist im Grun­de ein Weg, den du mit einem Part­ner prak­ti­zierst. Er wird als der Pfad der lin­ken (“unrei­nen”) Hand oder Vama Mar­ga bezeich­net. Die rote tan­tri­sche Pra­xis ist his­to­risch gese­hen ein wenig rebel­lisch. Sie beinhal­tet den ritu­el­len Gebrauch von Sub­stan­zen, die den brah­ma­ni­schen Pries­tern tra­di­tio­nell ver­bo­ten waren – Fleisch, Wein, Fisch, getrock­ne­te Kör­ner und sexu­el­le Vereinigung.

Rotes Tan­tra ist ein Pfad des Tan­tra, der vor allem für tan­tri­schen Sex bekannt ist. Rotes Tan­tra ist also in ers­ter Linie eine Pra­xis, die du mit (deinem/einer) Partner/in durch­führst. Rotes Tan­tra kon­zen­triert sich auf Sinn­lich­keit und Sexua­li­tät (unte­re Cha­k­ren). Aller­dings sind alle Cha­kras am Sexu­al­akt betei­ligt, der zum orgas­mi­schen Sein und zur Ver­bin­dung führt. Es gibt eine Ten­denz, dass rotes Tan­tra auch viel Lie­bes­spiel nicht nur mit dem eige­nen Part­ner, son­dern auch mit ande­ren Grup­pen­mit­glie­dern beinhal­tet (frei­er Sex).

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Charles erklärt, dass die Tech­ni­ken zur För­de­rung der Inti­mi­tät dar­auf abzie­len, die Fähig­keit der Lie­ben­den zu ver­bes­sern, die Ener­gie des ande­ren zu geben und zu emp­fan­gen. Er fügt hin­zu, dass die Work­shop-Teil­neh­mer/in­nen ent­de­cken wer­den, dass sie nicht ler­nen müs­sen, mehr zu tun; sie müs­sen sich ein­fach hin­ge­ben und sich erlau­ben, so zu sein, wie sie von Natur aus sind.

All die­se Tech­ni­ken gip­feln dar­in, den Geist zur Ruhe zu brin­gen, sagt er. Anstatt gewohn­heits­mä­ßig den den­ken­den Geist zu benut­zen, ler­nen die Schüler/innen, die Fähig­keit des Geis­tes zu kul­ti­vie­ren, völ­lig ruhig und emp­fäng­lich zu sein.

“Letzt­end­lich ist Tan­tra eine Medi­ta­ti­on”, sagt Charles. “In der Tat ist der Orgas­mus die ein­zi­ge uni­ver­sell geteil­te medi­ta­ti­ve Erfah­rung, die sich durch alle Kul­tu­ren zieht. Im Moment des Orgas­mus bist du nicht in dei­nem den­ken­den Gehirn, son­dern in dei­nem rezep­ti­ven Gehirn; wenn du völ­lig in der Gegen­wart auf­geht, kommst du in die Zeitlosigkeit.”

Rote Tantra Meditation ist der Orgasmus
Rote Tan­tra Medi­ta­ti­on ist der Orgasmus

Sinnlich, sexuell und praktisch

Wäh­rend der Woche ver­mit­teln die Muirs Infor­ma­tio­nen und Übun­gen, die aus­drück­lich sinn­lich und sexu­ell sind. Die Teilnehmer/innen erhal­ten eine Ein­füh­rung in Berüh­rung, Küs­sen und Oral­sex. Sie ler­nen, wie man den Atem ein­setzt, um den Orgas­mus zu inten­si­vie­ren und zu ver­län­gern, und wie man die Scham- und Steiß­bein­mus­keln stärkt, um die sexu­el­le Lust zu stei­gern.

Ein Kurs für Män­ner kon­zen­triert sich auf Metho­den zur Ver­zö­ge­rung, Ver­stär­kung und Ver­län­ge­rung des Orgas­mus. Anhand von Hand­pup­pen – einer über­gro­ßen, pel­zi­gen Yoni und einem Lingam (die Sans­krit-Bezeich­nun­gen für die weib­li­chen bzw. männ­li­chen Geni­ta­li­en) – zei­gen Charles und Caro­li­ne, wie man die Hän­de benutzt, um den Part­ner zu beglü­cken, wie man sich gegen­sei­tig befrie­digt, indem man den “Soft-On” des Man­nes anstel­le des “Hard-On” benutzt, und wie man Abwechs­lung in den Geschlechts­ver­kehr bringt, indem man die Geschwin­dig­keit, Tie­fe und den Win­kel der Pene­tra­ti­on verändert.

Die Muirs laden ihre Schüler/innen ein, sich um sie her­um zu ver­sam­meln und füh­ren ein anschau­li­ches (wenn auch voll­stän­dig beklei­de­tes) Semi­nar über sexu­el­le Stel­lun­gen durch. Sie zei­gen, wie man Kis­sen benutzt, um einen schmer­zen­den Rücken zu stüt­zen, und wie man anmu­tig von der Vor­der- über die Sei­ten- bis hin zur Rücken­la­ge und von der Frau auf dem Kopf zum Mann auf dem Kopf und wie­der zurück wech­selt, ohne den Kon­takt und die Inti­mi­tät zu verlieren.

Tantrisches Yoga & Atemarbeit

Charles und Caro­li­ne ver­brin­gen genau­so viel Zeit mit Tech­ni­ken, die weit weni­ger expli­zit sexu­ell sind. Fast jeden Tag füh­ren sie die Klas­se durch eine hal­be Stun­de oder mehr sanf­tes Hatha-Yoga.

Die Übun­gen wür­den für einen nor­ma­len Yoga­prak­ti­zie­ren­den kei­ne gro­ße kör­per­li­che Her­aus­for­de­rung dar­stel­len, aber das ist nicht der Fokus der Muirs. Statt­des­sen beto­nen sie, wie bei allen Yoga­tech­ni­ken, die sie unter­rich­ten, das Bewusst­sein für den sub­ti­len Ener­gie­kör­per und die Cha­kras. Alle Cha­k­ren, so Charles, ent­hal­ten schlum­mern­de Ener­gie, Bewusst­sein und Intel­li­genz, und die Tan­tra-Tech­ni­ken, die er lehrt, zie­len dar­auf ab, die­se laten­ten Ener­gien zu wecken und nutz­bar zu machen.

Er betont, dass es bei den Asa­nas nicht dar­um geht, eine bestimm­te Deh­nung oder äuße­re Form zu errei­chen, son­dern dar­um, “dei­nen Kör­per zu erken­nen und dich mit ihm zu ver­söh­nen, so wie er ist”.

“Die­se Asa­nas sind kei­ne Übun­gen”, sagt Caro­li­ne. “Sie sind Posen: hei­li­ge Geo­me­trien, um zu erwa­chen und sich der Ener­gie bewusst zu werden.

Die Akti­vi­tä­ten im Work­shop zie­len dar­auf ab, alle Sin­ne zu wecken. Die Grup­pe stimmt ver­schie­de­ne Bija-Man­tras an, hei­li­ge “Saat-Sil­ben”, deren Schwin­gung jedes Cha­kra erwe­cken soll. Sie visua­li­sie­ren Yan­tras, geo­me­tri­sche Dia­gram­me, die dem­sel­ben Zweck die­nen. Sie üben Mud­ras, kraft­vol­le Hand­ges­ten, die bestimm­te Ener­gie­strö­me erzeu­gen. Und sie unter­rich­ten Pra­na­ya­ma (Atem­tech­ni­ken), die von ein­fa­chen, vol­len Atem­zü­gen bis hin zu fort­ge­schrit­te­ne­ren Prak­ti­ken rei­chen, wie z.B. die Ver­wen­dung von Bandhas (ener­ge­ti­schen “Schlös­sern”), um die Ener­gie im Kör­per ein­zu­däm­men und zu erhö­hen, oder das Len­ken der Ener­gie in den Raum zwi­schen dem drit­ten Auge und dem Kro­nencha­kra durch die schnel­le, erzwun­ge­ne Aus­at­mung des “Feu­er­atems” (Kapalab­ha­ti).

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Sie lei­ten die Teil­neh­men­den an, mit einem Part­ner zu atmen. Zunächst üben die Kursteilnehmer/innen, ihre Ein- und Aus­at­mung ein­fach zu koor­di­nie­ren und zu har­mo­ni­sie­ren. Dann üben sie die gegen­sei­ti­ge Atmung, bei der jeder die Ener­gie des Part­ners ein­at­met, wäh­rend der Part­ner aus­at­met und umge­kehrt. Schließ­lich nut­zen sie den Atem, um ihre Kör­per in einem kreis­för­mi­gen Ener­gie­fluss mit­ein­an­der zu verbinden.

Die Tantra Teilnehmer/innen erhalten eine Einführung Oralsex
Die Tan­tra Teilnehmer/innen erhal­ten eine Ein­füh­rung Oralsex

Der heilige Ort

Im Mit­tel­punkt des Muirs-Work­shops steht die Pra­xis, die sie “Hei­li­ger Punkt-Mas­sa­ge” nen­nen. Bei die­sem inti­men Ritu­al, das jedes Paar in der Pri­vat­sphä­re sei­nes eige­nen Zim­mers durch­führt, ver­bringt ein Part­ner einen gan­zen Abend damit, dem ande­ren sei­ne lie­be­vol­le Prä­senz und Berüh­rung anzu­bie­ten, um alte Wun­den zu hei­len. Bei Hete­ro-Paa­ren erhal­ten die Frau­en die­se Auf­merk­sam­keit zuerst, damit sie sich ihrer vol­len sexu­el­len Kraft stär­ker öff­nen kön­nen. (Spä­ter in der Woche tau­schen die Paa­re dann die Rollen.)

Den Muirs zufol­ge basiert Tan­tra auf der Idee, dass die sexu­el­le Erre­gung und der Orgas­mus der Frau sie dazu befä­hi­gen, immer grö­ße­re Men­gen an Shak­ti, der Grund­en­er­gie des Uni­ver­sums, zu kana­li­sie­ren, die dann sowohl sie als auch ihr Part­ner anzap­fen können.

Män­ner hin­ge­gen haben einen begrenz­ten, weni­ger erneu­er­ba­ren Vor­rat an sexu­el­ler Ener­gie, der bei jedem Samen­er­guss auf­ge­braucht wird. Für Män­ner liegt der Schlüs­sel nicht so sehr dar­in, sich der sexu­el­len Ener­gie zu öff­nen, son­dern zu ler­nen, ein immer grö­ße­res Maß an Ener­gie und Eksta­se zu spei­chern und zu erle­ben, ohne sie durch eine Eja­ku­la­ti­on zu vergeuden.

“Das Wis­sen um das gren­zen­lo­se sexu­el­le Poten­zi­al von Frau­en ist in unse­rer Kul­tur ver­lo­ren gegan­gen”, sagt Caro­li­ne. Sie und Charles beto­nen nicht nur, dass alle Frau­en von Natur aus end­los mul­ti­or­gas­misch sind, son­dern auch, dass alle sowohl zu explo­si­ven kli­to­ra­len Orgas­men als auch zu tie­fe­ren, län­ge­ren, wel­len­för­mi­gen vagi­na­len Orgas­men fähig sind, die von einer weib­li­chen Eja­ku­la­ti­on beglei­tet wer­den können.

Ein Schlüs­sel zur voll­stän­di­gen Erwe­ckung der weib­li­chen Sexua­li­tät ist die lie­be­vol­le Mas­sa­ge des “hei­li­gen Punkts”, einer Regi­on hoch­sen­si­blen Gewe­bes, die sich etwa fünf Zen­ti­me­ter ober­halb der Vord­er­wand der Vagi­na befin­det (in der west­li­chen Sexu­al­wis­sen­schaft ist dies der “G‑Punkt”, benannt nach Ernst Gra­fen­berg, dem Gynä­ko­lo­gen, der ihn erst­mals in der west­li­chen medi­zi­ni­schen Lite­ra­tur beschrie­ben hat). Die Akti­vie­rung die­ses Punk­tes kann der Frau bis­her unbe­kann­te Freu­den bescheren.

Aber die Mas­sa­ge des hei­li­gen Punkts kann auch Erin­ne­run­gen an sexu­el­le Ver­wir­rung, Ver­drän­gung, Schmerz und Miss­brauch frei­set­zen. Sol­che Erin­ne­run­gen mögen ver­drängt sein, aber unser Kör­per trägt sie in sich – vor allem in den Gewe­ben um unser zwei­tes Cha­kra (die Geni­tal­re­gi­on), das im Tan­tra als Quel­le unse­rer Ener­gie gilt. Die Muirs glau­ben, dass der Schmerz, der mit die­sen Erin­ne­run­gen ver­bun­den ist, ange­spro­chen und los­ge­las­sen wer­den muss, bevor wir die gan­ze Freu­de der unge­hin­der­ten sexu­el­len Ener­gie erle­ben können.

Die Muirs beto­nen, dass die Mas­sa­ge des G‑Punkts nie­mals mit dem Ziel eines orgas­mi­schen Feu­er­werks durch­ge­führt wer­den soll­te, auch wenn das Auf­spü­ren und Mas­sie­ren des G‑Punkts dafür bekannt ist, die Frau in einen Rausch zu ver­set­zen. Statt­des­sen soll­te die G‑Punkt-Mas­sa­ge als ein Pro­zess betrach­tet wer­den, der ein Paar zu mehr Ver­letz­lich­keit, Ver­trau­en, Inti­mi­tät und Für­sor­ge einlädt.

“Orgas­men sind Teil eines natür­li­chen Ablaufs”, sagt Charles. “Jage nicht nach Orgas­men, son­dern lass sie Weg­wei­ser auf dem Weg zur sexu­el­len Ganz­heit sein.”

Erweckung der weiblichen Sexualität ist die liebevolle Massage des G-Punktes
Erwe­ckung der weib­li­chen Sexua­li­tät ist die lie­be­vol­le Mas­sa­ge des G‑Punktes

Männliche Heilenergie

Wenn Charles die Män­ner zu ihrem sepa­ra­ten Kurs abholt, kon­zen­triert er sich dar­auf, sie dar­auf vor­zu­be­rei­ten, als sexu­el­le Hei­ler zu die­nen. Zuerst trai­niert er jeden Mann, sei­ne Part­ne­rin zu ehren, indem er den gan­zen Abend zu einem Fest für ihre Sin­ne macht: Räumt das Zim­mer auf und deko­riert es. Mache ein Feu­er. Samm­le Blu­men. Schmü­cke dich. Berei­te ein beson­de­res Essen oder Getränk zu. Lass ein Bad ein­lau­fen. Gib ihr eine Mas­sa­ge. Dann, so rät er, sag ihr, was du an ihr am meis­ten schätzt und liebst. “Zöge­re nicht, Gott – was auch immer das für dich bedeu­tet – ins Schlaf­zim­mer ein­zu­la­den”, sagt Charles mit einem klei­nen Grin­sen, wäh­rend er sei­ne Poin­te setzt: “Das ergibt den bes­ten Drei­er!”

Vor allem aber berei­tet Charles jeden Mann dar­auf vor, sei­ner Part­ne­rin kon­zen­trier­te, lie­be­vol­le Auf­merk­sam­keit zu schen­ken – und bei jeder emo­tio­na­len Erfah­rung, die sie macht, prä­sent zu sein. “Ech­te Prä­senz ist viel wich­ti­ger als kör­per­li­che Tech­nik”, ver­si­chert er den Män­nern. “Geh aus dei­nem Kopf her­aus und in dein Herz hin­ein. Wenn schwie­ri­ge emo­tio­na­le Din­ge bei ihr auf­tau­chen, ist das nicht nur ihre Sache, son­dern es gehört euch beiden.”

Tantra für alle

Da sich Tan­tra tra­di­tio­nell auf den Aus­gleich der Yin- und Yang-Ener­gien kon­zen­triert, bezie­hen sich die alten Tex­te haupt­säch­lich auf männ­li­che und weib­li­che Ener­gien – und auf männ­li­che und weib­li­che Kör­per. Aber tan­tri­sche Tech­ni­ken kön­nen von Men­schen aus dem gesam­ten Spek­trum der Geschlechts­iden­ti­tät ange­wen­det werden.

“Jeder Mensch hat eini­ge männliche/masculine/yang Qua­li­tä­ten und jeder Mensch hat eini­ge weibliche/ feminine/yin Qua­li­tä­ten…. Sie zusam­men­zu­brin­gen und aus­zu­ba­lan­cie­ren, bevor wir Lie­be machen, ist kei­ne Übung, bei der es um das Geschlecht geht, son­dern viel­mehr ein Akt der inne­ren Balan­ce und Zen­trie­rung, der uns hilft, uns für tie­fe­re Inti­mi­tät zu öff­nen”, sagt Bar­ba­ra Car­rel­las, Autorin von Urban Tan­tra: Sac­red Sex for the 21st Cen­tu­ry.

Trans­se­xu­el­le und geschlechts­un­ty­pi­sche Men­schen sowie Men­schen mit den unter­schied­lichs­ten sexu­el­len Vor­lie­ben und Prak­ti­ken kön­nen sich auf Tan­tra ein­las­sen. Es gibt auch Tan­tra-Work­shops oder Ein­zel­sit­zun­gen für Men­schen aus dem Geschlech­ter­spek­trum, die sich für die Arbeit mit gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren interessieren.

Da es beim Tan­tra mehr dar­um geht, sich mit dei­nem Geist und Kör­per zu ver­bin­den, ist für die­se Pra­xis kein Part­ner erfor­der­lich. Du kannst die Tech­ni­ken zu dei­nem eige­nen Ver­gnü­gen praktizieren.

Beim intimen erotischen masturbation Tantra ist kein Partner erforderlich
Beim inti­men ero­ti­schen mas­tur­ba­ti­on Tan­tra ist kein Part­ner erforderlich

Mit tantrischer Energie arbeiten

Alle Prak­ti­ken und Übun­gen, an denen die Work­shop-Teil­neh­mer/in­nen teil­neh­men, sind Schrit­te zur Erwe­ckung der Kun­da­li­ni. “Es gibt Rei­ni­gungs- (Kri­ya) und Atem­tech­ni­ken (Pra­na­ya­ma), eini­ge Yogast­el­lun­gen (Asa­na) und Medi­ta­ti­on, die alle dazu die­nen, das inne­re Feu­er (Agni) des Prak­ti­zie­ren­den zu schü­ren und die Kun­da­li­ni zu befrei­en”, schreibt die Yoga­leh­re­rin Phil­li­pa Beck in Cul­tu­ral­ly Modi­fied. Die­se Schrit­te sind in der Hatha Yoga Pra­di­pi­ka beschrie­ben, einem tan­tri­schen Text aus dem 15.

Feu­er­stein erklärt, dass Adep­ten im tra­di­tio­nel­len indi­schen Tan­tra zuerst dar­an arbei­ten, das vier­te Cha­kra (das Herz) oder das sechs­te Cha­kra (das drit­te Auge, Sitz der intui­ti­ven Weis­heit) zu öff­nen. Die Öff­nung des zwei­ten Cha­kras – des Sexu­al­zen­trums – kommt spä­ter. “Erst wenn der Guru sicher war, dass der Adept eine rei­ne Absicht und eine star­ke Ener­gie­kon­trol­le hat­te, wur­de die enor­me Kraft der Sexua­li­tät ange­ru­fen”, sagt er.

Laut Stry­ker wur­den Mait­hu­na – die sexu­el­len Tech­ni­ken des lin­ken Pfa­des des Tan­tra – tra­di­tio­nell als Kata­ly­sa­to­ren zur Erwe­ckung der psy­chi­schen Ener­gie betrach­tet. Sie waren jedoch so mäch­tig, dass eini­ge Schu­len sie sogar als Abkür­zung zu grund­le­gen­de­ren Tech­ni­ken wie Asa­na und Pra­na­ya­ma betrach­te­ten. Aber die rech­ten Pfa­de, so Stry­ker, haben sexu­el­le Tech­ni­ken nie als Ersatz für die schritt­wei­se Anwen­dung von Asa­na, Pra­na­ya­ma und Medi­ta­ti­on gese­hen. Und er sagt, dass tan­tri­sche Sexuallehrer/innen ihren Schüler/innen bei­brin­gen müs­sen, dass kör­per­li­che Eksta­se nur ein Bruch­teil der Gaben des Tan­tra ist.

Stry­ker weist dar­auf hin, dass das Tan­tra, das er gelehrt wur­de, drei ver­schie­de­ne Stu­fen der Eksta­se beschreibt – die kör­per­li­che, die psy­chi­sche und die spi­ri­tu­el­le. Ohne die Anlei­tung eines erfah­re­nen Tan­tra-Gurus kön­nen Schüler/innen in die­ser ers­ten Stu­fe ste­cken bleiben.

Die viel­leicht größ­te Gefahr des Neo-Tan­tra besteht dar­in, dass die Prak­ti­zie­ren­den glau­ben, sie wür­den “spi­ri­tu­el­le” Erfah­run­gen machen, obwohl sie höchs­tens einen Schub an erhöh­ter Pra­na (Lebens­en­er­gie) oder eine ange­neh­me sinn­li­che Erfah­rung genie­ßen. Feu­er­stein befürch­tet, dass vie­le Neo-Tan­tra-Prak­ti­zie­ren­de durch die Ver­wechs­lung von kör­per­li­chem Ver­gnü­gen mit spi­ri­tu­el­ler Glück­se­lig­keit die tiefs­ten Beloh­nun­gen des Tan­tra ver­pas­sen – die Eksta­se der Vereinigung.

Erst in der zwei­ten Stu­fe der Eksta­se erlangt der/die Suchen­de nicht nur ein erhöh­tes Sin­nes­be­wusst­sein, son­dern auch die nöti­ge Ener­gie, um sein/ihr Leben zu ver­än­dern und sich auf ein Bewusst­sein des Geis­tes aus­zu­rich­ten. In der drit­ten Stu­fe, wenn der Suchen­de den Bewusst­seins­zu­stand, der mit jedem Cha­kra ver­bun­den ist, erweckt hat und den ent­spre­chen­den Zustand auf jede Situa­ti­on anwen­den kann, wird die Eksta­se konstant.

Mar­got Anand sagt: “Wenn du erst ein­mal dei­ne fünf Sin­ne geöff­net hast, wenn du alle Ebe­nen dei­nes Selbst in die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Leben gebracht hast, wirst du dich viel­leicht wie ver­wan­delt füh­len. Du wirst viel­leicht nie wie­der in ein Leben zurück­keh­ren wol­len, das kei­nen Raum für dei­ne Krea­ti­vi­tät, dei­ne Ver­spielt­heit und dei­ne Fähig­keit zur Freu­de lässt.”

Einen Tantra-Lehrer auswählen

Die Befür­wor­ter von Tan­tra, wie es für den west­li­chen Kon­sum adap­tiert wur­de, sind begeis­tert von sei­ner Fähig­keit, das Leben – und damit auch die Welt – zu ver­än­dern. Aber Enthu­si­as­mus ist kein Ersatz für Erfah­rung, Ethik und ein tie­fes Ver­ständ­nis für die Kraft der Ener­gie, die bewegt wird.

Georg Feu­er­stein zeigt sich besorgt dar­über, dass vie­le Neo-Tan­tra-Leh­rer/in­nen weder die tan­tri­schen Tex­te aus­rei­chend stu­diert haben, um die Tra­di­ti­on klar zu ver­ste­hen, noch eine “ange­mes­se­ne Ein­wei­hung durch einen kom­pe­ten­ten tan­tri­schen Guru” erhal­ten haben.

Feu­er­stein sagt, dass er nicht glaubt, dass die Lücken in der Aus­bil­dung west­li­cher Tan­tra-Leh­rer/in­nen die Schüler/innen in ernst­haf­te Gefahr brin­gen. “Solan­ge du nicht von einem ech­ten Guru unter­rich­tet wirst – also einem Leh­rer, der es geschafft hat, sei­ne eige­ne Shak­ti zu erhö­hen -, ist es unwahr­schein­lich, dass du gefähr­li­che Ener­gien auf­baust, die dich kör­per­lich oder geis­tig aus dem Gleich­ge­wicht brin­gen könn­ten”, sagt er.

Rod Stry­ker, ein Leh­rer für rechts­hän­di­ges Tan­tra, der bei Meis­tern in die­ser Pra­xis stu­diert hat, sagt jedoch, dass es Beden­ken gibt, die Tan­tra-Schü­ler/in­nen beach­ten sollten.

“Wenn die Nadis [die Ener­gie­ka­nä­le des Kör­pers] nicht so offen und klar wie mög­lich sind, kön­nen die Sexu­al­tech­ni­ken psy­chi­sche Tur­bu­len­zen erzeu­gen und eine zer­set­zen­de Wir­kung haben”, sagt Stry­ker. “Es ist sehr wahr­schein­lich, dass Men­schen, die ein Tan­tra-Wochen­en­de machen, nur sehr wenig von der grund­le­gen­den Arbeit mit Asa­na und Pra­na­ya­ma gemacht haben. Sie erle­ben viel­leicht, dass eine Men­ge Ener­gie in Bewe­gung gerät, aber wenn sie neu­ro­tisch sind und anfan­gen, die Lebens­en­er­gie zu erwe­cken, kön­nen sie ihre Neu­ro­sen verstärken.”

Tan­tri­sche Sexuallehrer/innen müs­sen wis­sen, wie sie das ver­mei­den kön­nen – oder wie sie es anspre­chen, wenn es doch passiert.

“Als Yoga­leh­rer”, sagt Stry­ker, “habe ich mit vie­len Men­schen gear­bei­tet – im Grun­de habe ich vie­le Men­schen behan­delt -, die durch die Erfah­rung, Sexua­li­tät unter dem Deck­man­tel des Tan­tra als Mit­tel der Erleuch­tung ein­zu­set­zen, zutiefst ver­letzt wurden.”

Einen sicheren Raum bewahren

Eine wei­te­re poten­zi­el­le Gefahr sieht Feu­er­stein in Neo-Tan­tra-Prak­ti­zie­ren­den, die sich in ego­is­ti­schen Moti­va­tio­nen ver­fan­gen, anstatt zu ler­nen, das Ego zu tran­szen­die­ren. Das kann zu unan­ge­mes­se­nem Ver­hal­ten, Mani­pu­la­ti­on oder Miss­brauch führen.

Ein/e Workshopleiter/in soll­te acht­sam auf alles ach­ten, was einem/r Teilnehmer/in Unbe­ha­gen berei­ten könn­te, aber auf kei­nen Fall psy­chi­schen, phy­si­schen oder emo­tio­na­len Scha­den verursachen.

Die Schrift­stel­le­rin Maya Melamed beschreibt eine “mise­ra­ble Erfah­rung” bei einem Tan­tra-Work­shop, bei dem der Work­shop­lei­ter sie ohne ihre Zustim­mung berühr­te, obwohl er angeb­lich eine Lek­ti­on demons­trier­te. Auch bei ande­ren Akti­vi­tä­ten wäh­rend des Work­shops wur­de sie von einem Frem­den berührt und betatscht.

Wenn du an einem Work­shop oder einer pri­va­ten Tan­tra-Sit­zung teil­neh­men möch­test, soll­test du dir über dei­ne Erwar­tun­gen im Kla­ren sein. Wirst du oder jemand ande­res sexu­el­le Tech­ni­ken demons­trie­ren? Wer­det ihr unter vier Augen üben? Wird von dir erwar­tet, dass du dich dei­ner Klei­dung ent­le­digst? Wenn du allei­ne bist, wirst du mit jeman­dem zusam­men sein? Stel­le Fra­gen und scheue dich nicht, es anzu­spre­chen, wenn dir etwas unan­ge­nehm ist.

Stry­ker emp­fiehlt allen Tan­tra-Schü­lern und ‑Schü­le­rin­nen, nicht nur detail­lier­te Fra­gen zum Kurs oder Work­shop zu stel­len, son­dern auch ihre Leh­rer und Leh­re­rin­nen mit zwei Fra­gen im Hin­ter­kopf zu prü­fen: “Inwie­weit leben die Leh­ren im Leh­rer und in sei­nen Bezie­hun­gen? Und inwie­weit leben die Leh­ren im Leben der Schüler/innen die­ses Lehrers?”

Am letz­ten Mor­gen des Muir’s Work­shops ver­sam­meln sich die Teil­neh­mer, um ihre Gedan­ken über die Woche aus­zu­tau­schen. Alle Paa­re kuscheln sich anein­an­der, man­che hal­ten sich an den Hän­den, man­che lächeln sich in die Augen.

Nie­mand scheint sich beson­ders dar­um zu küm­mern, ob sie auf dem Weg zur Erleuch­tung sind oder nicht. Sie sind zu sehr damit beschäf­tigt, sich in den Vor­tei­len zu son­nen, die die Woche ihnen gebracht hat.

“Ich habe alles bekom­men, was ich mir erträumt habe, und noch mehr”, sagt Mer­le. (Da sie sich den Witz nicht ver­knei­fen kann, wirft jemand ein: “Viel Geld für viel Leis­tung, was?”) Mer­les Part­ne­rin Anja beschreibt die Mas­sa­ge am hei­li­gen Punkt als den glück­lichs­ten Moment ihres Lebens. Sie und eini­ge ande­re sagen, dass der Work­shop ihr Enga­ge­ment für ihre Hatha-Yoga-Pra­xis ver­stärkt hat. Meh­re­re ande­re Teilnehmer/innen tei­len ihre Ent­schlos­sen­heit, nach ihrer Rück­kehr nach Hau­se mit Yoga weiterzumachen.

Stan, der 67-jäh­ri­ge Groß­va­ter und Ver­lob­te, liest ein Gedicht über die Wert­schät­zung sei­ner Part­ne­rin, das fast alle zu Trä­nen rührt. Mat­thew, der Zen prak­ti­zie­ren­de Arzt, sagt, er sehe alle Work­shop-Teil­neh­mer als “ein gro­ßes, schö­nes, grü­nes, hei­len­des Feld der Lie­be”, mit Charles und Caro­li­ne als Kul­ti­va­to­ren. Und sei­ne Part­ne­rin Amy schwört, dass sie jetzt weiß: “Nichts ist wich­ti­ger, als zu ler­nen, wie man sich gegen­sei­tig bes­ser liebt.”

Als Rob an die Rei­he kommt, ist sei­ne Ant­wort direkt. “Die­se Woche hat Mau­ern ein­ge­ris­sen, die Kel­ly und ich 25 Jah­re lang auf­ge­baut haben.”

Kel­ly sagt: “Ich befin­de mich schon lan­ge auf einem Hei­lungs­weg und dach­te oft, dass ich Rob zurück­las­sen muss. In die­ser Woche habe ich ent­deckt, dass ich einen Part­ner bei der Hei­lung habe.

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